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aurzuwandern, dazu habe ich kein Geld und auch keine Lust."
„Wenn Ihr arbeiten wollt, so kann ich Euch beschäftigen", sagte der Oberst nach einigem Nach« denken.
„Wo?"
„Drüben, in meinem Geschäft. Ihr würdet so viel verdienen, daß Ihr anständig leben könntet; aber arbeiten müßt Ihr, Faullenzer kann man drüben nicht gebrauchen.
„Steine klopfen, wie?" höhnte Keller. „Dar kann ich hier auch, ich verdiene hier auch soviel, wie ich gebrauche, man soll mich nur in Ruhe lassen."
„Sagt'« doch offen heraus, das Vagabundenleben behagt Euch besser, als ehrliche Arbeit", erwiderte der Oberst achselzuckend, „da muß man Euch freilich Eurem Schicksal überlassen. Aber ich warne Euch noch einmal vor Verleumdungen und haltlosen Ver» dächtigungen, damit erreicht Ihr nur da» Gegentheil von dem, was Ihr bezweckt. Folgt mir nicht weiter; ich will mit Euch Nichts mehr zu schaffen haben."
Der Vagabund lachte heiser.
„Sagen Sie nur dem Herrn, wa« ich Ihnen gesagt habe!" rief er ihm nach. „Ich lasse mich nicht länger Hetzen."
Der Oberst gab keine Antwort. Nach kurzer Wanderung blieb er vor einem Seitenwege, der zum Forsthause führt, stehen.
Eine alte Frau kam ihm entgegen. Er redete sie an, indem er sie fragte, ob er auf diesem Wege zur Försterei komme.
„Gehen Sie nur immer zu", erwiderte sie, „das Haus ist nicht weit mehr entfernt. Sie werden die Thür offen finden."
„Und ist der alte Herr in der Verfassung, einen Besuch empfangen zu können?"
„Heute geht'» besser mit ihm", nickte sie, „wenn er nur wieder marschtren könnte I Na, das Frühjahr wird wohl Besserung bringen, man muß Geduld haben."
„Treffe ich ihn allein?"
„Ganz allein. In einer halben Stunde bin ich wieder da, — die erste Thür rechts, Herr, er sitzt da im Sorgenstuhl und raucht seine Pfeife."
Der Oberst nickte dankend und setzte seinen Weg fort. Er hatte da» kleine hübsche Haus, das mitten im Waldesdickicht lag, bald erreicht. Unentschlossen blieb er einige Secunden lang vor ihm stehen, dann trat er tief aufathmend hinein.
12. Capitel.
Verborgene Schätze.
Der rothe Fritz hatte ebenfalls einen Seitenweg eingeschlagen. Nach kurzer Wanderung blieb er auf einer kleinen Lichtung stehen und gleich darauf schallte der heisere Schrei eine» Raben dreimal durch den Wald.
Einige Minuten später trat von der entgegenge< setzten Seite der Förster Hellmuth auf die Lichtung; die Beiden nahmen auf einem umgehauenen Baumstamm Platz.
„Ihr habt mich hierher bestellt", sagte der Vagabund in mürrischem Tone, „was wollt Ihr von mir?"
Hellmuth hatte eine Flasche aus der Tasche geholt, er entkorkte sie und hielt sie einige Sekunden lang an die Lippen, dann überreichte er sie dem Wilddieb.
„Was vor Jahren geschehen ist, da» wollen wir vergessen", erwiderte er, „Ihr werdet hoffentlich so klug sein, mich nicht wieder in Verlegenheit zu bringen. Daß ich meine Amtspflicht erfüllen muß, wißt Ihr, laßt Ihr das Wild hier in Ruhe, so bleiben wir gute Freunde."
(Fortsetzung folgt.)
Süßfischerei und Jagd.
(Nachdruck verboten.)
Zu den ältesten Erwerbsthätigkeiten des Menschen gehören unstreitig die Fischerei und die Jagd. Längst ehe die Bebauung des Bodens geübt wurde, beschäftigten sich die Menschen, einestheils dem Bedürf- niß nach Nahrung, anderntheils dem Triebe der Selbsterhaltung folgend, mit diesen beiden Nahrund Erwerbszweigen. Den ersten Beweis für das hohe Alter der Fischerei liefern die noch erhaltenen ägyptischen Wandmalereien, die aufgefundenen lieber» reste von Fischereigeräthen in den Pfahlbauten, sowie die großen Fischzüge der fischeffenden Indianer des tropischen Amerika. Auch Homer gedenkt in seiner Odyssee (IV. 368 fgl. und XII. 329 fgl.), des Fischfanges, der nur mit größter Noth betrieben wurde und ganz ähnliche Verhältnisse finden wir im älteren Rom. (Ovid. Fast. VI. Varro b. Nonius p. 216.) Gegenwärtig ist die Süßfischerei, auch Binnenfischerei genannt, in China, Sibirien, Rußland, Schweden, Großbritannien und Frankreich von enorm hoher nationalöconomischer Bedeutung; in Deutschland steht Ostpreußen in erster Linie.
Die wichtigsten Gegenstände der Binnenfischerei bilden die verschiedenen Störarten und die lachsartigen Fische, von welchen ersteren in Rußland jährlich über zwei Millionen Kilo mit einem Erträg- niß von ca. fünf Millionen Rubel, von den anderen namentlich in den sibirischen Strömen, in Nordamerika und in Großbritannien, wo der Ertrag der Lachsfischerei jährlich allein über zwölf Millionen Mark beträgt, gefangen werden.
Leider sind in den volkreichen Ländern Europas die Erträge der Süßfischerei in den letzten Decennien sehr herunter gegangen, eine natürliche Folge der enormen Steigerung des Consums und dadurch herbeigeführten Ueberfischung, verbunden mit einer Vernichtung der Laichplätze und Störung de» Laichge-


