Ausgabe 
15.5.1886
 
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Gießener Jamilienblätter.

Kelietrisiisches Beidlati ?um Gießener Anreiger«

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Rx. 57. Samstag den 15. Mai. 1886.

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Are Jakschmünzer.

Lriminal-Roman von Gustav Lössel.

(Fortsetzung).

15. Kapitel.

Duprat triumphirt.

Die Entdeckungen des kleinen Neubert hatten wieder einmal alle Welt in Aufregung versetzt und dem Mord in der Schmedengaffe die in großem Maßstabe betriebene Falschmünzerei als zweites Glied einer Kette von anarchistischen Verbrechen an« gereiht. War es nun auch offenes Geheimniß, daß Eduard Etwold's Name in Verbindung hiermit ge­nannt worden war, und daß jener am Tage, als man nach ihm forschen wollte, spurlos verschwand, so wagte man sich doch mit keiner Verdächtigung weiter an den Kommerzienrath heran, welcher eher als Opfer eines entarteten Familienangehörigen bemit­leidet wurde.

Duprat trat damit auch in den Hintergrund, während man auf Dryden's mögliches Wiederauf­tauchen noch immer ein wachsames Auge hielt. Und nicht vergebens.

Eines Tages zog man in Paris zwei einander eng umklammert haltende männliche Leichen aus der Seine. Es waren die Leichen Dryden's und Fuchs- eisen's; doch wurde nur die erste aus den bei sich geführten Legitimationen als solche erkannt. Fuchs­eisen führte gar keine Papiere. Damit vertiefte sich denn das die Todtenstadt umgebende Geheimniß noch mehr. Ein Zeuge mehr war verstummt, der etwa hätte sagen können, was da im finsteren Schooß der Erde geplant und vorbereitet worden.

Wer war nun glücklicher als Duprat?

Ihr Mund ist stumm", murmelte er, als er den betreffenden Artikel in der Zeitung las.Es ist, als ob mir alle Wünsche in Erfüllung gehen sollen. Nur der eine nicht, mit Klara Etwold. Sie erlangt wahrhaftig ihre Gesundheit wieder. Aber ich habe auch von ihr keinen Widerstand mehr zu fürchten. Sie steht im Banne der Schuld ihres Vaters, und das Schreckliche, was jetzt der Keller birgt, wird wohl genug sein, um sie entweder ins Irrenhaus zu treiben wie meine Mutter, oder um ihr dauerndes Schweigen aufzuerlegen."

Duprat lriumphüte. Die Verfolgungen seiner und des Kommerzienraths waren eingestellt. Letzterer hatte anfänglich mehrere verzweifelte Versuche ge­

macht, in den Keller zu gelangen; aber er hatte das verhindert. Nun er endlich die Schlüsse! an einer anderen Stelle wiedergefunden, wagte er sich nicht mehr hinab, aus Furcht, seinen Gefangenen als Leiche zu finden.

Dieser Mann trägt mir doch noch den Kopf zu hoch", dachte Duprat.Meine nächste Aufgabe wird sein, ihn zu demüthigen und meine Macht ahnen zu lassen. 9!ut so werde ich ihn zu einem Werkzeug meiner Pläne machen."

Duprat wußte zwar, daß die gefundene Falsch­münze nicht das Werk der Anarchisten, sondern die von Riston errichtete sei; aber er hatte deswegen keine Besorgniß weiter. Es war anzunehmen, daß Riston, gleich nachdem er dies erfahren, die Flucht ergriffen hatte und sein Handwerk nun schon anders­wo übte. Das aber war der letzte Stein vom Halse Duprat's und nun konnte er sich ruhig der Ver­wirklichung seiner stolzen Pläne widmen.

Der Kommerzienrath war noch ahnungslos von dem, was Duprat gegen ihn im Schilde führte, und so war er eigentlich über die Wendung, welche Alles genommen, froh. Seine Tochter auf dem Wege der Besserung, Eduard glücklich entkommen und schon jetzt halb frei gesprochen was mehr konnte er wünschen? Allerdings da war noch der Mann im Keller. Aber dessen Mund war nun auch Dank eines unglücklichen Zufalls verstummt für immer; und wenn es zum Aeußersten kam, stand da unten noch immer ein Quantum Dynamit, ge­nug, um seinen ganzen Palast in die Luft zu heben. Aber allem Anschein nach kam es nun nicht mehr dahin; hatte man sein Augenmerk doch ganz von ihm und seinem Hause ab- und jenem stillen Fried­hof zugeweudet, auf dessen finsterem Grunde noch so manches furchtbare Geheimniß verborgen ruhte.

Natürlich machte der Gedanke einer gedeihlichen Weiterentwickelung der günstigen Wendung den Kommerzienrath mittheilsam, und gegen wen konnte er das sonst noch sein, als gegen Duprat. Klara bedurfte noch der größten Schonung, und er durste nur für sie denken, aber nicht mit ihr.

Nun, mein lieber Duprat", sagte er eines Morgens zu diesem,jetzt werden Sie bald hier die l Alleinherrschaft führen. Ich sagte Ihnen wohl i schon, daß ich mit Klara eine Reise nach dem Süden $ unternehmen werde?"

Nein", entgegnete Duprat kalt und gemessen, iSie beehrten mich noch nicht mit Ihrem Vertrauen in diesem Punkt."

So? Nun, dann wissen Sie es jetzt. Ich er-