Meßmer AamilimMüer
BsllZLristifcheZ Beiblatt MN GkßWkr Anreiger,
1886:
Samstag dm 13. März.
M- 31.
Die Jakschmüuzer.
Criminal-Noman von Gustav Lössel.
(Fortsetzung).
„Wirtlich feine Leute", murmelte der Portier, indem er in seine im Souterrain gelegene kleine Wohnung mieder hinabstieg. „So viel Vermögen und dann nicht heirathen —!" Aber freilich, bei den gelegentlichen heimlichen Damensoupers mag sich's schon vergnügter leben, als im Ehestand bei einfacher Hausmannskost." Er seufzte, der _ einsame Alte. Denn warum hatte er die Portierstelle erhalten? Weil er aus Mangel an Geld das Mädchen nicht hatte bekommen können, nach dem einmal sein ganzes Sehnen gegangen. Daher seine Verwunderung, daß man mit so vielem Geld unbeweibt bleiben könne.
Oben hatte indeffen der Diener dem Baron aus seinem Pelz geholfen; und der Letztere, eine aristokratische, sehr elegante Erscheinung, trat nach einer flüchtigen Toilette vor dem im Corridor angebrachten Trümeau in den Salon.
Er schien hier zu Hause, denn es wurde kein Wort weiter zwischen ihm und dem Diener gewechselt; ebensowenig machte die verschweilderische Pracht des betretenen Salons irgend welchen Eindruck auf ihn.
Er fragte auch nicht nach dem Hausherrn, es dem Diener überlassend, für besten zeitiges Erscheinen zu sorgen.
Inzwischen warf er sich am Kamin in einen niedrigen Fauteuil, drehte sich eine Cigarette und schritt dann zu einer noch angenehmeren Beschäftigung, der des Geldzählens.
Ein mit Banknoten gefülltes Portefeuille aus seiner Brusttasche hervornehmend, entfaltete er ein Päckchen der ersteren — lauter Hundertmarkscheine — überzählte sie und unterwarf sie hiernach einer genauen Prüfung, wozu er sich sogar eines in der Westentasche getragenen Vergrößerungsglases bediente.
Freilich in gegenwärtiger Zeit konnte^ man wegen der vielen kursircnden Falsifikate nicht vorsichtig genug fein, zumal bei ganz neuen Emissionen wie diesen hier.
Der Baron schien von seiner Untersuchung befriedigt. Er nickte und machte eben Miene, d;e Noten wieder einzustecken, als ein leichter Schritt hinter ihm laut wurde.
\ „Guten Abend, Biton", sagte er, dem Eintretenden ! gleichmüthig die Hand hinstreckend, die jener sreund- \ schaftlich drückte.
„Guten Abend, Baron", tönte Duprat's kalte I Stimme zurück, denn dieser war der angebliche Viton.
Wir wollen ihn auch ferner der Deutlichkeit halber bei seinem alten Namen benennen; doch darf nicht vergessen werden, daß Duprat hier unter dem Namen Viton bekannt war und lebte.
„Du hast einen Brief für mich?" fragte Duprat, die Hand darnach ausstreckend.
„Aus M, ja", entgegnete der Andere, ihm denselben hinreicherid. „Von wem kommt das?"
„Oeffne und lies ihn selbst, indesten ich dafür Sorge trage, daß wir ungestört bleiben. Ich habe sehr Wichtiges mit Dir zu besprechen. Der Inhalt dieses Brieses wird Dir die erste Anregung dazu geben."
Er gab den Brief an den Baron zurück, der ihn entfaltete und mit Ruhe las, während Duprat j noch einmal hinausging.
Als er wieder herein kam, lag der zusammenge- ’ faltete Brief neben dem Baron auf dem Tisch. Der Letztere hatte sein Portefeuille wieder eingesteckt und einen Band von Gedichten aufgenommen, in
welchem er las.
Die ©eene hatte ganz das Ansehen eines ge- müthlichen Beisammenseins unter Freunden.
„So", sagte Duprat mit ungewöhnlicher Wärme in Ton und Haltung, „Franz habe ich weit in die Stadt geschickt, vor Vorder- und Hinterthür einen Riegel gezogen, so daß auch er nicht wieder herein kann, und wenn nun noch Jemand kommt, wird nicht geöffnet. Wir sind also allein und können uns ganz ohne Rückhalt aussprechen."
„Aber der Portier", wandte der Baron ein; „n)ß§ wird er denken, da er doch weiß, daß wir oben sind'"
„Nun, kann ich denn nicht hinten muaus und durch den Garten nach der anderen Straße gegangen sein?"
„Ah so, ja —"
„Die Hinterthür des Hauses ist unbewacht, desgleichen die Gartenthür, zu denen ich, wie auch zur Hausthür zwei Schlüssel besitze. Franz hat den einen mit, und wenn der Portier ihn nicht gesehen hat -"
„Schon gut", unterbrach ihn der Baron, das Buch hinlegend. „Ich habe den Brief hier gelesen."
„Und was enthält er?"


