Ausgabe 
14.8.1886
 
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|inb alle Mittel recht, durch die sie ihren Zweck er­reichen können; nach meinem Dafürhalten gebietet die Klugheit, diesen Menschen unschädlich zu machen."

Hans zuckte geringschätzend mit den Achseln.

Wie nahm mein Vater Ihre Warnung auf?" fragte er.

Sehr ernst, er ging nicht so leicht darüber hin­weg, wie Siel"

,,So hätte er Grund, diesen Vagabund zu fürchten?"

Er theilt meine Anschauung."

Sie weichen mir aus."

Welche andere Antwort soll ich Ihnen geben?" sagte der Oberst ruhig.Ich achte keinen Feind gering, mag er in gesellschaftlicher Beziehung noch so tief unter mir stehen. Es wird das Beste sein, man hört nicht auf das Geschwätz dieses Burschen und giebt ihm keinen Anlaß, jene Drohungen wahr zu machen"

Wenn ich ihn bei einem Wild- oder Forstfrevel ertappe, werde ich ihn nicht schonen", unterbrach Hans ihn;Sie sagen ja selbst, man müffe ihn un­schädlich machen, und auf diesem Wege wäre das am besten zu erreichen. Der junge Referendar imweißen Hirsch" ist ja auch seinetwegen hier; ich denke, er wird uns wieder von ihm befreien."

Wer hat Ihnen das gesagt?"

Ich hab's gehört, soll" es vielleicht ein Geheim, niß bleiben?"

Der Referendar wünscht es."

Er könnte sich selbst sagen, daß die Erfüllung dieses Wunsches nicht wohl in der Möglichkeit liegt, in diesem kleinen Rest"

Zerbrechen wir uns darüber den Kopf nicht", fiel der Oberst ihm in die Rede;ich wollte über eine andere Angelegenheit mit Ihnen sprechen. Sie finden keinen Gefallen an Jagd und Forstwirthschaft; wären Sie bereit, mich nach Amerika zu begleiten?"

Und was soll ich dort?" fragte Hans überrascht.

Das würde sich finden, wenn wir drüben sind. Es mag Ihnen seltsam erscheinen, daß ein Oberst zugleich Kaufmann ist; in Amerika aber findet man darin nichts Auffallendes, und ich stehe drüben an der Spitze eines großen und, wie ich wohl sagen darf, sehr geachteten Hauses. Wir besitzen reiche Petroleumquellen und mehrere eigene Schiffe. Sie könnten als Supercargo unseres Hauses eines dieser Schiffe begleiten und dabei im Laufe der Zeit ein vermögender Mann werden. Ihr Wunsch, die Welt zu sehen, fremde Länder und Menschen kennen zu lernen, würde dadurch erfüllt."

Der junge Mann war stehen geblieben; freudiges Erstaunen, gepaart mit leisem Zweifel, spiegelte sich in seinen Zügen.

Sie eröffnen mir da eine Perspective, die mich blendet", sagte er;aber vergeblich suche ich nach Gründen, die Ihnen dazu Veranlassung geben konnten."

Ein bedeutungsvolles LächÄn glitt über das Antlitz des Obersten.

Gründe?" erwiderte er in heit'rem Tone,Ge­

hören Sie auch zu Denjenigen, die für Alles Gründ wissen wollen?"

Nicht doch, aber ihr freundliches Anerbieten muß mich ja um so mehr überraschen, als ich keine Ahnung von demselben haben konnte."

Und wenn ich Ihnen nun sage, daß ich Ge­fallen an Ihnen finde, und daß ich Sie aus diesen drückenden Verhältnissen befreien möchte, so wird Ihnen das hoffentlich genügen. Ich erwarte dabei freilich, daß Sie drüben Ihre Schuldigkeit thun und den Posten, auf den ich Sie stelle, ausfüllen werden."

Seien Sie versichert, daß ich mich bestreben werde, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen", antwortete Hans, ihm die Hand reichend.Sie haben Recht, wenn Sie die Verhältnisse, in denen ich mich jetzt befinde, drückend nennen; auch entspricht der Vor, schlag, den Sie wir machten, ganz meinen Wünschen; aber dennoch kann ich mich in diesem Augenblick noch nicht entschließen, ihn anzunehmen. Dieser Schritt ist entscheidend für meine ganze Zukunft, er will reiflich überlegt fein.''

Es kann mir nur lieb sein, wenn Sie erst nach ernstem Nachdenken Ihren Entschluß fassen", nickte der Oberst;denn, wie gesagt, ich verlange den ganzen Mann und ganze Arbeit."

Werde ich dem Posten, den Sie mir anver­trauen wollen, gewachsen sein?"

Sie werden eine kurze Lehrzeit durchmachen müssen; sprechen Sie Englisch?"

Lesen und übersetzen kann ich diese Sprache, aber"

Das genügt, Sie werden sie bei solchen Vor« kenntnissen bald sprechen lernen!"

Was aber wird mein Vater zu diesem Vorschlag sagen?"

Ueberlassen Sie es mir, ihn demselben geneigt zu machen."

Sie kennen seinen Eigensinn nicht."

Ich werde seine Bedenken beseitigen!"

Ob Ihnen das gelingt!" sagte Hans zweifelnd. Ich glaube es nicht; meine Schwester und mein Schwager haben es ost versucht, sie sind barsch ab­gewiesen worden."

Wohl deshalb, weil sie ihm in Bezug auf Ihren ferneren Beruf keinen passenden VorMag machen konnten", erwiderte der Oberst achselzuckend.Ich habe ihm gegenüber schon einige Andeutungen fallen lassen, und ich fand ihn keineswegs abgeneigt, auf meine Idee einzugehen. Vielleicht wird er mit Ihnen darüber reden; Sie müssen dann wissen, ob Sie sich entschließen können, mich zu begleiten. Ich kenne Ihren Vater jetzt schon genügend, um zu wissen, daß er einem festen, entschlossenen Willen seine Achtung und Anerkennung nicht versagt."

Hans blickte seinen Begleiter mit sichtbarem Be­fremden an. ,

So rasch lernt man meinen Vater nicht kennen" sagte er;und ich weiß in der That nicht, wie Sie, ein völlig Fremder, es wagen durften, mit ihm so freimüthig über eine Angelegenheit zu reden, die ihm