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einkehrt. Ich rathe Ihnen also wiederholt, wenn Sie Werthe oder sonst Etwas zu verbergen haben, was da unten im Keller sich bestndet, so bringen Sie es an die Seite, vergraben Sie es, und wenn Sie dazu meiner Beihülfe bedürfen, so dürfen Sie nur über mich verfügen."
Der Kommerzienrath schwieg, von Duprat's lauernden Blicken beobachtet. Er kämpfte offenbar einen schweren inneren Kampf. Zuletzt aber winkte er abwehrend mit der Hand. „Thorheit!" sagte er. „Ich werde einfach nicht mehr hinuntergehen in den Keller, und wenn ich erst fort sein werde, wird der Klatsch ganz von selbst aufhören. Eduard wird froh sein, daß er fort ist und auswärts den weiteren Verlauf der Geschichte abwarten. Sie sehen überall Gespenster, und ich möchte doch gerade jetzt von jeder Sorge befreit sein. Können Sie mir nichts Besseres sagen?"
„Ich sehe allerdings nur Wolken und keinen klaren Horizont. Der rothe Matthies wird auch noch gefangen werden, und dann haben wir auch gleich wieder die Polizei im Haus."
„Sie meinen?"
„Natürlich ist dies der Fall und meine Lage dann eine sehr heikle. Freilich, wenn ich eine andere Stellung hier einnähme, welche mir das Recht gäbe, zu schalten und zu walten, wie ich es für gut befinde, so würde ich mich schon eines jeden fremden Eingriffes zu erwehren und Sie zu schützen wissen."
„Dieses Recht räume ich Ihnen ein."
'Duprat schüttelte den Kopf.
„Was Sie von mir erwarten und verlangen", „kann nur Ihr Assscie. Der bin ich nicht, werde ich auch niemals sein —Er zögerte.
Etwold schien von einem plötzlichen Gedanken erfaßt. Trotz seiner äußerlich bewahrten Ruhe war seine innere Angst und Unruhe doch in stetem Steigen begriffen gewesen.
„Associä?" sagte er. „Und warum sollten Sie das niemals werden? Ich sagte Ihnen schon früher einmal, daß ich vielleicht eines Tages Ihr ganzes Vertrauen würde fordern müssen. Nun, dieser ^Tag ist vielleicht so fern nicht mehr, und natürlich würde ich Ihnen dann auch die Stellung zuweisen, welche eine solche Vertraulichkeit bedingt. Genügt Ihnen das für heut? Dann hören Sie endlich auf mit Ihren dunklen Vorhersagungen. Ich will diese Stimmung abschütteln und mit besserer Hoffnung in die Zukunft blicken." (Fortsetzung folgt.)
Historisches von der Leipziger Messe.
Die Leipziger Messen genießen noch heute einen Weltruf, aber dennoch hat sich ihr Ruhm und ihre Bedeutung schon längst überlebt und wenngleich auf ihnen in manchen Branchen, so z. B. im Nauch- waarengeschäft, in den Tuch- und Lederwaaren u. s. w. noch ganz bedeutende Geschäfte abgeschlossen und große Umsätze erzielt werden, so haben die Handelsgeschäfte der Leipziger Messen doch lange
nicht mehr den Umfang wie früher. Die Eisenbahnen sind es in erster Linie, welche den Messen der alten Pleißestadt den Todesstoß versetzten und mit ihnen der gegen die früheren Gepflogenheiten ganz veränderte geschäftliche Verkehr; vielleicht mag auch die sich in Handel, Industrie und Gewerbe besonders in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts immer mehr geltend machende Krisis mit dazu beigetragen haben, den Leipziger Messen ihre Bedeutung zu nehmen. Wenn man von den eigentlichen Handelsgeschäften in obigen Branchen absieht, so kann man getrost behaupten, daß die Leipziger Messe heutzutage eigentlich wenig mehr, als ein großer Jahrmarkt ist, mit Verkaufs- und Schaubuden, Affentheatern, Menagerien und dem ganzen sonstigen Jahrmarktstrubel, wie man dies alles auch auf hundert anderen Märkten, vielleicht nur nicht in einem solchen Umfange, findet.
Wie anders sah es doch auf den Leipziger Messen vor 200, vor 100 Jahren aus! Damals erhielten dieselben schon dadurch ein ganz eigenartiges Gepräge, daß mit ihnen Gebräuche verbunden waren, die bereits seit vielen Jahren in Wegfall gekommen sind. So spielte auf den früheren Messen der Durchgang der Koppelpferde durch die Stadt eine besondere Rolle; damals war mit ihnen der ebenfalls sehr bedeutende Leipziger Roßmarkt vereinigt, Leipzig bildete den Stapelplatz des Pferdehandels für das südliche und theilweise auch für das nördliche Deutschland und wenigstens für das erstere gaben die Leipziger Messen den Preiscourant im Pferdehandel auf ein Jahr an. Infolge eines speciellm Befehles König Augusts des Starken, der zu den Messen regelmäßig nach Leipzig kam, selbst von Polen aus, durfte bei namhafter Strafe kein zur Messe gebrachtes Pferd früher gekauft werden, als bis alle angekommenen Pferde den Zug durch die innere Stadt gemacht hatten. Derselbe bestand darin, daß an den Sonntagen, mit denen — wie noch heute — die jeweilige Messe ihren officiellen Anfang nahm, von dem Roß- platze, wo sie versammelt wurden, aus zum Peters- thore herein durch die Petersstraße über den Markt hinweg, die Grimmaische Straße entlang und zum Grimmaischen Thore wieder hinausgebracht wurden. Am sogenannten Königshause am Markte, wo früher die sächsischen Herrscher bei ihren Besuchen Leipzigs gewöhnlich Absteigequatier nahmen, pflegte König August dann den Zug zu inspiciren und sich wohl auch ein Roß, das ihm besonders gefiel, auszuwählen. In den glänzendsten Zeiten des Leipziger Roßhandels gingen ost zweitausend Pferde in diesem Zuge und man kann sich denken» welch' einen interessanten und originellen Anblick ein solches Schauspiel darbot.
Unter den Handelsartikeln der Leipziger Messen gab es damals ganz eigenartige Gegenstände, die man in unserer heutigen fortgeschrittenen Industrie doch vergeblich suchen würde, und deren Vcrwerthung beweist, daß es auch zu jenen Zeiten schon Specu« lanten gab, welche das Haschen des Publikums nach


