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lichen Verhältnissen immer wärmer als seine Umgebung, giebt also immer mehr Wärme an diese ab; er ist auch auf den Wärmeverlust eingerichtet, denn er erzeugt in seinem Innern fortwährend neue Wärme, die den Abgang ersetzt. Aber wenn er zu viel Wärme verliert, so wird der Mensch kälter, als für seine Lebensvorgänge gut ist; er friert, und diesem Zustande beugen wir theils durch Bekleidung, theils durch Heizung der Wohnräume vor. Was nun die Heizung erstreben soll, das erfahren wir, wenn wir uns die Art der Wärmeverluste ansehen, denen wir ausgesetzt sind.
Dieselben zerfallen in zwei Theile: Verluste durch Leitung und Verluste durch Strahlung. Jeder warme Körper, also auch der unsrige, giebt direct „durch Leitung« Wärme ab an die kälter» Körper, mit denen er in Berührung steht. Wir erwärmen die Luft, die uns berührt, die dadurch erwärmten Lufttheilchen dehnen sich aus, werden leichter und steigen in die Höhe, andere Lusttheilchen schieben sich von unten an uns heran, lassen sich wieder erwärmen u. s. w. Um jeden Menschen steigt in kühler Luft, ganz ähnlich wie an einem heißen Ofen, nur schwächer, ein erwärmter Luftstrom in die Höhe, der ihm Wärme entzogen hat und diese Wärme hinwegbesördert. Der Strom würde recht bedeutend sein, wenn unsere Kleider nicht gerade darauf eingerichtet wären, ihn zu hemmen; die in den Kleidern enthaltenen Luftschichten können sich nur wenig be- wegen, bleiben also, nachdem sie einmal erwärmt sind, an ihrem Platz, die Wärme wird nur langsam durch die Kleider hindurch geleitet, und an der Außenfläche unserer Anzüge nimmt die Luft eine weit geringere Wärmemenge durch Leitung fort, als fie dem Körper bei unmittelbarer Berührung entziehen würde. Immerhin ist aber der Verlust, den wir in kalter Luft durch Leitung erfahren, nicht unbeträchtlich; das spürt man sofort, wenn man im Winter die Fenster eines geheizten Zimmers öffnet und damit der eindringenden kalten Luft gestattet, sich am menschlichen Körper zu erwärmen.
Eben so wichtig wie die Leitungsverluste sind diejenigen durch Strahlung. Denken wir uns zunächst etwa ein weißglühendes Stück Eisen: Von demselben gehen Lichtstrahlen au», welche die Lust ohne merklichen Verlust durchdringen, von festen Körpern aber, z. B. von den Mauern, auf die sie fallen, aufgesangen werden; dort, wo diese Licht- strahlen angehalten werden, erzeugen sie Wärme. Man kann sich bekanntlich an einer großen weiß- glühenden Eisenmasse auf eine Entfernung von mehrer« Metern verbrennen, so stark ist ihre Strah- lung. Aber auch am dunkeln warmen Ofen kann man seine Hände in einem Abstand von einigen SDtcimetern erwärmen; also sendet auch ein dunkler warmer Körper Strahlen aus. Dar ist in der That der Fall, nur sind diese Strahlen unsichtbar, sie wirken nicht auf unser Auge, sondern nur auf unsere Haut. Geradeso wie ein warmer Ofen ver- -
hält sich nun irgend ein beliebiger Körper; er sende? Strahlen aus, umsomehr, je wärmer seine Oberfläche ist. Betrachten wir hiernach einen Menschen in einem Zimmer; sein Körper strahlt Wärme nach allen Richtungen, zugleich aber strahlen ihm die Zimmerwände Wärme zu. Da aber die Zimmerwände in der Regel kälter sind als die Oberfläche des angLkleideten Menschen, so strahlen sie ihm weniger Wärme zu, als er ihnen; in Summa also verliert er bei dem Vorgang eine gewisse Wärmemenge. Das ist der Verlust durch Strahlung. Derselbe ist um so größer, je kälter die Zimmer- wände sind, und er ist zugleich unabhängig von der Beschaffenheit der Luft im Zimmer; denn durch diese gehen ja die Strahlungen ungehindert vor sich. Daher kommt es z. B., daß man in einem frisch geheizten Zimmer, welches lange vorher kalt gewesen, ein unbehagliches Gefühl von Frösteln verspürt, auch wenn die Luft desselben schon warm geworden ist; die Wände sind noch kalt, und trotz der warmen Lust verliert der Körper durch Strahlung an die kalten Wände mehr Wärme, als ihm angenehm ist.
Hieraus ergiebt sich nun die Aufgabe, welche eine zweckmäßige Heizung zu erfüllen hat: Sie muß 1) die Luft und 2) die Wände der Wohnräume erwärmen. Letzteres ist noch wichtiger als das erstere; es ist nicht so unangenehm sich in einem Zimmer mit gut durchwärmten Wänden in die kalte Luft des offenen Fenster« zu stellen, als die, Kellerkälte" eines feit Wochen durch Winterkälte abgekühlten Zimmers bei warmer Luft zu ertragen; d. h. die Wärmeverluste durch Strahlung sind unangenehmer als die durch Leitung.
Run ist klar, daß, wenn man die Luft eines Raumes erwärmt, auch die Wände desselben allmählich von der Lust durch Leitung ongewärmt werden, und umgekehrt; heizt man die Wände, so erwärmt man mittelbar auch die Luft. Aber die verschiedenen Arten der Heizung unterscheiden sich doch dadurch, daß die einen mehr auf die Wände, die andern mehr auf die Luft wirken. Und dabei gilt für die Wärmezufuhr durch Heizung offenbar dieselbe Em- theilung, welche wir oben aus die Wärmeverluste anwandtm: Giebt der heizende Körper seine Wärme hauptsächlich durch Strahlung ab, so wärmt er in erster Linie die Wände, aus welche die Strahlen fallen; giebt er sie aber durch Leitung ab, so wirkt er direct nur aus die Luft, welche seine Wärme durch Strömung im Zimmer umherträgt. Strahlende Feuer haben daher eine gute Eigenschaft; indem sie vornehmlich die Wände anheizen, entfernen sie die unangenehmste Quelle der menschlichen Wärmeverluste. Aber fie haben auch eine Nebeneigenschast; sie strahlen direct auf den Menschen, der in ihre Nähe kommt Dar kann unter Umständen für eine erste Erwärmung angenehm, auf die Dauer aber unangenehm werden.
(Schluß folgt).
Nckaction; A. Scheyda. — Druck und Berl«g der Brühl'schm Druckerei (Fr. «hr. Pietsch) in Gießen.


