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N»veLe v»n Moritz Lilie. (Fortsetzung.)
Mathies zuckte die Achseln.
„Heutzutage, Herr Kommerzienrath", sprach er, „hat jeder Mensch nicht nur das Recht, sondern auch die Verpflichtung, seine politische Ucberzeugung zu haben. Na, und daß man der hin und wieder em- mal Ausdruck giebt, ist wohl nur selbstverständlich. Sie thun's ja auch, und zumal jetzt, wo die Wahlen bevorstehen.''
„Aber Alles mit einem Unterschiede, , mein Bester ', entgegnete der Kommerzienrath indignirt.
„Freilich", spöttelte Mathies, „Maskenbälle kann unser Einer nicht geben, itnt Stimmen zu ange ln und man hat ja auch kein Fabrikpersonal, dem man seine Meinung auszwingen —"
„Ihr werdet unverschämt!" brauste Etivved auf.
Kuime fuigiu uuci hwju d..... . r-
immer, die Mutter treibe ihren Scherz mit mir, ite wolle vielleicht nur prüfen, ab mein Herz noch tter sei; als ich aber sah, wie ihr die Thranen in - Augen traten, und wie auch mein guter Vater ,o betrübt, und doch auch wieder so bittend zu mir ausschaute, da fühlte ich es wohl, , daß es bitterer Ernst sei, und daß das Glück unserer Familie in meinen Händen lag. Weinend siel ich den E > um den Hals und versprach Alles zu thun, was sie wollten, ich sei wie bisher, so auch ferner, iyr
autes, folgsames Kind.' . . .
Bewundernd schaute der junge Mann auf ?eute Nachbarin, die ihm jetzt wie eine Heilige ersch^n-
Jlnb erfuhren Sie den Beweggrund, Liesvett) c, fragte Victor voll innniger Theilnahme.
„Forsche nicht! bat meine Mutter, als icy in sie drang, mir die Gründe ihres seit;amen B - nehmes mitzutheilen. Forsche nicht, nur letzt Nich , Du wirst einst Alles erfahren. Aber glaube m r, fuhr sie fort, daß nur unabweisbare, eiserne Noty- wendigkcit uns bestimmen konnte, Dir den leiseste Zwang aufzuerlegen, daß es mir schwere Seel * kämpfe gekostet hat, Deinem Willen vorzugreifen. Vielleicht wirst Du glücklicher, als es den Anschein hat; das Schicksal kann nicht so grausam sein, mir auch noch diesen Wunsch versagen. So, Herr von Rauschendorff, sprach meine Mutter zu mir, un aus dem ganzen ungewohnten, feterlwn Tone, aus ihren traurigen Mienen schloß ich, daß es s ch hier um Dinge von größter Wichtigkeit handeln mil'*,e$ßer diese Perle sein nennen darf und sie nicht verwahrt und behütet wie seinen Augapfel, den müssen die Erinnyen zu Tode P^9eJ*‘ flüsterte Victor für sich, und zu dem jungen Mädchen gewendet, fuhr er fort: „Es war ein kurzer, schöner i Traum, Fräulein von Eschenheim; ich habe ihn aus- geträumt; und ich werde fortan aufhören zu lieben
er kaum vernehmbar, „wie meint Ihr ba6 ?"
,Wie es gesprochen ist, so meine ich es" sagte zuversichtlich der Andere. „Erstens einmal widerstrebt es mir, in einem Augenblicke fortzugehen, wo ein so schwerer Verdacht auf unserem Hause lastet. . mcuic mmui uuCi ।wi« v..... ~
Und wenn man nun gar noch erfährt, daß ich nach daß Alles, Ehre, Lebensgluck und> g \ J $
Amerika gehen will - und zwar nur weil man Stellung davon abhinge, ob ich demManne . d°rt »b-, da« VorurthÄ ,-,-n rott)« H-m- und | «!»-- fofetejb« m®. mir. st-
grüne Augen hinaus ist, das die ganze alte Wett und leider auch solche kluge Herren wie Sie beherrscht, — wird man sagen: „Es ist richtig; den rothen Mathies müssen wir steckbrieflich verfolgen lassen. Der hat sich am Tag der Entdeckung des Mordes unsichtbar gemacht, und er wird seine G ründe dafür haben, die, da er rothe Haare hat, sicher keine guten sind." Denn rothe Haare wachsen ja nach Ihrer Ansicht auf keinem guten Grunde.
Etwold schüttelte mißbilligend den Kopsi „Das sind seltsame Reden, die Ihr da führt", sagte er; „sie könnten Euch, wenn ich es sonst wollte, ms Verderben bringen. Ein Mensch mit reinem Gewissen kommt auf solche Gedanken gar nicht. Und was Eure Entlassung aus meinen Diensten betrifft, so wißt Ihr so gut wie ich, daß dieselbe nicht erfolgt ist wegen Eurer rothen Haare, die mich gar« nichts angchen, sondern wegen Eurer offen bekanten anarchistischen Grundsätze. Wenn Ihr dieselben noch für Euch behieltet, hätte ich nichts dagegen. Aber Ihr sucht mein großes Haus- und Fabrikpersonal sür Eure gewaltsamen llmsturzideen zu gewinnen, und das darf und werde ich nicht dulden."
„Was wollt Ihr überhaupt noch hier ? Nehmt Euer Geld und — beglückt Amerika mit Euren Ideen. Ich fürchte nur, Ihr werdet unter den hellen Köpfen im Yankeelande auch keinen fruchtbaren Boden dafür finden. Guten Morgen!"
(Fortsetzung folgt).
„Als ich von den Absichten des Herrn von Brehmer hörte, lachte ich im Uebermuthe.laut auf, meine Mutter aber wurde sehr ernst und tagte m..
Etwold blickte auf seinen entlassenen Kätscher, i dis wenn er an dessen Verstände zweifle.
„Das interessirt mich doch noch weniger", sagte er. „Macht Eure Mittheilungeu nur an den Kommissar, der Euch recht dankbar dafür sein wird. Ich dagegen empfinde Eure Gegenwart momentan als eine Last, umsomehr als Ihr Beziehungen zu einem Verbrechen zugesteht, welches —"
„Mit Verlaub, Herr Rath", siel ihm der Andere gereizt ins Wort. „Meine Beziehungen zu diesem Verbrechen sind solche, daß sie mir nur Vortheil, aber einer gegriffen, Ihnen sehr nahestehenden ! Person Gefahr für Leib und Leben bringen können."
Etwold wechselte die Farbe. „Mathies", hauchte


