Z87
Krau Hartung, welche im Untcrland wohnte, vermißte ihren Sohn und wollte sich nicht beruhigen laffen, bis endlich, als es zu tagen begann und das Gewitter sich in strömenden Regen auflöste, einige Fischer sich aufmachten, um den jungen Mann zu suchen, den sie auch bald mit Mr. Morgan am Fuß der Treppe fanden.
Sie lagen bewußtlos, blutig und zerschlagen in einem Knäuel zusammengerollt.
Als sie von einem Arzt untersucht wurden, fand es sich, daß der Engländer tobt, der Hamburger zwar stark verletzt, doch aber noch am Leben war.
7. Capitel.
Aus einem der ersten Hotels am Jungsernstieg zu Hamburg traten zwei einfach aber höchst fein gekleidete Herren, in welchen Niemand dis beiden Freunde aus dem Urwald von Caracas erkannt haben würde, zumal den Einsiedler, welcher noch immer den Namen KatLra trug.
Nachdem der lange wilde Bart gestutzt und das jahrelang vernachlässigte Aeußere des seltsamen Mannes wieder der Civilisation angepaßi worden war, staunte selbst Felix Rodenburg über die wunderbare Veränderung, welche die schöne, echt vornehme Erscheinung de« Polen wieder zur Geltung brachte, und seinem scharfgeschnittenen Antlitz, das wie aus broncefarbenem Erz geformt schien, den leisen Hauch einer einstigen Liebenswürdigkeit zurückgab. Felix mußte sich im SM en gestehen, niemals eine anziehendere und zugleich gkbietendere Persönlichkeit gesehen zu haben, als diesen geheimnißvollen Kaiära.
Es war ein prachtvoller Morgen, die Sonnenstrahlen blitzten in der ruhigen Alsterfluth, welche von kleinen Dampfern und bewimpelten Böten an» muthig belebt war.
Während Felix, als echtes Hamburger Kind, mit Rührung und Entzücken diese« schönste Bild der Vaterstadt in sich aufnahm und dem Zauber der Heimath sich ganz hingab, schritt der Pole, unruhig den düster glühenden Blick auf jeden Vorübergehenden heftend, an seiner Seite dahin.
„Wann, sagten Sie, sei das Schiff angckommen?" fragte er nach einer Weile.
„Bereits seit zwölf Tagen", versetzte Felix, „er hat somit einen bedenklichen Vorsprung, zumal nicht anzunehmen, daß er hier in Hamburg geblieben sein sollte."
„Weshalb nicht?" meinte KatLra verwundert, „diese Stadt wird ihm völlig fremd sein, so fremd, wie sie mir ist. Er hat keine Ahnung davon, daß er verfolgt wird, — das, mein Lieber, ist unser Vorsprung, weil er sich hier völlig sicher fühlen muß. Nur eins habe ich zu befürchten —"
„Und das wäre?"
„Daß er mich in diesem Civilisations-Rock sofort wieder erkennt. O, hätte ich den Juda» im Urwald gehabt."
„Ja, wäre mir auch lieber gewesen", meinte
Felix nachdenklich. „Bevor ich das Vaterhau» aufsuche", fetzte er nach einer Pause hinzu, „möchte ich erst mit alten Freunden reden. Sie begleiten mich dorthin?"
„Wenn ich nicht lästig bin, von Herzen gern."
„Gut, wir müffen nothwendig sondiren, bevor wir handeln."
Er winkte eine Droschke heran und fragte den Kutscher nach dem Notar Willing.
„Der ist todt — Herr!" lautete die Antwort.
Todti — Felix hatte nicht an solche Zwischen» fälle gedacht. Der alte Notar war ihm stets wie ein Vater gesinnt gewesen.
„Lebt der Banquier Gotthard noch? Er wohnte vor Jahren auf den großen Bleichen."
„Wohnt er auch noch — soll ich die Herren dorthin fahren? — Nachher ist er auf dec Börse."
F?lix nickte — beide stiegen ein und befanden sich nach wenigen Minuten vor dem ansehnlichen Hause de« Banquiers, welcher mit starrem Staunen die Karte mit dem geschriebenen Namen „Felix Rodenburg" entgegennahm.
„Ja, fällt denn der Himmel ein I" rief er, dem Eintretenden beide Hände entgegenstreckend, „sind Sie's wirklich, Felix?"
Dieser schüttelte ihm die Hand und blickte tiefbewegt in das faltige Antlitz des alten Banquiers.
„Bin'S leibhaftig, theurer Freund!" versetzte er, sich gewaltsam faffend, „kehre al« alter Kerl in die Heimath zurück, nach welcher ich mich im Glück und Unglück gesehnt, wie ein Kind nach der Mutter"
„Als alter Kerl?" lachte der Banquier, seine Rührung unterdrückend, „laffen Sie sich besehen und dann umarmen. Sind braun wie eine Cigarre, aber sonst recht stattlich herausgewachsen. Willkommen in der Heimath, Felix Rodenburg! Werden Viele hier vermiffen, Viele und Vieles — ja, ja die Jahre laffen stets ihre Spuren zurück."
„Der alte Willing ist todt.'
„Hm, wissen schon, — fragten wohl gleich nach dem alten Knaben, der's immer so gut mit dem Felix gemeint. — Er ist todt?"
„Und mein Vater?" fragte der Heimgekehrte leise. „Ist er auch todt?"
Der Banquier schaute düster vor sich hin.
„Ebenfalls dahin — er starb schon ein Jahr nach seiner zweiten Vermählung." (Forts, folgt).
Ueöer Stuöenfieizrmg?)
Wer ein Zimmer heizt, verfolgt den Zweck, den Bewohnern desselben eine behagliche Temperatur zu verschaffen. Behaglich ist für uns eine Temperatur, bei der unser Körper in jeder Secunde ein gewisses, nicht zu großes Maß von Wärme verliert. Verlieren muß er; denn unser Körper ist unter gewöhn-
*) Aus der Köln. Ztg.


