Ausgabe 
11.9.1886
 
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Kapital nach meinem Ermessen so anlegen, daß es hohe Interessen einbrächte, und ich habe mich redlich bemüht, diesem Wunsche nachzukommen."

Der Landrath schüttelte ablehnend das Haupt.

Ich ziehe vor, das Kapital selbst anzulegen", sagte er.Sie werden also die Güte haben, er mir auszuzahlen."

E $Sind Sie deshalb au» der Residenz zurückge-

Nicht deshalb allein, ich habe außerdem noch andere Angelegenheiten zu ordnen. Das Haus, welches ich hier bewohne, ist nicht mein Eigenthum; ich muß den Miethvertrag aufheben und die Ueber- führung de» Mobiliars nach der Residenz anordnen. Das wird immerhin einige Tage in Anspruch nehmen, und in dieser Zeit können Sie mir das Geld auszahlen."

Ein ironisches Lächeln glitt flüchtig über das breite, leicht geröthete Antlitz des Banquiers.

So rasch läßt sich das nicht erledigen", er­widerte er, während er an der Glockenschnur zog. Erstens habe ich nur einen kleinen Theil der Kauf­summe in baarem Gelbe erhalten. Für den Rest mußte ich, wie das üblich ist, Aktien des neu ge­gründeten Unternehmens übernehmen. Diese Aktien aber heute oder morgen schon zu verkaufen, wäre Thorheit; man muß damit warten, bi» da» Unter­nehmen wenigstens so weit gediehen ist, daß man dem Publikum Aussicht auf sichern Gewinn eröffnen kann. Verkaufen wir jetzt, so werden die Papiere entwerthet; es würde Aufsehen und Mißtrauen er­regen, wenn wir eine so bedeutende Anzahl derselben Aktien auf den Markt bringen wollten."

Er brach ab, um dem eintretenden Diener Be­fehl zu geben, eine Flasche Portwein zu bringen; dann bot er dem Landrath eine Cigarre an; die dieser nach kurzem Zögern annahm.

Gestützt auf die Vollmacht, die Sie mir er« theilten, habe ich auch den Theil des Kapitals, den ich empfing, in guten Jndustriepapieren angelegt", fuhr er in gleichgtltigem Tone fort;Sie werden im Laufe des Jahres eine sehr hohe Dividende er­halten"

In welchen Papieren legten Sie das Geld an?" unterbrach Ackermann ihn rasch.

Allgemeine Baubank und Aktien-Brauerei!"

Gerade diese beiden Gesellschaften sollen sehr, sehr schlecht stehen."

Wer sagte Ihnen das?"

Ich habe es aus zuverlässiger Quelle"

Was nennen Sie zuverlässig?" erwiderte Morgenroth mit geringschätzendem Achselzucken. Haben die Leute, die das behaupten wollen, einen Blick in die Bücher der Gesellschaft geworsen? Rein I Solche Gerüchte lassen sich in der Regel auf Börsen­manöver zurückführen."

Die Papiere sind bedeutend gefallen!"

Natürlich, das ist ja der einzige Zweck solcher Gerüchte. Aengstliche Aktionäre lassen sich durch sie verleiten, ihre Papiere zu verkaufen; je mehr da»

Angebot steigt, desto tiefer sinken die Corse. Die Erfinder und Verbreiter der Gerüchte benutzen diese Angelegenheit, um zu niedrigen Preisen zu kaufen, und nachher lachen sie sich ins Fäustchen, wenn sie ein gutes Geschäft gemacht haben."

Ich kann dieser Erklärung nicht so unbedingt Glauben schenken", sagte der Landrath, während sein unsteter Blick rastlos durch das elegante Kabinet schweifte;aus der Luft werden solche Gerüchte auch nicht gegriffen, und ein wirklich solides Unternehmen läßt sich in dieser Weise nicht angreifen und unter­graben. Von einer Dividende soll bei diesen Gesell­schaften keine Rede sein; man behauptet sogar, sie müßten liquidiren, und dann würde für die Aktionäre Wenig oder gar Nichts übrig bleiben."

Lassen Sie sich nicht irre führen"

Was Sie auch dagegen sagen mögen, ich habe nun einmal das Vertrauen verloren; ich kann e» nicht billigen, daß mein Geld in solchen Aktien an­gelegt wird."

Der Banquier füllte die Gläser und zuckte aber­mals mit derselben geringschätzenden Miene die Achseln.

Mir dürfen Sie keinen Vorwurf machen", er­widerte er.Ich habe auf Grund Ihrer Vollmacht mich redlich bemüht, Ihr Interesse wahrzunehmen. Sie werden das erkennen und mir Dank dafür wissen, wenn Sie Geduld haben wollen. Ich muß die Verhältnisse doch besser kennen, al« die Jobber in der Residenz. Sie dürfen auf mein Urtheil ver­trauen, beide Gesellschaften sind durchaus gesunde Gründungen; sie haben noch im vergangenen Jahre hohe Dividenden gezahlt, und Sie müßten doch auch wissen, daß die Börsenspeculation sich nur solcher Papiere bemächtigt, die durch ihren soliden inneren Werth hervorragen."

Der Landrath ergriff sein Glas und führte ee mit zitternder Hand zum Munde; ein drohender Blick traf aus seinen blitzenden Augen den korpulenten Herrn, der mit scheinbarem Gleichmuth den Rauch­wölkchen seiner Cigarre nachsah.

Dir Papiere müssen verkauft werden!" sagte er.

Sehr wohl, aber das kann so rasch nicht ge­schehen."

Ich verlange er"

Herr Landrath, Sie haben einen sehr schlimmen Rathgeber", erwiderte Morgenroth ernst;ich kann nicht glauben, daß Sie aus eigenem Antriebe diesen Entschluß gefaßt haben sollen. Wenn Sie bei dieser Forderung beharren, so muß ich ihr Folge leisten; indessen mache ich Sie darauf aufmerksam, daß Sie auf diesem Wege Nicht» gewinnen, wohl aber die Hälfte Ihre» Vermögen» verlieren können. Ich will Ihnen nicht verhehlen, daß an der Börse augen­blicklich eine sehr flaue, ängstliche Stimmung vor­herrschend ist. Niemand will kaufen, Jeder wittert Etwas in der Luft, und es bedarf nur eines kleinen Anstoßes, um eine Panik hervorzurufen, deren Folgen nicht abzusehen sind."