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Gewissen zu
Gesicht und leidenschaft-
Mergkocken.
Erzählung von E. Kraus.
Vor langen Jahren war's und Charsamstag. | Ein köstliches Frühlingswetter war über die herrliche Landschaft und die Stadt H. ausgegossen, als zur Vesperzeit zwei Männer, der eine kaum dem Jünglingsalter entwachsen, der andere in vorgerückteren Jahren, schnellen Schrittes die Straße, welche von der Stadt H. zum Flusse führte, herab kamen und den Fußpfad hinter den Häusern, am Wasser entlang, einschlugen. Sie hatten kein Auge für die Schönheit der Umgebung, weder für den blauen Strom, der leise plätschernd dahinfloß, noch für die Hüusergruppen, die sich zwischen frischem Grün malerisch an einen sanft aussteigenden Hügel lehnten, auf dessen Gipfel das weithin sichtbare Dominicaner, kloster thronte. Die Wanderer waren offenbar mit ganz außerordentlichen Dingen beschäftigt, denn, wenn auch der junge Mann den Kopf senkte und nichts auf die eifrigen Reden seines Begleiters zu antworten schien, so wurden dafür deffen Worte jmme; lauter und eindringlicher und w so M-
beantworten."
„Eduard verdächtigt?"
„Ja."
„Westen?"
„Das werden Sie gleich erfahren."
„O, mein Sott 1“
Hedwig schlug die Hände vor's wiegte ihr hübsches Köpfchen in einem lichen Schmerz.
(Fortsetzung folgt.)
förmlich: „
„Die Kunst, ja die Kunst über Alles! Das Lied kennen wir auswendig, hast es uns ja oft genug r , vorgesungen, und die korrekten Zeichnungen, in denen | der berühmte Architekt ein so großes Talent entdeckte
„Jda's Vater, der Sanitätsrath."
„Und der sollte es wohl misten?"
„Wenn überhaupt ein Mensch es wißen kann." Soltmann unterdrückte nur mit Mühe einen
Seufzer. .
„Es muß schwer sein, so iunz zu sterben", sagte er. „Aber wir irren ab. Nicht um die Tochter des Kommerzienraths handelt es sich jetzt, sondern um den Sohn deffelben." . .
„Eduard? Was ist'S mit ihm?" fragte Hevwig besorgt. ,
„Das eben sollen Sie mir sagen", entgegnete Soltmann sanft aber bestimmt.
„Ich?"
,Sie."
Er erzählte nun ohne Angabe der Quelle, was er gestern Abend im (Safe erlauscht hatte-
PHedwig schien sehr betroffen.
"„Sie sehen, ich weiß Alles", sagte überredend Soltmann, „und da es Herrn Eduard Etwold von einem schweren Verdachte zu reinigen gilt, werden Sie gewiß nicht ansteheu, mir meine amtlich ge- thanen Fragen nach bestem Wissen und V‘
drucksvollui Geberden begleitet, daß ihnen zwei kleine Mädchen, die am Rain nach Gänse- und Leberblumen suchten, erschrocken nachschauten.
„Hu", sagte die Kleinste, „rote schrecklich böse Herr Marek aussieht, ich fürchte mich vor ihm."
„Ich eigentlich nicht", antwortete ihre Gespielin, „denn meine Mutter sagt, sein Herz sei sehr gut; gestern erst hat er uns einen großen Korb nut allerlei quten Dingen für die Feiertage geschickt und ich darf immer kommen und Abfallholz holen, fo viel als ich tragen kann. „ t c
Am Ende des Städtchens machte der Fluß und somit auch der Fußweg eine Biegung, und als die beiden Herren Marek, Vater und Sohn, dtefelbeii umschritten hatten, lag ihr Ziel vor ihnen.
„Schiffszimmerei von W. Marek stand in großen Buchstaben über dem Eingangsthor, hinter
1 welchem auf einem großen weiten Platz Bauutensilien, Bauholz aller Art, rohe Stämme und zugerichtete Planken lagerten. An der einen Seite sah man fertige und halbvollendete große und kleine
I Kähne, aber kein fleißiger Arbeiter war zu bemerken, I denn schon seit zwei Tagen hatte man, um der heuigen I Charwoche willen, jede laute Beschäftigung eingestellt. I Die Nachmittagssonne lag leuchtend auf dem großen Anwesen, die Natur feierte ihr Friedensfest, aber kein Frieden war in den Gemüthern dieser Beiden, I welche immer eiliger durch den Mittelgang dem
Wohnhause zueilten. , , ,, ,
Dort, in der großen Unterstube hacke bis jefci eine Frau fleißig nähend am Fenster gesessen; sie putzte für ihr siebenjähriges Töchterchen ein weißes Kleid mit bunten Schleifen aus zum bevorstehenden Fest, warf aber die Arbeit hin, als die Aljur aufgestoßen wurde und trat den Heimgekehrten entgegen.
„Die Sitzung ist ja recht schnell verlausen, aoer , fügte sie hinzu, als sie die verstörte Miene ihres auf einen Stuhl gesunkenen Sohnes gewahrte, „was ist denn vorgefallen?"
„Kurz ist die Sitzung allerdings verlaufen, uno doch ist mehr als genug, ja das Unglaublichste dabei vorgefallen", antwortete ihr Eheherr in nur mühsam verhaltener Wuth, „denn denke Dir, der -dollkopf dort, der Knabe, hat uns, den gereiften Mannern, den Stuhl vor die Thüre gesetzt."
„Was willst Du damit sagen, Wenzel, ist Anton unbescheiden aufgetreten? Er ging schon so wider- willig fort heute Nachmittag!"
„Ach was, unbescheiden, verrückt, ganz verrückt hat er sich benommen", polterte der Hausherr.
„Aber Vater, bedenke doch, ich sprach za nur von meiner großen Liebe zur Kunst, wagte der L>ohn einzuwenden. ~ ,
Damit goß er aber Del ins Feuer, denn der schon etwas ruhiger gewordene Vater schrie letzt


