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neben."
„D, o, Wilhelm I" remonstrirte das junge Mädchen. Jener lachte. r ., „ ,
Damit war der Heiterkeit noch einmal die Bahn gebrochen, und bald nachher gingen die beiden jungen Leute in angenehmster Stimmung hinaus, dabei gewiß die Einrichtung der Wiener Eafas segnend, welche ihnen gestattete, auf dem Nachhausewege noch ein halbes Stündchen „unter sich" zu sein.
In Soltmanns Brust hatte der zweite Theil der Unterhaltung natürlich eine mächtige Wallung und Wandlung hervorgebracht. Er machte sich jetzt, als jene hinaus waren, mehrere Notizen.
Hierbei überraschte ihn Neubert, welcher ebenfalls in großer Erregung hereinkam.
„Alles."
'',Sut also, gehen wir" sagte Soltmann kühl. e Der Kellner half ihm in seinen Ueberrock, und ,5 gleich darauf verließen beide Herren das Cafs.
6. Kapitel.
Das Kornpl ott.
Unsere Erzählung führt uns jetzt nach jenem eleganten Stadtviertel, welches sich über den ganzen Westen der Residenz ausbreitete und diese erst als den Sammelpunkt des vornehmen Lebens kennzeichnete. Paläste reihen sich hier an Paläste, von Gärten und Parkanlagen umhegt; an den Straßen zogen lange Bäumereihen sich hin und die öffentlichen, mit Bildwerken und Fontainen geschmückten Plätze verriethen die pflegende Hand des Kunstgärtners.
Jetzt freilich lag auch dieser herrlichste Stadt-
Ida lachte. r
„Nun, und wenn Du noch em paar sympathische Gestalten haben willst", scherzte sie, „nimm uns Beide mit unserem heimlichen Wünschen, Hoffen uno Lieben, mit Deinem heißen Streben nach Höherem und Deiner Gefangenschaft in der Alltäglichkeit."
„Und dann würde demnach der Roman, in dessen Mittelpunkt wir momentan stehen, noch während seiner Entwickelung von mir geschrieben werden und gewissermaßen ein Roman im Roman fein. Hor^ Ida, Deine Ideen sind wirklich gut; und daher auch wohl Dein Name, den Dir eine überschlaue Muhme in Vorahnung Deiner zukünftigen Bestimmung ge-
„Und was hatte die ganze Komödie für einen l Zweck?" r
„Ein toller Streich, an denen Eduard ;o reich ist, weiter nichts. Aber was machst Du denn für ein Gesicht? Gefällt Dir das nicht?"
„Nein, Ida", entgegnete Wilhelm, „die Geschichte gefällt mir ganz und gar nicht. Das junge Mädchen, das Du Deine Freundin nennst, scheint mrr dieser Benennung nicht würdig zu sein."
„Warum nicht?"
„Weil — nun, findest Du es passend, daß Eduard und seine Braut in ihres Vaters Ham allein —" , , ,
, Du vergißt, daß Hedwigs Mutter daber war, ! die wenn sie auch dem jungen Etwold sehr geneigt ist, sehr auf strenge Sittsamkeit hält. Immer wenn Hedwig spielt, begleitet sie diese nach dem Theater und holt sie nach der Vorstellung von dort wieder ab."
„Mag also hingehen, aber Deine Freundin verleitet Eduard zu Extravaganzen, zum Geldvergeuden. Auch sollte ihre Mutter anders denken, edler, und sagen: „Nein, Herr Etwold, Sie sind nicht für meine Tochter. Ohne Mitwiffen Ihres Herrn Vaters —" , „ ,
„Also ohne Mitwiffen memes Herrn Vaters", spottete Ida, „werde ich mir mit Ihnen, Herr Ebers, kein Rendezvous mehr geben. Nun, rote gefällt Dir das?" . . „
„Du schlägst mich mit meinen eigenen Waffen, lachte Ebers. „Um Gründe seid Ihr Weiber feit Evas Zeiten ja auch noch nie in Verlegenheit ge- wesen."
„Ah, Neuwert!" sagte Soltmann, ganz gleichgültig gegen des Freundes verspätetes Kommen.
„Was machen Sie denn da?" fragte der Hinzukommende.
„Nur ein paar Notizen, wie Sie sehen.,
„Und wundern sich gar nicht über mein AuS- bleibcn?" . . ...
„Ach so, ja. Wollen Sie Nichts gemeßen?
„Cognac!" rief Neubert dem vorbeieilenden Kellner zu.
Jetzt blickte Soltmann verwundert auf. Er kannte Neubert als einen sehr nüchternen Menschen, dem Spirituosen eine Medicin waren.
„Sie mediciniren?" fragte er lächelnd. Aber er wurde sofort wieder ernst, als er seinem Freunde ins Gesicht sah.
„Ist etwas Ungewöhnliches vorgegangen, Neubert ?"
Jener stürzte fein Glas hinunter, füllte ein
I zweites und schob es feinem jüngeren Collegen hin.
„Trinken Sie das", sprach er, „und dann werde ich es Ihnen sagen. Oder besser, kommen Sie weg von hier, dies ist kein Ort zu vertraulichen Mit- theilungen. Uebrigens haben wir auch keinen Augenblick Zeit zu verlieren."
„Wir muffen fort?"
„Sogleich."
„Wohin?" ,
„Das sage ich Ihnen vorher nicht. Kommen Sie nur mit, und unterwegs erzähle ich Ihnen» was vorgefallen."
„Ist es weit?"
„Eine halbe Stunde."
„Gefahr dabei?"
„Haben Sie Ihren Taschenrevolver da?"
Ja."
„Das genügt. Auch ich bin nicht unbewaffnet. Allerdings gerathen wir da unter wirkliche Räuber I und Mörder."
„Ist das auch wohl überlegt?"


