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Men dürfen, so lange Sie Ihres Versprechens eingedenk bleiben und die Forderungen der Ehre zur Richtschnur Ihres Handelns machen."
Er winkte noch einmal grüßend mit der Hand, dann schlug er den Weg zum Walde ein.
Er hatte die Mitte des Waldes schon erreicht, als er plötzlich durch eine heisere Stimme aus seinem Sinnen aufgeschreckt wurde. Aufblickend sah er sich dem rothen Fritz gegenüber.
„Was wollt Ihr von mir?" fragte er barsch.
„Nichts, Herr", erwiderte Keller spöttisch. „Sehe ich denn aus, wie ein Wegelagerer? Ich wünsche nur eine Frage an Sie zu richten."
„So fragt und macht es kurz!"
„Was will der Herr hier, mit dem Sie vorhin auf dem Kirchhof waren?"
„Regt sich das böse Gewiffen? Ihr kennt diesen Herrn, fürchtet Ihr, er sei Euretwegen hier?"
--.Daß er meinetwegen hier ist, weiß ich", erwiderte der Vagabund achselzuckend, „aber ich fürchte ihn darum nicht. Ich möchte nur wissen, was er hier zu entdecken hofft; vielleicht könnte ich ihm einen guten Rath geben."
„Und worauf soll dieser Rath sich beziehen?"
rr!,3IlV^ Geschichten, die vor zehn Jahren hier pasftrt sind. Auf mich wird Verdacht geworfen, weil ich ein armer Teufel bin. Ich könnte diesen Verdacht auf einen Andern lenken, den man wahrscheinlich gar nicht verfolgen würde."
„Auf wen?"
„Das sage ich Ihnen nicht!" spottete der rothe Fritz, während er mit seinem Knotenstock einen dürren Zweig abhieb. „Man behauptet, ich habe entweder einen Raubmord begangen, oder eine Leiche bestohlen; wenn ich nun sagte, ich kenne Jemand, der vamals eine Leiche spurlos verschwinden — ließ, was würde daraufhin geschehen?"
„Man würde Euch auffordern, diese Behauptung zu beweisen", erwiderte der Oberst mit scharfer Be- tonung.
„Beweisen? Jawohl! Da hapert's! Wenn auf einen armen Teufel, wie ich es bin, Verdacht geworfen wird, dann ist man gleich mit der Verhaftung bei der Hand."
„Vor dem Gesetz sind Alle gleich", unterbrach der Oberst ihn. „Wer Euch anklagen will, muß ebenfalls Beweise vorlegen können. Ich frage noch einmal: Wen wollt Ihr verdächtigen?"
„Ich kann das nur dem Richter sagen!"
„Und beweisen könnt Ihr die Sache nicht?"
„Ich weiß eben nur dar, was ich gesehen habe."
„Und das war?"
„Nicht viel, Herr, aber immerhin Etwas! Und wenn man diese Fährte verfolgen wollte, dann käme sicher mehr heraus, als —"
„Seht Euch vor!" fiel der Oberst ibm warnend in die Rede. „Ein Verdacht ist schnell ausgesprochen, und Eurer eigenen Sache könnte es nur schaden, wenn Ihr der Verleumdung beschuldigt würdet. Seid Ihr frei von jeder Schuld, dann habt Ihr ja
für Eure Person Nichts zu fürchten, seid Ihr eS nicht, nun, dann werdet Ihr auch nicht durch die Verleumdung Anderer den Richter irre führen."
Der rothe Fritz zuckte abermals die Achseln. Ein spöttisches Grinsen verzerrte sein magerer, mit Sommersprossen übersäetes Antlitz.
„Sie sprechen wie ein Buch", sagte er, „aber Sie denken nicht daran, wie unangenehm mir diese Hetzjagd sein muß. Will man um jeden Preis hier ein Verbrechen wittern, dann soll man unparteiisch die Sache untersuchen und nicht an dem Glauben festhalten, ich sei der Einzige, der es verübt haben könne. „Wenn Sie das dem Herrn sagen wollten —"
„Ich kümmere mich um solche Dinge nicht!"
„Sie würden ihm selbst einen Gefallen damit thun."
„Inwiefern?"
„Na, ein Ende muß es nehmen, so oder so", erwiderte der Vagabund, und der Oberst erschrack vor dem tückischen Blick, der diese Worte begleitete; „ich will Ruhe hier haben. So lange die Spürnase hier ist, kann ich mein Geschäft nicht beginnen. Der Ortsvorsteher hat mir auch schon Worte gesagt, die mich ärgern, Niemand will mich unterstützen, ich werde gemieden wie die Pest und daran trägt allein dieser Referendar Schuld! '
„Oder der fremde Paß —"
„Ach war, den hab' ich hier im Walde gefunden; und wenn man mir das nicht glauben will, so kann man's bleiben lassen. Wenn's der Oberförster sagte, dann würde man's natürlich glauben."
Der Oberst war stehen geblieben — die Gläser der blauen Brille hefteten sich auf den Wilddieb.
„Was habt Ihr gegen den Oberförster?" fragte er.
„Persönlich Nichts!" b
„Ihr wollt ihn verdächtigen?"
„Das sage ich nicht."
„Weicht mir jetzt nicht länger aus. Ihr spracht von dem Verschwinden einer Leiche; einen Namen wollt Ihr mir nicht nennen, und nun —"
„Und wenn ich nun den Oberförster anklagen wollte — ich sage, wenn ich es wollte, wer könnte es mir wehren?" fragte der rothe Fritz trotzig. „Was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe, das werde ich wohl behaupten dürfen —"
„Behaupten darf man nur das, was man be- weisen kann", fiel der Oberst ihm ins Wort, „bedenkt das wohl. Ueberdies ist er eine unsinnige Anklage! Der Oberförster soll eine Leiche geraubt haben! Zu welchem Zweck? Man sollte fast glauben, Ihr kämt geradeswegs aus dem Jrrenhause! Glaubt Ihr denn mit einer solchen hirnverbrannten Verdächtigung Euch selbst von jedem Vlrdacht befreien zu können? Ihr würdet dadurch die Sache nur noch schlimmer machen und die ganze Gemeinde gegen Euch aufbringen."
„Hm, es könnte anders kommen", spottete der Vagabund, „und wenn man mich nicht in Ruhe läßt, dann weiß ich nicht, was geschieht. So, wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben, und noch einmal


