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Beschwörer versprach nun dem Bauer, in der folgenden Nacht denselben zu fesseln und zum näheren Geständ- niß zu zwingen. Der Gehilfe bestrich inzwischen ein Kaninchen oder einen Hund mit Phosphor, und in der nächsten Nacht wurde dieses Thier an einem Strick im Stalle springen gelaffen, wobei es im Dunkeln leuchtete. Der Beschwörer hatte es bald erwischt und feflgehalten, und nun machte der Ge­hilfe als Bauchredner das Uebrige. Eine solche Geisterkomödie kostete stets ihre 50-60 Goldgulden. Sollte der angezeigte Schatz gehoben werden, so mußten sämmtliche Hausbewohner sich an einen Tisch setzen und vier Stunden lang ununterbrochen beten. In einem andern Zimmer weilte der Beschwörer mit dem Hausherrn; in einem mit Kohle gezeichneten Kreise stand Ersterer, in einem Kreise von Kreide­strichen der Letztere, eine Kerze in der Hand. Der Geist war schon vor der Thür versteckt und lauschte; langsam fing er an, sich zu regen und ein leises Geräusch zu machen.Wollt Ihr immer noch den Boten des Jenseits sehen?" war die Frage an den zitternden Landmann. Oft verzichtete derselbe; hatte er aber Muth genug, so erschien das Gesicht des Gespenstes in der Thür, raffelnd mit Ketten und Knochen, mit brennendem Zunder in der Hand und Flachs im Munde und spie Feuer ins Zimmer. Jetzt entfiel dem biederen Hausherrn meistens der Muth, denn in der Angst meinte er fast stets die Züge eines längst verstorbenen Anverwandten zu erkennen, deffen Grabesruhe er gestört. Leise flüsterte der Felinger noch:Es ist wirklich einer aus der Ver» dammniß"; der Geist aber raste jetzt und wollte durchaus eintreten, woran ihn der Beschwörer mit Mühe durch Zauberformeln und Gebete hinderte. Nun mußte der Bauer laut beten, und dadurch wurde das Gespenst endlichtugendsamer", bis er auf wiederholtes Befragen eingestand, mit andern Verdammten nächtlicherweile einen Schatz von so und so viel tausend Gulden eingegraben zu haben; an den nur ihm bekannten Ort sei er fortan gebannt und könne seine ewige Ruhe nicht finden, ehe der Schatz gehoben sei. Der Felinger verlangte hierauf zu wrffen, wie es anzufangen sei, den Schatz zu heben und der Geist erklärte mit kläglicher Stimme, man muffe da und da, wo der Schatz in der Nähe liege, fünfzig Dukaten und Louisd'ors, alle von einem und demselben Jahre, in einem rothen mit schwarzem Band umwickelten Schächtelchen in die Erde legen. Dadurch würde er, der Geist, gezwungen, zu jedem Stücke zehn ähnliche aus dem Schatze zuzulegen» und so könne nach und nach Letzterer gehoben werden.

Nun wurde der Geist entlaffen, schleunigst das Geld aufgetrieben und dem Felinger übergeben, der es vor des Bauern Augen in die Schachtel that, wie der Geist befohlen. Unterwegs wurde aber das Schächtelchen schnell mit einem ganz gleichen, welches Kupfermünzen enthielt, vertauscht, und mit dem echten zog der Felinger fammt Frau und Genoffen hohn­lachend von dannen.

Das Schatzgraben fand aber trotz alledem immer mehr Anhänger und verbreitete sich besonders in Waldgegenden und da,' wo alte Raubburgen lagen, so sehr, daß z. B. im Jahre 1782 der Felinger Sternewitz im Schwarzwalde 500 Bauern sammeln konnte, denen er versprach, im alten Schlöffe Ober­kirch im Renchthal einen ganz gewaltigen Schatz zu heben. Vier Jahre lang dauerten seins Vorbereit, ungen, er erhielt von sämmtlichen Theilnehmern Darlehen von mehreren hundert Gulden, um Zauber­bücher und Höllenbeschwörungsformeln zu kaufen, und endlich setzte er den Tag des Schatzftndens fest. Eine ungeheuere Aufregung herrschte im Stillen; aber so sehr wirkte die Macht des Geheimnißvollen und die Geldgier der Mitwisser, daß Keiner ein Wort kund werden liefe. Dreißzig Auserwählte sollten zugegen sein, und Nachts elf Uhr setzte sich der Zug nach der alten Burg in Bewegung. Punkt zwölf Uhr wurde gebetet, und nun begann Sternewitz den mit dichtem Gestrüpp bewachsenen Boden aufzugraben. Bis zehn Minuten vor Eins arbeitete er angestrengt; endlich stieß er auf eine mit Eisen beschlagene alte Truhe. Den Anwesenden klopfte das Herz laut und hörbar. Sternewitz grub weiter; aber die Truhe ließ sich nicht bewegen.

Nun begab er sich in das Innere der Burg und fing an, den Geist zu beschwören. Beim dunkelrothen Schein der Fackeln verlas er seine Zauberfomeln und befahl dem gespenstischen Hüter dieses kostbaren Schatzes, denselben nicht ferner sestzuhalten, sondern zu entlaffen. Dreimal wiederholte er sein Geheiß, und dann lauschte er und mit ihm die athemlosen Anwesenden. Plötzlich ließ sich ein phorphorisches Leuchten aus einer Mauerspalte sehen, und eine dumpfe Stimme rief:Nicht Du, Sternewitz, der Du ein eitles Weltkind bist, sollst den Schatz lösen, sondern ein Priester der heiligen Kirche unseres Herrn." Da blieb nun nichts übrig, als einen solchen herbeizuholen und zwar womöglich aus einem ent­fernten Kloster, um bester das Gsheimniß zu wahren.

Sternewitz erhielt wieder 500 Gulden von den Bauern, um sein Werk zu vollenden; er reifte ab und ließ nie wieder etwas von sich hören.

Nachdem die Bauern mehrere Wochen lang ab­wechselnd vor der Truhe Wache gestanden, ging ihnen ein Licht auf, und sie versuchten nun selbst die Hebung derselben.

Dabei zeigte sich, daß die Kiste in die Erde ein­gegraben und an die Wurzeln eines mächtigen Eich­baumes angeschraubt war. Sie enthielt mehrere Packete mit Steinen.

Trotz all' dieser Vorfälle ist der Glaube an ver­borgene Schätze eben so wenig wie der an die Wunderheilkraft der quacksalberischen Universalmittel und an das Viehbesprechen und Hexen ganz ver­schwunden. Noch immer giebt es Fälle, in denen sich Bürger und Bauern von den modernen Felingern auf die allerdümmste Weise betrügen lasten, ohne auch nur nachher etwas zu merken.

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