Ausgabe 
14.10.1886
 
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Hießener Isamilienbtätter.

Belletristischer Beiblatt pim Gießener Anzeiger.

Nr. 121.Donnerstag bett 14. October. 1886.

Saat und Krnle.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Kann der Verkauf meines Gutes nicht rückgängig gemacht werden?"

Da» kommt auf die Käufer an. Ich glaube, die Actiengefellfchaft ist froh, wenn sie es Ihnen ohne allzu großen Verlust zurückgeben kann"

So meine ich dar nicht. Ich verlange, daß das Geschäft von Gerichtswegen ungültig erkannt wird; ich nehme mein Gut zurück, und wegen de« Geldes haben die Käufer sich an Morgenroth zu halten."

Sie werden keinen Richter finden, der diese Ungültigkeits-Erklärung ausspricht. Mvrgenroth war bevollmächtigt, das Geld für Sie in Empfang zu nehmen"

Aber er hat nur einen Theil des Gelder er­halten; für den Rest mußte er Actien für die neu gegründete Gesellschaft nehmen."

Wenn bas mit Sicherheit festgestellt werden kann und diese Actien noch vorhanden sind, dann wollen wir versuchen, sie Ihnen zu retten", sagte der Rechtsanwalt, dessen gleichmüthige Ruhe einen schroffen Gegensatz zu der Erregung Ackermann'« bildete.Aber daß dabei viel herauskommen wird, kann ich nicht glauben; die Actien dieser Gesellschaft sind fast werthlos. Ein Rath läßt sich überhaupt jetzt noch nicht geben; wir müssen vorher wissen, wie die Dinge liegen. Wie hoch beläuft sich Ihre Forderung?"

Zweimalhundertsünfzigtausend Thaler !"

Hm, hm, daß Sie eine so große Summe einem Manne anvertrauen konnten, von dem es allgemein bekannt war, daß er an der Börse speculirte"

Er ist leider geschehen!"

Und noch schlimmer ist's, daß Sie diesen Mann bevollmächtigten, mit Ihrem Gelds ebenfalls zu speculiren. Sie konnten seine Geschäfte nicht contro- liren, und ich fürchte, daß er Ihnen große Verluste angekreidet haben wird."

Ackermann blickte wieder auf seine Uhr.

Die Bureaux werden jetzt geöffnet sein", sagte er.Mein Wagen wartet vor der Thür; dürfte ich Sie bitten, mich zu begleiten?"

Wenn Sie es wünschen, gern; aber"

Kommen Sie nur, Herr Doctor; Sie sind in diesen Dingen besser erfahren, als ich; es handelt

sich darum, zu retten, was noch gerettet werden kann."

Eine halbe Stunde später traten die beiden Herren in das Hau» Morgenroth's, vor dem zahl­reiche Gruppen standen, die vergeblich Einlaß ge­fordert hatten.

Die Gerichtsherren waren eben damit beschäftigt, die Siegel anzulegen. Das GefchLftspcrfonal stand müßig in den eleganten Räumen und vertrieb sich die Zeit mit spöttischen Bemerkungen.

Maiwind kam dem Landrath entgegen; er führte die Herren in das Cabinet, in dem die Siegel be­reit» angelegt waren.

Die schönen Tage von Aranjuez sind nun vor­über", sagte er, indem er sie durch einen Wink ein­lud, Platz zu nehmen.

Ich bitte Sie ernstlich mich mit diesem Unsinn zu verschonen", erwiderte Ack-rmann unwillig.Be­antworten Sie unsere Fragen kurz und bündig. Sie werden hoffentlich begreifen, wie viel für mich davon abhängt. Wann ist Ihr Chef abgereist?"

Vorgestern Abend."

Und ich erfahre das erst heute?"

Sie würden'« auch heute nicht erfahren haben, wenn wir nicht Verdacht geschöpft hätten. Nicht» verpflichtet un«, unfern Gläubigern von jeder Ge­schäftsreise unsere» Chefs Anzeige zu machen, und Herr Morgenroth hatte nur hinterlassen, daß er eine Geschäftsreise antreten müsse."

Der Blick Ackermann'» irrte unstät durch das Zimmer.

Wohin ist er gereist?" fragte er.

Das wissen wir leider nicht! Was man nicht weiß, das eben brauchte man"

Hat er eine bedeutende Geldsumme mitge­nommen?"

Nicht so bedeutend, wie Frau Fama bereit» be­hauptet. Es können höchstens zwanzigtausend Thaler fein; mehr war nicht in der Kasse, und die hat er freilich vollständig geplündert."

Hat er auch Werthpapiere mitgenommen?" fragte der Rechtsanwalt.

Die Papiere, die noch in der Kasse liegen, sind völlig werthlos", erwiderte der Buchhalter achsel­zuckend.Unsere guten Werthpapiere sind schon früher bei der Bank verpfändet worden."

Und dies Haus nebst dem Mobiliar?" fragte Ackermann mit wachsender Ungeduld.

Auf das Haus sind bedeutende Forderungen hypothekarisch eingetragen, und der Erlös aus dem