Ausgabe 
11.12.1886
 
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Hneßener Jamilienblätter.

BeÄeMKilchrs BeidLM MW Meßmer AWeiger.

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Rk 146 Samstag dm 11 Dccember. 1886«

Bis zur keHLerr Klippe.

Original-Roman von S. Heinrichs.

(Fortsetzung).

Karl Reimann freilich müßte keines reichen Mannes Sohn und kein flotter HamburgerJunge" gewesen fein, um sich mit einem solchen Korbe ge­nügen zu (affen. Er hatte so viele Eroberungen ge­macht, kannte so manches Mädchenherz, das nach ihm schmachtete und sollte hier mutdlos die Segel streichen? Er betrachtete sein Spiegelbild, das ihn in frischer Jugendlust recht stattlich anlächelte, reckte die hohe kräftige Gestalt mit gerechtem Stolze und fühlte sich als Sieger, da er nur diese Eine be- gehrenswerth genug hielt, um für sie seine Freiheit aufzugeben. Er war aber auch ein guter Junge mit einem Fond angeborner Redlichkeit und Treue, mit einem Wort: ein netter junger Mensch, wie man in Hamburg sagt.

Als er be elfenhafte Gestalt der jungen Dame auf der breiten Treppe erblickte, klopfte ihm das Herz wie ein Hammer, während eine tiefe Röthe in sein brautres Antlitz stieg und dasselbe nicht ge­rade verschönte.

Guten Morgen, meine Herren!" rief Natalie ihnen freundlich zu,wie geht's, Henning! schlägt die Kur an? Fühlen Sie sich schon etwas kräftiger?"

Danke, Fräulein!" versetzte Hüning schmunzelnd, kann eben nicht sagen, daß es mir so recht gefällt, aber Sie roiffen wohl, wenn man einen Haus­arzt hat"

,.3a, dann muß man gehorchen", lachte Natalie, gehen die Herren mit hinunter zum Bade?"

Natürlich thaten sie das und während der Altonaer Hutmacher sich ungenirt zu Fräulein Gott­hard gesellte, welche ihm solches auch gar nicht übel zu nehmen schien, knüpfte Reimann ein Gespräch mit Vera an, die ihm höflich, aber einsilbig ant­wortete.

Das l tzte Paar dieser bekannten Gruppe bildete Madame Borner und ein fremder ältlicher Herr, welcher sich seit einigen Tagen auf Helgoland be­fand, sich Mr. Henri Archibald nannte und ein Stock-Engländer zu sein schien. Mit den auf der Insel wohnenden Briten sah man ihn viel verkehren, da man ihn für sehr reich und für einen vornehmen Gentleman halten mochte.

Der Zufall hatte ihn mit Madame Borner, der er einen kleinen Dienst geleistet, zusammengeführt, und von dieser Stunde an sah man Mr. Archibald

i stets in den Fuhstapfm dieser Dame, welche ob ihres l absonderlichen Verehrers allen möglichen Neckereien s und Spöttereien ausgesetzt war.

Der Engländer besaß in der That das Aeußers k eines echten Gentlemans ; eine hohe, elegante Figur, ein stolzes, blasirtes, glattrasirkes G sicht mit blonden Bart-Coteletts, das nur durch eine blaue Brille ent« j stellt wurde, blondes, etwas gelocktes Haar schon i grau melirt, bis Frisur überhaupt etwas quäkerhaft, weshalb das Gerücht ihn zu einem Scctirer machte.

Wir müssen zu Madame Borner's Ehre oder Schande gestehen, daß rhr diese offen zur Schau ge- , tragens zarte Huldigung des stolzen Briten höchst < schmeichelhaft erschien, obwohl Natalie nichts weniger als erbaut darüber sich zeigte und den spleenigen Lord in's Pfefferland wünschte, während Vera, deren Schönheit ihn vollständig kalt ließ, die Geschichte i höchst amüsant sand und für den treuen Verehrer ihrer lieben alten Borner ganz energisch eintrat.

Sie verfällt dem Fluch der Lächerlichkeit", be- ' merkte Natalie ernst,und wird auch uns in ihr Schicksal verflechten. Außerdem ist der Mensch mir unheimlich, ich kann in feiner Gegenwart kaum s athmen und mir ist's als ob^ich ihm schon irgendwo i im Leben begegnet sein muff.."

Na, hören Sie, Fräulein!" bemerkte Henning, : an ihrer Seite die Treppe hinabsteigend,diesen s Engländer hätte ich aber längst schon abgeschüttelt, s der spleenige Kerl führt nichts Gutes im Schilde."

Natalie blickte lebhaft auf.

Woraus schließen Sie das, Herr Henning?"

Na, ich weiß nicht, kann mir nun einmal nicht denken, daß er der alten Person, die ihre wohlgezählten Fünfzig schon aus dem Rücken haben muß'"

Still, dergleichen flüstert man nur", gebot Natalie, entsetzt sich umblickend.

Ja, so ist's, die Wahrheit darf man nur flüstern, während die Lüge das Maul aufreißt. Pardon, i Fräulein! ich drücke mich wohl nicht fein genug i aus"

Schadet nichts, Herr Henning! nur ein wenig leiser, wenn ich bitten darf. Möchte gerne Ihre Ansicht über Mylord hören."

Mylord! auch nicht schlecht", lachte Henning spöttisch, dann sitzte er leise hinzu :Ich glaube nicht, i daß der Kerl ein Engländer ist, scheint mir von ? irgend einer Strafcolonie entsprungen zu fein. Die Engländer, was hier die rechten John Bulls und Mylords sind, wollen nicht viel von ihm wissen. Pardon, Fräulein! wollte was darum