LIS

tfyeil unter dem Schnee begraben, aus dem nur h;er und da ein Nadelbaum hervorstrebt und mit seinem dunklen Grün Erinnerungen weckte an die darunter begrabene Pflanzenpracht.

Hier war es übrigens immer still und am stillsten im Hochsommer, wenn die Bewohner des vornehmen Westens fern von der Stadt auf ihren Landsitzen oder in den Bädern weilten. Man wellte hier die Ruhe um jeden Preis, weshalb es schon als eine Störung empfunden wurde, wenn hin und wieder ein Schlitten mit herrlicher Bespannung klingend durch die stillen, menschenleeren Straßen fauste. .

Es war in der achten Abenditunde und bie Paläste der Stadt bereits magisch erleuchtet, als vor einem sehr eleganten Hause von gelbem Sandstein ein Miethsschlitten vorfuhr, welchem ein in einem Pelz gehüllter Herr entstieg.

Das Geldstück, welches derselbe dem Kutscher zu­warf, veranlaßte diesen an die Bärenmütze zu greifen, und etwas von einem noblen Herrn zu murmeln.

Ein solcher schien der Vorstehende auch zu sein.

Der Portier jedenfalls auch öfter mit einer Münze von ihm bedacht verneigte sich tief, als er ihm persönlich öffnete.

Herr Viton oben?" fragte der Fremde im Vor­beigehen.

Aufzuwarten" entgegnete mit einer zwecken Verbeugung der Portier.

Der Ändere stieg die mit Teppichen belegte, mit Statuen und Topfgewächsen geschmückte, breite Marmortreppe hinan.

In der ersten Etage zog er an einer Glocke, über deren Kiystallknopf eine Marmortafel mit der goldenen Aufschrift:Viton, Privatier" angebracht war.

Ein Diener öffnete.

Ah, Herr Baron!" fugte et laut genug, um von dem noch int Flur befindlichen Portier ver­nommen zu werden. Dann trat der Fremde ein; die Thür wurde ins Schloß gedrückt, eine Kette raffelte und die Tritte verhallten, von den schweren Plüschteppichen erstickt, welche Corridor und Zimmer des sehr eleganten Quartiers gleichmäßig bedeckten.

(Fortsetzung folgt,)

Wapokeon's I. Großonkel.

Von Dr. F. Müller.

(Schluß.)

Wenn nur die Lätitia da wäre", meinte er be­fangen, dann könnte ich mich mit ihr einmal be- fprechen, über das, was der Napoleon will; ich weiß doch noch nicht recht, ob's wirklich Alles so ist. Ick denn die Lätitia wirklich Kaiserin geworden? Wie sieht

sie fitzt wohl aus? Was hat sie denn als Kaiserin in Paris Alles zu thun? Ach, mein Heiland! nun ist sie «uf einmal Kaiserin. Ich hab' ja noch ihre erste Beichte gehört, da war sie noch ein ganz kleines Mädchen! Aber sie ist doch recht wohl und gesund, mein Herr?"

Er hatte nach und nach bte erste Befangenheck überwunden und sprudelte jetzt in größter Lebhaftig­keit die Worte hervor; Einen nach dem Andern fragte er die Herrn nach ihrem hochtönenden Namen und ob sie den Kaiser auch recht gern hätten, und dann eilte er in sein kleines Studirzimmer, um über seines Großneffen Meinung nachzudenken, ohne sich um seiner vielen Gäste Unterbringung zu kümmern. Im Hofe und Parterre des Hauses herrschte lauter Verwirrung; die Herren hatten ihre Pferde abge­zäumt und lachten und rauchten zusammen. In einem Winkel saß Mattea und lauschte der ihr un­verständlichen französischen Unterhaltung der Offtciere, indeß Tommaso zwischen den Pferden umherschl'.ch und Bianca, die weiße Henne des Pfarrers wieder einzusangen suchte, während er zugleich die prächtigen Uniformen musterte. Plötzlich hatte ein sranzöckscher Chasseur das Mädchen entdeckt, und, galant, hübsch, jung, wie er war, eilte er hinzu. Mattea mochte wirklich den Tommaso nicht sonderlich und so gelang es dem Chasseur leicht, die heißblütige Italienerin zu gewinnen, der auch die Uniform arg in dte Augen stach. Nach einer ziemlich langen, immer intimer werdenden Unterhaltung, wagte es der Soldat, die neue Geliebte stürmisch zu umarmen, und sie duldete es lachend. Im selben Augenblicke aber stürzte Tommaso wuthschnaubend herbei und knirschte fürchterliche Verwünschungen gegen den Chasseur, der seinerseits kurzen Prozeß machte und den unglücklichen Nebenbuhler und Bräutigam beim Ohr erfaßte und mitten in die kichernde Gruppe der Kameraden zerrte.Du großer Taugenichts ', er­mahnte ihn einer der letzteren, der als geborener Corse Italienisch redete,schämst Du dich nicht, hier blos in der Messe zu singen und an den Glocken zu zerren, statt dem Kaiser zu dienen? Hier bringst Du's doch sicherlich zu nichts, so lange Du ein lumpiger Chorknabe bist. Komm lieber mit uns, sollst eine so schöne Uniform, wie wir haben,, ein Pferd und einen großen Säbel, sei kein Narr, flehst ja, daß das Mädchen Dich nicht will, denn sie läßt sich gleich von dem Marseiller küssen und Herzen. Thu' was wir Dir sagen und überleg' Dir's rasch, Jfungc/*

Inzwischen machte sich ein anderer Ehaffeur auf die Jagd nach des Pfarrers Hühnern und erwischte richtig die weiße Lieblingshenne. Der greise Haus­herr trat im selben Momente an's Fenster und rief heftig erschrocken hinab:Mein Herr Chasseur, lassen Sie mein Lieblingsthier in Ruhe, ich bitte Sie sehr darum!"

Leider aber war es nicht der Kaiser, sondern nur ber Pfarrer Buonaparte, der diese Bitte aus­sprach, und so fehlte derselben der Nachdruck; der