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sich verlaufen und wie gesagt, grüßen Sie in meinem Namen mein altgeliebtes Heidelberg und seine Sänger.
Brestenberg im Aargau, 3. März 1861. Ihr ergebenster
Jos. Vict. Scheffel.
Welch köstlicher Humor weht nicht aus diesem Briese, der uns geradezu plastisch des Dichters eigenartiges Wesen vorführt!
Bald darauf machte der Verleger, der herzlichen Einladung folgend, der Scheffelschen Familie einen Besuch und wurde aufs Beste ausgenommen. Be> sonders warm dankte ihm der Vater des Dichters, der großherzogliche Oberbaurath Schesfel, für diese Anerkennung der Lieder seines Sohnes. Es war deutlich wahrnehmbar, daß die Wendung der Dinge ihn für das dichterische Streben desselben, dem er bis dahin ablehnend gegenübergestanden hatte, weil er ihm die Schuld beimaß, daß sein Sohn an der begonnenen juristischen Laufbahn keinen Gefallen fand, versöhnlich stimmte. Bei seiner feinfühligen, lebhaften Mutter hatte der junge Dichter mehr Ver- ständniß für seine Neigung gesunden. Hatte er doch von dieser ihm geistesverwandten Frau, die selbst treffliche Gedichte verfaßt hat, gerade so wie Goethe von seinem lieben Mütterchen, „die Lust am Fabu- liren" geerbt.
Wie wirksam diese neuen Lieder in ihrer würdigen Composition waren, das zeigte sich bereits gelegentlich des Stiftungsfestes der „Räuberhöhle" in Mannheim, eines heitern Vereins sangesfreudiger Männer, am 9. Februar 1861, zu dem auch der Verleger eine Einladung erhalten hatte. Dort trug das berühmte Mannheimer Opern-Soloquartett (Ditt, Rocke, Schlösser und Stepan) eine Anzahl derselben, die vom Hofkapellmeister Vinzenz Lachner, allerdings nicht zur Concurrenz, componirt waren, mit solcher Meisterschaft vor, daß dieselben nicht enden wollenden Beifall erregten. Herr Lachner hat übrigens, wie wir gleich hier erwähnen wollen, diese Compositionen später dem Commersbuche einverleiben lassen.
Noch mehr aber zeigte sich die Schönheit der Lieder auf dem bereits erwähnten, am 12. März in der That stattfindenden Heidelberger Preissingen, dem das gesammte Preisrichtercollegiumbeiwohnte. Wahren Enthusiasmus rief es in der Versammlung hervor, als der Veranstalter desselben sich erhob und das oben citirte Schreiben Scheffels an ihn verlas.
lieber das interessante Fest sind noch Berichte aus jenem Jahre vorhanden. So schrieb z. B. die „Badische Landeszeitung":
Heidelberg, 13. März. Wer gestern unsere friedliche Stadt durchwandelte, der ahnte wohl schwerlich, daß sie Zeuge eines Kampfes sein würde, wie ihn uns sonst nur die Bretter, die die Welt bedeuten, aus den Ritterzeiten vorführen. Von allen Seiten, aus Karlsruhe, Mannheim, Lahr, dem Ueberrhein, waren Kämpen und Schieds
richter zu dem Sängerkampf hinzugeströmt, der diesen Abend im großen Saale unseres Museums entschieden werden sollte. Glücklicher konnte der Ort nicht gewählt werden. Alt-Heidelberg hatte schon als Musenstadt den Beruf, über den Werth von Studentenliedern zu entscheiden, und in Alt-Heidelberg hatte ja auch der Dichter manch fröhliches, sangreiches Jahr verlebt. Auch der Schauplatz des Gesangturniers mahnte an das Zeitalter, worin sich der dichterische Genius Joseph Scheffels mit Vorliebe heimisch fühlt. Durch schaurige Bogengänge in den weiten Saal und zur Erquickung ein Naß, so golden und feurig, wie es kaum je das Heidelberger Faß füllte; es fehlte zur Täuschung nur das holdselige Burgfräulein, an deffen Stelle uns diesmal der Kellner mit dem edlen Trank zugleich den Denkzettel unserer modernen Cultur: die Rechnung überreichte. So groß der Saal unseres Museums, so faßte er doch kaum die Zahl der Gäste, und so hoch der Raum, so war er doch in zwei Stunden mit Tabakswolken erfüllt, die sich dichter und dichter ballten, bis endlich auch die Abgehärtesten der Damenwelt im eigentlichen Sinne hinausgeräuchert waren. Den Kampf eröffnete Herr Stepan aus Mannheim mit dem Lied Numero Acht; ein passend gewählter Anfang für den Kampf, bei dem nur Rebenblut und Gerstensaft fließen sollte. Es folgte nun Lied auf Lied, im edlen Wetteifer der Compositionen und der Sänger (der Herren Stepan, Schlösser, Ditt, Nocke), denen wir im Sinn aller Anwesenden für ihre trefflich abgerundeten und frischen Leistungen den Lorbeer hier nochmals zu Füßen legen, lieber die Compositionen müssen wir das Urtheil der Preisrichter abwarten; aber nach der Meinung vieler Laien, zu denen sich auch Referent zählt, reicht wohl keine an die vom Kapellmeister Lachner eingereichten; sie sind, wie Prof. Häusser in seinem Trinkspruch hervorhob: eine Dichtung, dem Gedicht hinzugefügt. Bis tief in die Nacht (?) hinein dauerte der Jubel der heitern Zecher. (Schluß f.)
Literarisches.
„Industrie-Blätter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritte in Gewerbe, Haushalt und Gesundheitspflege. Herausgegeben von Dr. E. Jacobsen (R. Gaertner's Verlag, Berlin SW., Schönebergerstraße 26). Preis vierteljährlich 3 X — Inhalt von Nr. 26, 1886: Gesundheitsschädigung durch zu heiße Speisen und Getränke. — Süßholz oder Lakritzen im Biere. — Ueber Berus und Ausbildung der „Elektrotechniker". — Die Herstellung von Aluminium und Aluminiumbronce auf elektrischem Wege. — Chilisalpeter oder schwefelsaures Ammoniak. — Ueber russisches Terpentin und die Oxydation desselben. — Gummiren in Bogen. — Praktische Schleifmittel. — Conservirung der Butter in Albuminpapier — Ueber die Gefahren der Lachgasnarkose. — Deutsche Reichs-Patente. — Bleichen und Färsen von Wachs. — Saccharin. — Essig vor dem Verderben zu schützen. — Superator.
Redmtion; B. Scheyds. — Druck und Verlag der BrLhl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


