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stiefelchen gekauft hatte, durch'L Haus tripp.lte und wie ein Sonnenstrahl bald hier, bald dort, dann in der Küche, dann wieder im Wohn- ober Gastzimmer austauchte, wo ihr goldig-schimmernder Lockenkopf überall gern gesehen wurde, da suhlte es ein Jeder, daß diese» Kind eigentlich in ein Königsschloß hineingehörte und Frau Möller war nicht wenig stolz darauf, es ihr Eigen jetzt zu nennen, da die Adopti- rung mit des Herrn Notars Hülfe ganz glatt von Statten gegangen war. (Fortsetzung folgt.)
Wm und Gkisterbanner vor hundert Jahren.
Von Dr. F. Müller.
(Schluß.) *
Im Winter gab ihnen die Angst der Landleute Wohnung und Nahrung, damit sie ihnen nur nicht das Vieh behexten; mit dem neuen Frühjahre fingen dann die Streifzüge wieder an, und im Sommer I wurden vorzüglich die Orte besucht, wo es Kirchweihen und Lustbarkeiten gab. Während des Erntemonats verdingten sie sich auch wohl als Gehülsen, wenigstens die Gewöhnlicheren von ihnen. Manche aber hatten ein höheres Streben und suchten fich in ihrer Weise zu Ansehen und Reichthum empor zu schwingen, was auch Einzelnen gelang, die berühmte Hauptleute wurden und das alte Bandewesen wieder aufnahmen. Ihre Namen und Thaten sind im Volke noch immer unvergessen, ja, zu gerne erzählten Mythen geworden, wenn sie auch bet Lebzeiten wegen ihrer Grausamkeit arg gefürchtet waren. Die österreichischen Erblande und der Breisgau waren des gemächlichen Wiener Schlendrians wegen das Eldorado dieser Banden.
Harmloser trieben die Felinger ihr Geschäft und kamen doch endlich zum Ziele, indem sie den Aberglauben und die Dummheit der Leute ausbeuteten. Volkrunterricht gab es noch nicht und die wenigen Schulen fand-n sich nur in den größeren Städten, so daß der schlichte Landmann vollständig der Spielball durchtriebener Spitzbuben werden mußte. Noch heute ist der Glaube an Geister, Hexen, Gespenster und verborgene Schätze auf dem Lande und besonders beim Bergvolke nicht ausgerottet, und damals stand er, Dank bin Bemühungen der Geisterbanner, in hoher Blüthe. Manche noch vorhandenen Gerichtsacten geben uns Aufschluß über die Art und Weise, wie die Felinger ihr Handwerk trieben, und beweisen, daß die Sache gerade so wie heute noch zuweilen vor sich ging.
Zwei Felinger verabreden sich; der eine schleicht ins Dorf in einen Stall und reibt einer Kuh die Zunge mit Seife oder steckt einem Pferde eine Nadel unter den Schwanz; dann macht er sich wieder aus dem Staube, und'"das Vieh wird krank. Zwei Tage nachher kommt ein Quacksalber, der alle Krankheiten an Mensch und Thier heilen kann. Der Bauer wendet sich an ihn; er besieht das Thier, macht ein sehr bedenkliches Gesicht, murmelt einige lateinische
Worte und erklärt, das Vieh fei von einer Hexe nächtlicherweile geritten worden. Es thue das aber wenig, denn er besitze ein Mittel, das aus amerikanischen Kräutern bereitet sn, und vermöge desselben und eines kräftigen Spruches könne er Helsen. Der Bauer muß ihn allein lassen; er murmelt ein Gebet, zieht die Nadel heraus, wäscht die Zunge rein, und dann nimmt er das Geschirr mit ins Freie, um es durchzupeitschen und so die Hexe im Namen der heiligen Dreifaltigkeit gründlich zu strafen. Die Kuh muß noch Essig und Salz fressen, und dann ist Alles gut; der Mann des Heiles erhält seins zehn Gulden, und nun wird er seine sämmtlichm Pillen und Tränklein los, denn sein Nuf ist im Dorfe unerschütterlich. Viele Bauern, ja alle, ohne Ausnahme, selbst die Verwandten des Pfarrers, leben sitzt erst recht in Furcht vor den Hexen, denn was sollen sie machen, wenn der gelehrte Mann wieder von dannen gezogm ist? Jeder von ihnen bringt demselben einen französischen Kronenthaler, und dafür erhält man einige Sicherheit vor dem Hexengezücht; der Felinger spricht über den Stall seinen Segen, bohrt Löcher in die Wände und Thüren und streut „Malest;" ober Zauberpulver darein; daneben schlägt er einen Zahn van einer alten Egge, und nur, darf man der Zukunft etwas ruhiger entgegensehcn. Hat der Felinger eine Frau, so läßt er dieselbe stets im Innern seines verschließbaren Wagens verborgen; verlangt dann der Bauer die Hexe, die ihm so viel Leid angethan, zu sehen, so kann das um Mitternacht geschehen; doch wird er vor jeder Berührung gewarnt. Das Weib des Betrügers stellt die Hexe dar und postirt sich in den Hintergrund des Stalles; sowie das vorher verlöschte Licht in der Hand des Beschwörers aufleuchtet, , hebt sie zähnefletschend die Hände zu den langen wirren Haaren; der Bauer erschrickt, glaubt und bezahlt wieder.
Auf alle mögliche Weise wußte der Felinger den Landleuten die Gulden zu entlocken; er bannte Geister, er hob Schätze und rief Goldmännchen herbei. _ Nach Verabredung mit einem Genossen richtete er sich zu einer Beschwörung ein, betete den ganzen Tag, flehte die Geister um Verzeihung, daß er um des Unglaubens der Welt willen ihre Ruhe störe, räucherte das Haus mit „geweihten" Kerzen, aus Vorsicht gegen etwa miikommende böse Dämonen, und dann konnte in der folgenden Nacht der Spuk losgehen. Der Beschwörer zog den Bauer, der ein „heiliges" Licht tragen mußte, in einen Kreis, und dann hieß er den Geist, zu erscheinen. Natürlich ist der mit ihm einverstandene College, längst vorbereitet, erschienen. „Wie weit reicht Deine Macht?" ist die erste Frage, auf die der Unterirdische mit einem Stöhnen oder Brüllen antwortet. Zweite Frage: „Wem bist Du denn lästig?" Antwort: „Pferden, Kühen, Rindern, auch Menschen, je nachdem es verlangt wird. Ich besaß einst auf der Erde ungerechte» Gut, das ich vergraben habe, und nun muß ich so lange spuken, bis die rechtmäßigen Erben ihr Eigenthum wieder erhalten oder Arme damit beschenkt sind."
Hierauf verschwand der Geist wieder, und der


