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schon manch- schlimme Stunde bereitet hat. Ich erinnere mich dunkel, daß unser Haus vor vrelen Jahren einen Fremden beherbergte, sollten Sie
bitte Sie, geben Sie sich keinen Ver. muthungen hin", unterbrach der Oberst ihn mit einer raschen, abwehrenden Handbewegung. „Ich habe den alten Herrn besucht, um ihn zu warnen, und bei dieser Gelegenheit erinnerte ich mich auch der Mittheilungen, die Sie mir über Ihre Verhältnisse gemacht hatten; es gehörte doch wohl kein besonderer Muth dazu, mit ihm darüber zu reden!"
„Und mein Vater hat Ihnen nicht derb und ablehnend geantwortet?"
„Keineswegs."
„Das begreife ich nicht; befindet er sich doch gerade heute in keiner rosenfarbenen Laune."
Der Oberst wiegte lächelnd das Haupt.
„Ich hoffe, Sie werden meinen Worten Glauben schenken", sagte er. „Gehen Sie nun mit sich zu Rathe, und wenn Sie Ihren Entschluß gefaßt habem dann halten Sie auch an ihm fest; ich werde noch einige Tage hier bleiben." ,
„Und von hier aus kehren Sie nach Amerika zurück?"
„Ich weiß das noch nicht; möglich, daß ich sofort die Rückreise antrete; möglich aber auch, daß ich noch einige Wochen bleibe. Halten Sie sich nur bereit; großer Vorbereitungen bedarf es nicht."
„Ich muß vorher um meine Entlaffung einkommen." _ ,
„Besprechen Sie das mit Ihrem Herrn Vater. —" (Fortsetzung folgt).
Französische Communen im Mittelalter (Schluß).
Aber mit der Befreiung des Landes von den Normannen erlosch die Bewegung von Maine nicht, vielmehr brach in der Hauptstadt eine ganz neuartige Empörung aus. Die nach der Befreiung ihres Landes heimgekehrten Bürger von Mans, fanden die Herrschaft ihres Grafen höchst lästig, auch waren sie über eine Menge von ihm bis jetzt geduldeter Ungehörigkeiten sehr erbittert. Bei der Forderung der ersten, etwas schweren Abgabe, erhoben sich alle Bürger und bildeten unter sich eine beschworene Versammlung, welche sich unter wählbare Häupter stellte und den Namen „Commune“ annahm. Der damals in Mans herrschende Graf war minderjährig, sein Vormund war Geofroy von Mayenne, ein mächtiger, wegen seiner politischen Schlauheit berühmter Herr. Der Gewalt der That- sache weichend, beschwor Geofroy in seinem und seines Mündels Namen die neue Verfassung und versprach ihren gegen seine eigene Macht gerichteten Gesetzen Gehorsam. Er that dies aber in böser
Absicht. Aus Zwang oder Furcht leisteten die Edlen und der Bischof der Stadt denselben Eid. Hingegen weigerten ihn einige Edle der Umgebung, so daß die Bürger, um sie zu zwingen, zur Belagerung ihrer Schlösser schritten. Sie zogen mit mehr Eifer als Klugheit zu diesem Unternehmen und zeigten nach dem Siege wenig Mäßigung.
Bald ward Geofroy von Mayenne den Mitgliedern des Bundes, der Commune, durch seine zweideutige Haltung verdächtig. Er entsagte der Vormundschaft über den jungen Grafen und zog sich aus Mans, nach seinem Schlosse la Geole zurück. Aber Guersende, die Mutter des jungen Grafen, die Wittwe Herbert's, die im Geheimen Geofroy liebte, sehnte sich nach seiner Rückkehr und sann, um diese zu bewirken, auf einen Anschlag, um ihm die Stadt von Neuem auszuliefern. Eines Sonntags drang Geofroy, von mehreren Verräthern begünstigt, mit achtzig Rittern in eine der Befestigungen von Mans ein, welche zunächst der Hauptkirche belegen war. Von dort begann er die Feindseligkeiten wider die Einwohner. Diese riefen die Barone des Landes zu Hülfe und belagerten die Festung. Der Angriff war um so schwieriger, da Geofroy von Mayenne und seine Anhänger, aus dem Schlöffe, zwei mit Thürmen gekrönte Häuser besetzt hatten. Die Angreifer zögerten aber nicht jene Häuser einzuäschern, obwohl dieselben zunächst der Kirche lagen und deren Brand kaum zu verhindern war. Dann begann man die Festung mit Maschinen so kräftig zu be- rennen, daß Geofroy bald allen Muth verlor, und bei Nacht heimlich aus der Stadt entwich. Den ©einigen spiegelte er vor, er wolle von auswärts Hülfe holen. Als letztere aber nicht eintraf, über- gaben die Belagerten die Burg, worauf die Einwohner von Mans die gegen die Stadt gerichteten Befestigungen des Schlosses sofort schleiften.
Kaum hatte die bürgerliche Freiheit diesen Sieg über den Feudalismus errungen, als auch schon neue und weit schwerere Gefahren das Gemeinwesen von Mans bedrohten. Wilhelm der Eroberer, der seinen Besitz in England gefestigt sah, beschloß im Jahre 1073 über den Kanal zu gehen, und mit bewaffneter Macht sich dem Adel von ganz Maine zu unter- werfen. Wilhelm hatte damals die letzte und furchtbarste der sächsischen Empörungen in Britannien niedergeworfen. Er benützte klug die günstige Gelegenheit und bot allen eingeborenen Bewohnern Englands, welche ihm auf seinem Kriegszuge über das Meer folgen wollten, einen Sold an. Leute, welche weder Heim noch Heerd befaßen, Ueber- bleibfel der an mehreren Stellen vernichteten Parteigänger der alten englischen Herrscher, selbst Führer, die sich durch glühende Vaterlandsliebe in Kämpfen gegen Wilhelm ausgezeichnet hatten, fchaarten sich unter das Banner der Normannen, ohne deshalb den Haß gegen dieselben aufzugeben. Alle freuten sich gegen Männer zu kämpfen, die, obgleich Feinde Wilhelm des Eroberers, ihnen doch als von derselben Abstammung wie der König und die gleiche Sprache


