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Leuten bloßstellen? Ems Aristokratin würde jetzt erst recht darauf bestehen."

Antonie ließ sich schweigend von ihm in's Boot heben und preßte die Lippen zusammen, um ihre Aufregung zu bemeisterii.

Das leichte Boot schoß im nächsten Augenblick, von der kräftigen Hand des Grafen, mit kundigem Blick geleitet, über die tanzenden Wellen dahin.

Na, er versteht das Handwerk, Vater Svend!" meinte der junge Schiffer.

Das wohl, Erik Larson", hustete der Alte, wenn nur die Wolke im Nordost ihn nicht packt. Er ist ein Trotzkopf, und mich dauert die junge Frau, ja, ja, sie dauert mich, denn der Wettern ist tückisch, Erik Larson!"

Noch eine Weile blickten sie dem Boote nach, das sich immer weiter vom Ufer entfernte und bald nur noch wie eine weiße Möoe im blitzenden Sonnen­licht dahinflog; dann schlenderten sie weiter einem Wirthshause zu, während die weiße Wolke im Nord­ost sich langsam aber stetig vergrößerte und der junge Schiffer seine Goldstücke betrachtete, den stillen Wunsch dabei hegend, daß der reiche Trotzkopf sein Boot dafür behalten möge.

Es war kalt draußen auf dem Wasser, recht kalt, die Fahrt durchaus nicht angenehm, denn^der Wind pfiff immer heftiger und bauschte die Segel des kleinen Fahrzeuges drohend auf.

Aber unbeugsam hielt die seine weiße Hand des Grasen das Steuer, daß sie pfeilgeschwind wie der 1 Bl tz über die höhergehende Fluth dahinschosten.

Laß uns umkehren, Adalbert! ich bitte Dich inständigst darum", flehte Antonie,ich sterbe vor Angst und Kälte."

Bah, schönes Liebchen! es macht mir Ver­gnügen", rief der Graf mit einem so höhnischen Gelächter, daß Antonie ihn erstarrt und entsetzt an- blickte. In Hamburg setztest Du Deinen Willen durch, hier bin ich Gebieter, bin Dein Herr über Leben und Tod!"

Adalbert!" schrie sie angstvoll auf,o, treibe nicht so fürchterlichen Scherz mit mir."

Ich scherze nicht", versetzte er kalt,ein Mann wie ich läßt sich von Deinesgleichen nicht ungestraft, beleidigen."

Antonie saß vor Entsetzen gelähmt; war der Graf plötzlich wahnsinnig geworden? Sie fchrie laut auf in grauenhafter Todesangst und streckte ihm flehend die gefalteten Hände entgegen.

Adalbert! Um Gotteswillsn, was habe ich denn verbrochen?"

Ein fpöttisches Lachen war die Antwort. Die weiße Wolke halte sich ausgedehnt, sie brachte den Sturm, welcher plötzlich die tückische Tiefe aufwühlte

Wieder ergriff der Graf das Steuer, um das Boot zu wenden und dem Ufer zuzulenken. Angst­voll folgte sie seinen Bewegungen und athmete ein wenig auf, als sie seine Absicht ahnte. Gewiß hatte er ihren Muth nur auf die Probe stellen wollen, was allerdings sehr grausam ihr erschien, doch immer- hin verzeihlich war. Er sollte sie jetzt nicht mehr verzagt finden.

Doch das Ziel war noch lange nicht erreicht, und immer toller wüthete der Sturm und trieb sein Spiel mit dem leichten Schifflein, während die Wogen sich rasend über die Menschenkinder ergoffen.

Bete ein Vaterunser!" rief der Graf,die Ge­schichte ist aus, Deine Grafenkrone versinkt in den Wetternsee. Verdammt I"

Das Steuer war gebrochen, das Boot jetzt ein willenloses Spiel der Vogen.

Nette mich, Adalbert!" schrie Antonie verzweift lt auf, verlasse mich nicht in dieser Noth."

Er hörte nicht a»f sie, zog einen Strick hervor und band sich selber mit bewunderungswüroiger Kaltblütigkeit an enes der Sitzbretter des Bootes, ohne sich um sein mglückliches Weib zu kümmern. Sie waren jetzt den Ufer auf Hörweite näher ge­worfen, der Sturn aus Nordost mußte sie drm Lands zutrnben.

Plötzlich legte sich das schwache Fahrzeug auf die Seite, ein urchtbarer Schrei durchdrang den Sturm, Gra Altorf warf einen Blick nach der Stelle, wo fein-Veib gekniet, der Platz war leer. Noch einmal .auchte ein todtenblaffes verzerrtes Antlitz vor ih» auf, dann hatte es die Tiefe hinab- gezogen.

Vom Ufe stieß in diesem Augenblick ein Kahn, mit einigen räftigen Schiffern bemannt. Als sie sich durch bf hochgehenden Wogen bis zu dem Bosts hingekämpftwar letzteres in Trümmer gegangen, von dem Grafe nichts meh zu sehen.

6. Capitel.

Die leine Vera hatte sich gar bald in der goldenerTraube eingebürgert, da sie sich nach den Tagen tr Noth und Entbehrung wie im Paradiese vorkam Frau Möller war ihr aber auch in der That -ne gute Mutter geworden, sie verhätschelte diefeine Prinzessin", wie man das reizende, blond, gelock Kind mit den wunderbar blauen Augen im Hau nannte, auf eine etwas besorgliche Weise und entzog jedem Gast unerbittlich ihre Gunst, roe$er ihr Kind nicht beachtete.

Seltsamer Weise kam solches auch fast gar nicht ö)', da Vera selbst drm eingefleischtesten Egoisten y3 Menschenverächter einen freundlichen Blick, ein ccheln abzugewinnen vermochte.

Man muß dasGöör" lieb haben", meinte jerr Möller,mag man nun wollen oder nicht, ind ich gäb's, wahrhaftigen Gott, für kein Geld vieder von mir."

und mit Gebraus in die Segel fuhr.

Jetzt giebt's einen hübschen Tanz, mein Lieb­chen!" rief der Graf, das Steuer fahren lastend, um die Segel mit kundiger Hand einzureffen. Wie im Wirbel drehte sich dis Nußschale, daß die Unglück- licke junge Frau vor Angst halb wahnsinnig, auf Wenn diePunze,sin" ihren leichten Füßchen, die Knies stürzte, und sich an das Boot klammerte, für welche die neue Mama die allerzierlichsten Zug-