Mobiliar wird kaum hinreichen, die Kosten der Concursverwaltung zu decken."
„Aber es müssen doch noch andere Aktiva vor» Händen sein", sagte der Advocat.
„Es stehen allerdings noch einige Forderungen aus, aber sie sind ziemlich unbedeutend. Sehr schlimm ist es, daß Herr Morgenroth in der letzten Zeit keine Buchungen mehr eintragen ließ; er hat an der Börse enorme Summen verloren, und wir wissen heute noch nicht, wie groß sie sind und wer sie zu fordern hat. Dadurch wird uns eine genaue und richtige Bilanz vorläufig unmöglich gemacht; die Passiva, wie wir sie jetzt kennen, werden sich bedeutend erhöhen und die Aktiva möglicherweise noch vermindern. O, wer weiß, was in der Zeiten Hintergründe schlummert —" t
„Misten Sie auch nicht annähernd, welchen Procentsatz die Maste ergeben wird?" unterbrach Ackermann ihn.
„Annähernd? So weit wir es berechnen können, werden kaum fünf Procent für die Gläubiger herauskommen."
„Das ist unmöglich!" rief Ackermann, von seinem Sessel emporspringend. „Bedenken Sir doch, welch' großes Kapital er von mir allein erhalten hat!"
„Der Kauspreis für das Gut ist nicht voll in feine Hände gelangt", erwiderte Maiwind: „er hat für die Hälfte Actien nehmen muffen, die unter dem Werth verkauft wurden —"
„Auch diese sind verkauft?"
„Jawohl! Sie hatten ja Auftrag dazu gegeben, mit dem Gelds sollte speculirt werden."
„Und diese ganze Summe sollte verloren sein?" fragte Ackermann, die Brauen zusammenziehend.
„Das gerade nicht, aber was nicht damals ver- loren ging, das wird nun wohl verloren sein. Das eben ist der Fluch der bösen That —"
„Wo sind die Bücher?" unterbrach der Advokat ihn.
„Versiegelt. Ich hätte sie heute Morgen noch vorlegm können, aber ich traf den Herrn Landrath nicht zu Hause. Um indeß auch auf diese Frage vorbereitet zu sein, habe ich das betreffende Conto ausgezogen; hier ist's; Zahlen beweisen, sagt Benzen- berg!"
Mit zitternden Händen entfaltete Ackermann da» Papier; lange ruhte sein starrer Blick auf ihm, dann ließ er er, schwer aufathmend, sinken. Er wußte jetzt, daß er ruinirt war. Morgenroth hatte mit dem Gelbe leichtsinnig gewirthschaftet und, wie die Dinge lagen, konnte es auch zu Nicht» führen, wenn cr nachträglich einen Prozeß anstrengen und einzelne Posten in diesem Rechtrauszug anfechten wollte.
„So weit ging meine Vollmacht nicht", sagte er erbittert. „Morgenroth hat diese Gelegenheit benutzt, um sich selbst zu bereichern, und Sie werden mich nicht glauben machen, daß er nur eine kleine Summe mitgenommen haben soll. Er muß unverzüglich verfolgt werden."
„Wir müssen das nun dem Gericht überlassen" erwiderte der Buchhalter.
„Das allein genügt nicht; einige tüchtige Crrmr- nalbeamte müssen ihm nachgeschickt werden."
„Wollen Sie die Kosten decken? In unseren Kaffen ist Nichts mehr, und die übrigen Gläubiger md, mit geringen Ausnahmen, unbemittelte Leute, )ie Nichts mehr zu verlieren haben. Vielleicht ge- lingt es, in Newpork oder in einer andern überseeischen Stadt seiner habhaft zu werden; aber was wird nach Abzug aller Kosten hrrauskommen? Sehr wenig, das sage ich Ihnen im Voraus. Wir müssen ja wissen, wie viel in der Kaffe war, al» er sie plünderte —"
„Er wird schon vorher große Summen beseitigt haben!"
„Nicht doch, er hat Alles verspielt! Es sind gestern und heute ganz enorme Wechsel präsentirt worden, von denen wir nichts wußten."
„Aber wie ist das möglich!"
„Ja, e» giebt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen läßt! Jetzt sind überall die Siegel angelegt; wir müssen warten, bi» das Gericht den einstweiligen Verwalter bestellt hat und die Siegel wieder abgenommen werden, dann erst können wir mit der Arbeit beginnen und die Höhe der Aktiva und Passiva feststellen."
„Und Sie glauben wirklich, daß nur fünf Procrnt herauskommen werden?" fragte der Advocat.
„Eher weniger als mehr."
„Dann müßte das Haus längst fallit fein!" brauste Ackermann auf. „Sie waren der erste Buch» Halter dieses Hauses — haben Sie denn nie eine Bilanz gezogen? Sie hätten mich warnen müssen, wenn Sie ein ehrlicher Mann fein wollen; Sie wußten, daß dieser Schuft mich betrügen wollte —"
„Nein, das wußte ich nicht I" fiel Maiwind ihm ärgerlich tn's Wort. „Wozu der Lärm? Was steht den Herren zu Diensten? Und wenn ich wirklich Sie gewarnt hätte, würden Sie mir Glauben geschenkt haben? Sie wollten Millionär werden; Sie glaubten an die glänzenden Versprechungen, die Morgenroth Ihnen machte; ich würde mit meinen Warnungen keinen Dank geerntet haben. Unsere letzte Bilanz gab zu keinen Befürchtungen Anlaß; ich konnte nicht voraussehen, daß Morgenroth so unsinnig fpeculiren und so große Verluste haben würde; er verschwieg mir Vieles; ich erfuhr die Wahrheit erst, als jede Warnung zu spät gekommen wäre. Gründungen, bei denen wir stark betheiligt waren, gingen zu Grunde, und aus diesen Ruinen blühte kein neue» Leben; ganze Berge von Actien, die wir besaßen, wurden über Nacht entwertet. Da fragt man noch, wo das Geld geblieben fei?"
Ackermann hatte seine Papiere eingesteckt; er griff nach dem Hute, der in seiner Hand zitterte.
„Kann in meinem Interesse hier etwas geschehen?" wandte er sich zu dem Advocaten.
„Nein", lautete die Antwort, „die Angelegenheit


