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„Ja, Assessor", sagte er, „noch Etwas, und Etwas, um das Sie mich wirklich beneiden werden."
„Ich neide Niemandem Etwas", entgegnete Soltmann pikirt.
„So war es auch nicht gemeint", begütigte Neubert. „Aber sagen Sie's ihm, Herr Kommissar, was ich noch entdeckt habe."
„Nichts Geringeres, als die Geheimmünzerei der Anarchisten", erwiderte dieser mit gehobener Stimme.
Soltmann war für den Augenblick sprachlos. Als er dann die beiden lächelnden Gesichter sah, rief er ärgerlich: „Ach so! Sie wollen mich etwas zum Besten haben? Sie haben Ihre Stunde leider sehr unglücklich gewählt. Ich bin wahrhaftig nicht aufgelegt, zu scherzen."
Es bedurfte der ernstesten Ueberredung der anderen beiden Herren, um dem erregten Assessor begreiflich zu machen, daß alles Gehörte Thatsache sei, und daß bei Neubert's Nachforschungen eine Entdeckung die andere herbeigeführt habe.
Dies schien trotzdem Soltmann unglaubhaft.
„Kommen Sie mit", sagte Neubert „und ich werde Ihnen die Instrumente zeigen, mit denen die falschen Hundertmarkscheine fabricirt wurden." Noch immer zweifelnd, folgte Soltmann nach dem Nebenzimmer, aus welchem Neubert soeben gekommen. Der Kommissar, welcher an seinem Schreibtisch saß, nahm vergnügt seine Arbeit wieder auf.
(Fortsetzung folgt.)
Zames Wompson's WmuLfaL-rt.
(Humoreske aus dem amerikanischen Westen.)
(Fortsetzung.)
Daß ich Euch, dem Sohne meines alten, braven Thompson, meine Nichte, die Lucy, lieber gönnte als jedem Andern, werdet Ihr mir hoffentlich Stuben; aber, um es gerade heraus zu sagen: das Madel paßt mcht zu Euch, James. Es ist das einzrge Kind meines ältesten Bruders, der sich schon seit langem in Louis als Advokat niedergelassen hat und ist in 'nem feinen Pensionat in New-Bork erzogen worden sie kann auch ’ne ganze Menge Sachen, von denen unsereiner hier in den Wäldern kaum eine Ahnung besitzt. Vor ein paar Jahren stng sie an zu kränkeln und da brachte sie mein Bruder hierher, damit das Mädel in der frischen Waldluft wieder gesund werden sollte — na, und wie frisch ist Lucy hier draußen wieder geworden! Sie ist nun ziemlich drei Jahre hier und hat mir rn der Zeit meinen Haushalt ganz tüchtig geführt, aber ste will jetzt wieder zurück nach St. Louis, sie sagt, sie könne es in unfern Wäldern nicht mehr langer aushalten und so will denn in einigen Wochen
mein Bruder kommen und sie wieder heimholen Also, James, schlagt Euch das Mädel nur aus dem Sinn, Lucy taugt nun einmal nicht zu 'ner richtigen Farmersfrau oder wollt Ihr etwa dem Mädel zu lieb Krämer oder sonst was Städtisches werden und Euch dann in jene schrecklichen Steinmassen, die sie 'ne Stadt nennen, freiwillig einsperren kaffen? Ihr schüttelt den Kopf? Well, meine, die Sache ist nun abgemacht und s'ist am besten, Ihr denkt gar nicht mehr d'ran."
Der alte Thornton hatte offenbar Recht, das mußte sich James selber sagen und als später bei der Abendmahlzeit neben Lucy Thornton saß und diese gegen den jungen Mann ffortgesetzt kühl — ohne jedoch irgendwie gegen die Höflichkeit zu verstoßen — blieb, war er mit sich darüber im Reinen, daß die schöne Lucy keine Frau für ihn sei. James war daher am andern Morgen auch bereit, Thornton zu der Büffeljagd, von der dieser gesprochen, zu begleiten, zu Hause versäumte er ja nichts und was die fernere Brautschau anbelangte — na, die Mädels von Arkansas konnten James jetzt fammt und sonders gestohlen bleiben, jetzt lag eine lustige Jagdpartie vor ihm und da mochte er natürlich mit all' den Ellens und Graces und so weiter nichts zu thun haben.
So ging es am nächsten Morgen fort; Thornton hatte gesagt, daß sich noch mehrere andere Jäger aus der Umgegend an der Jagd betheiligen wollten und daß ihr Vereinigungspunkt eine Farm in öen sogenannten Blue Hills oder blauen Hügeln sei, die sie nach einigen Stunden bequemen Rittes erreichen würden. James war dieser Name zuerst nicht ausgefallen, als er aber nun neben Thornton dahin- galoppirte, erinnerte sich der junge Mann plötzlich, daß der von seinem „Alten" gehört hatte, Ben Reader wohne in der Gegend der Blue Hills und er frug daher seinen Begleiter, als die Pferde wieder in eine langsamere Gangart verfallen waren, ob ihm vielleicht ein gewisser Reader bekannt sei.
„Ob ich Mr. Reader kenne?" lautete die erstaunte Gegenfrage Thornton's, „well, rechne, daß dies so ist, wir reiten ja gerade zu ihm. S'ist ein Schulkamerad von mir und Eurem Alten und der hat Euch wohl von ihm und seiner Grace gesprochen, he, James?"
„Ja, Mr. Thornton", versetzte der junge Thompson verlegen, „Vater meinte, ich könne ja auch einmal bei Ben Reader Einkehr halten und .. und die Grace Reader wäre 'ne ganz stattliche Person und . . . und da ich nun einmal hier bin . . ."
„So will ich auch gleich nach der Grace Umschau halten, nicht wahr, James?" ergänzte der Farmer neckend und fügte hinzu: „Ja, ja, Euer Alter hat chon Recht, s'ist ein ansehnliches Ding, so groß wie Ihr selber und breit und starkknochig; die Grace hat freilich 'n bischen rothe Harre, glaub auch, sie ist ein paar Jahre älter wie Ihr, aber


