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schäftes durch Flußregulirungen, Eisenbahnbauten und Industrieanlagen, sowie einer durch Entwaldung hervorgerufenen Verminderung der Pflanzennahrung. Ferner ist die Binnenfischerei durch das Anwenden von Betäubungsmitteln und Schüssen, sowie durch den Fang mit engmaschigen Netzen in manchen Gegenden vollständig lahm gelegt worden. Die Fischerei im Peipussee, die vormals 17 000 Menschen ernährte, ist durch den Gebrauch solcher Netze vollständig verödet und der Ruin der Fischerei in Morvan ist lediglich der Anwendung von Kalk zuzuschreiben. Ferner weit großer Schaden ist der Binnenfischerei zugefügt worden durch das Wegfangen der Lachse beim Aufsteigen in die Flüsie, bevor sie gelaicht haben. So wird schon in den Jahren 1570 und 1576 von Klagen über das Wegfischen dieses Fisches durch die Holländer in der Rheinmündung berichtet. Welchen ungeheuren Werch übrigens dort noch heute die Lachsfischerei hat, beweist am besten der jährliche Fang von über 400 000 Fischen in einem Werthe von 500 000 Pf. Sterling.
Um die allgemein darniederliegende Binnenfischerei wieder zu heben, sind nun in fast allen europäischen Ländern Fffchereigesetze erlassen worden, die den Schutz der Gewässer gegen eine sinnlose Ausbeutung bezwecken. Schon nach dem Sachsenspiegel wird das unberechtigte Fischen in einem gegraven dik mit dreißig, und das in water an wilder wage mit drei Schilling gebüßt. Das seit 1874 bestehende preußische Fischereigesetz gipselt wesentlich in einer staatlichen Beaufsichtigung der Fischerei durch Fischereimeister und in der Feststellung von Schonzeiten. Diese ist für die im Frühjahr laichenden Fische vom 10. April bis 14. Juni und für die im Winter laichenden lachsartigen Fische vom 15. October bis 14. December. Aeußerst wichtig für die Hebung und den rationellen Betrieb der Binnenfischerei ist die Bildung von Genossen- schaften und Vereinen unter den Jntereffenten, wie solche in Deutschland bereits in großer Zahl bestehen, gewesen; unter ihnen hat sich der deutsche Fischereiverein zu Berlin große Verdienste erworben.
In umfangreicherer Weise nun, wie die Fischerei, hat sich die Jagd ausgebildet, dient sie doch auch zwei menschlichen Bedürfnissen, dem der Nahrung und dem der Kleidung. Schon von den heroischen Persern und Griechen (vergl. Herodot VII., 126 und Plutarch. Sol. 23) wird berichtet, daß sie Meister^ in der Ausübung der Jagd gewesen sind. Es darf jedoch nicht verkannt werden, daß mit dem Steigen der volkswirthschaftlichen Cultur und mit dem Wachsen der Bevölkerung die verhältnißmäßige Bedeutung der Jagd kleiner zu werden pflegt und in Folge der stärkeren Nachfrage nach Wild, sowie durch die Beschränkung des Waldbodens fich der Wildstand vermindern muß. Absolut freilich wird die Jagdernte in hochcultivirten Ländern besonders werthvoll sein, da hier alle Theile des Wildes sowohl nahen als reichlichen Absatz finden.
Genaue und zuverlässige Statistiken über dar Erträgniß der Jagd sind in den europäischen Ländern bislang wenig aufgemacht worden und dürfen deshalb die nachstehenden Zahlen immerhin mit Reserve aufzunehmen sein.
Im Königreich Sachsen schätzte v. Berg (die Jagdfrage im Jahre 1848) bei mäßigem Wildstande und pfleglicher Behandlung auf mindestens 1 366 570 Pfund Fletsch und überhaupt 138 000 Thaler; die Regierung bei ihrem ersten Entschädigungsplane den Reinertrag auf V2 - 6, durchschnittlich also 3J/4 Pfennig jährlich.
In Preußen berechnete 1846 Schubert (II. 1. S. 189) den Fleischertrag der Jagden auf jährlich V[2 Millionen Thaler. Nach Engel, preuß. statist. Jahrbuch III., 158 enthalten die Waldungen aller 8 Provinzen 34 324 Stück Rothwild, 12 864 Stück Dammwild, 106 664 Stück Rehe, 5896 Stück Schwarzwild, 2867 Stück Auerwild und 884 Stück Elchwild.
Für Oesterreich giebt Czörnig (Oest. Ethnographie I. 1, Seite 544) den jährlichen Ertrag der Jagd auf 50 Millionen Hasen, 50 Millionen Hühner, 5 Millionen Wasservögel, 60 000 Rehe, 3000 Hirsche, 10 000 Schweine, zusammen l^/2 Millionen Centner Fleisch zum Werthe von 25 Millionen Gulden an.
In den Ländern, wie das polare Nordamerika und Rußland, sind Jagd und Pslzhandel noch immer die bedeutendsten Zweige der Volkswirthschaft. Das Clima fördert nicht allein die Güte des Pelzwerkes, sondern auch den Sinn des Menschen dafür. Ueber den Handel mit Pelzwerk bringt Lomer (der Rauch- waarenhandel 1864) folgende Zahlen: Der jährliche Pelzertrag im russischen Asien und Amerika ist ca. 4 652 500 Thaler werth, in Mitteleuropa 3 817 800 Thaler, in Nordamerika 5 354 250 Thaler, im europäischen Rußland, Skandinavien, Island und Grönland 2 378 100 Thaler.
Um nun dem gründlichen Aus rotten des jagdbaren und zu Genuß- und Bekleidungszwecken dienenden Wildes vorzubeugen, sind bei den aufblühenden Culturvölkern schon frühzeitig Jagdgesetze erlaffen worden. Leider ist nicht zu verkennen, daß sich bei allen Völkern und zu allen Zeiten der juristischen Behandlung des Jagdwesens viel blinde Leidenschaft zugemischt hat und in den meisten Ländern die Jagdgerechtigkeit bei ihrer Abschaffung ebensowenig g bührenden Ersatz gefunden hat, wie sie beim Wildschaden ihrerseits chn früher gewährte.
Im Allgemeinen jedoch haben die neueren Jagdgesetze mit ihren streng einzuhaltenen Schonzeiten viel dazu beigetragen, daß das genießbare Wild wenigstens vieler europäischen Staaten nicht der völligen Ausrottung anheimfällt, sodaß also die Wildfleischnahrung, deren Nährwerth bekanntlich über dem aller anderen Fleischarten steht, dem Volke, wenn auch in beschränkterer Weise als früher, erhalten bleibt. Egon W.
Mdaction; K. Schoyda. — Druck und Verlag der Brüht'schrn Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


