chießener Jamilienblättec.

Belletristisches Beiblatt zum Gießener Anzeiger.

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30. Donnerstag den 11. März. 1886.

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Are Jakschmünzer.

Criminal-Roman von Gustav Lössel.

(Fortsetzrmz).

Soltmann und der junge Schriftsteller fuhren gleichzeitig halb von ihren Sitzen auf. Das war ein Gedanke! Das junge Mädchen sprach in der Weinlaune aus, woran selbst der Kriminalbeamte noch nicht gedacht hatte.

Sehr gut", nickte Wilhelm beifällig.Das eröffnet der Erzählung aus dem Leben eine Hinter- thür. Nun ist aber fonst die Geschichte so glatt. Bei aller Geheimnißthuerei kommen wir nicht über einen Raubmord hinaus und die Verbündete des rothen Mathies wird auch keine Gestalt sein, welche Verherrlichung in einem Roman verdient."

Verherrlicht soll sie auch nicht werden, und vorläufig hast Du mit ihr ja auch noch gar nichts zu thun."

Hm, hm, hm", murrte Wilhelm,es muß doch auch ein Bischen Romantik mit hineinspielen und dann fehlen auch ein paar recht freundliche, sym­pathische Figuren."

Romantik!" sagte Ida, an ihrem Glase nippend. Auch die ist da. Du weißt, der Kommerzienralh hat auch einen Sohn."

Ja, und ein so liebenswürdiger Charakter wie sein Vater unliebenswürdig ist. Diesen Mann bringt sein Hochmuth noch einmal zu Fall. Sein ganzes Streben geht nach Rang und Titeln"

Papperlapapp", sagte Ida, ihrem Geliebten den Mund zuhaltend.Von ihm ist jetzt die Rede nicht. Dagegen kannst Du nicht leugnen, daß Eduard Etwold etwas sehr leichtsinnig ist."

Von schlechter Gesellschaft verführt."

In die er sich nicht hätte begeben sollen."

In die ihn der Herr Prokurist des Hauses nicht hätte einführen sollen. Mich erinnert dieser Mensch mit dem Marmorgesicht und den mitunter unheimlich blitzenden, sonst aber recht kalten Augen an den Aetna, der auch in seinen oberen Regionen von Schnee und Eis umpanzert ist."

Du kennst ihn?"

Ich kann ihn leider nicht ignoriren, seitdem Eduard mich einmal mit ihm bekannt gemacht. Ich halte ihn für einen bösen Charakter und großen Heuchler, der eine doppelte Rolle spielt. Erst den Sohn verführen und ihn darin in den Augen des

Vaters degradiren, das scheint mir so eine Aufgabe für ihn."

Ob wahr oder nicht, ertheile ihm diese Rolle", erwiderte Ida lebhaft,und Du hast einen neuen Charakter für Deinen Roman. Aber darum handelt es sich jetzt nicht. Du verlangst Romantik; sie findest Du eben in dem Sohn des Kommerzien- raths."

Ach, Du meinst seine heimliche Liebesgeschichte mit der Tochter des weinseligen Nachtwächters König, die beim Theater ist?"

Ruhig, ruhig, das ist eine alte Geschichte unter uns, denn Eduard Etwold ist Dein Freund und Hedwig König, übrigens auch ein sehr viel ver­sprechendes Talent, meine Freundin; aber diese alte Geschichte, mein lieber Wilhelm, wird neu durch eine heimliche Begegnung der beiden Liebenden. Und weißt Du wo

In M.?"

,,Nein, hier."

Eduard wieder hier? Und sein Vater hatte ihn doch wegen seiner leichten Streiche nach M. verbannt?"

Wo er auch noch ist. Er war ja nur heimlich hier, wie Hedwig mir verrieth. Und kannst Du Dir denken, wo sie sich getroffen haben?"

Da ihr Vater mit dem Anbruch der Nacht das Haus verläßt, jedenfalls dort."

Fehlgeschoffen! In seines Vaters Haus."

Nicht wahr."

Und doch. Ich habe es von Hedwig ganz ausführlich."

Aber das klingt ja ganz unglaubhaft."

Ist aber wahr und bringt gleich einen schönen Zug von Romantik in Deinen Roman. Nun höre! Der Kommerzienrath gab doch neulich einen Masken­ball."

In der Mordnacht."

Es ist ja gleichgültig, wann. Und zu diesem erschienen auch es war ein toller Einfall Eduard und Hedwig maskirt. Und um nun jede Möglichkeit einer Entdeckung auszuschließen, steckte sich Eduard in Damenkleider er ging als Polin , während Hedwig einen Jäger darstellte. Du weißt, ihr ist das Verkleiden von der Bühne her geläufig, und sie versteht sich sehr gut zu benehmen."

Wie alle Damen vom Theater."

In ihres Vaters Hans kleideten sie sich heimlich an, und dort auch fand, natürlich vor der Demas- kirung die Wiederverwandlung in ihre natürliche Erscheinung statt."