579
M guter Letzt noch schämte, so gemeine Pflege-Eltern zu haben."
„Du sprichst, wie Du es verstehst, Heinrich I" versetzte Frau Möller indignirt, „sind wir gemeine Leute? — Du bist Rentier und hast eine „Fille", wie ein Kaufmann, und was meine Wenigkeit anbetrifft, so weiß ich ganz gut, wie man als feine Dame sich zu benehmen hat. Wo das Geld keine Rolle spielt, da hört die Gemeinheit von selbst auf und Vera ist zu gut erzogen, um so undankbar zu sein. — Ra, wenn sich ein Graf in sie vergafft und sie zur Gräfin machen will wie dazumals die unge Wittwe vom alten Herrn von Rodenburg —"
„War auch was Rechts damit", unterbrach Möller sie wegwerfend, „ein schwedischer Graf, der sie in seinem Lande ertrinken ließ — na, ich danke! Bester, sie heirathet einen braven Hamburger Bürger, den man von Kindesbeinen an gekannt hat. — Nee, Alte, ich halte es mit unserem Karl Reimann —"
„Wenn Vera ihn mag, meinetwegen! — aber da liegt der Hund begraben — und zwingen laß ich sie einmal nicht, weil dar Geld bei uns keine Rolle spielt."
Damit war das letzte Wort gesprochen und Heinrich ab und zur Ruhe gewiesen, da Frau Möller auch als Frau Rentiöce sich das Hausscepter bewahrt hatte.
(Fortsetzung folgt.)
Aus den Erinnerungen eines amerikanischen Jetective.
Bon Dr. F. Müller.
(Fortsetzung und Schluß.)
Längst war aber von den Lichtern des Städtchens nichts mehr zu erblicken und längst schon mußte ich den Steinbruch passirt haben, ohne daß mir auch 'nur das kleinste lebende Wesen aufgestoßen wäre. Die Landschaft war wie ausgestorben. Ich fürchtete bereits, daß ich mich ebenso vergebens bemüht hatte, wie die Polizei des wackeren Mr. Sniders und dachte schon daran, umzukehren und die Parihie an einem der nächsten Abende nochmals zu wiederholen, als plötzlich, ohne daß ich vorher einen Laut vernommen, mein Pferd sich bäumt? am Zügel erfaßt wurde und eine rauhe Stimme mir zuschrie: „Ihre Brieftasche, Mr. Philipps!"
„Zugleich streckte sich der Lauf einer Pistole dicht unter meine Rase.
„Da treffe ich wohl alte Bekannte", rief ich, „Ihr kennt sogar meinen Namen?"
„Gewiß, Ihr seid Mr. Philipps, der drüben bei Mr. Sniders im Rathhause logirt hat, und nun macht keine Umstände, denn wir haben Eile und heute noch verschiedene anders Geschäfte; also Eure Börse Mr."
„Sehr gern", versetzte ich, „nur werden Sie mit mir leider nicht sonderlich zufrieden sein, was ich selbst lebhaft hedaure. Die Geschäfte gehen schlecht."
Damit überreichte ich einer der beiden vor mir stehenden Gestalten meine Börse. Derselbe öffnete sie, fühlte hinein und schien enttäuscht darüber, denn sofort entgegnete er:
„Halten Sie uns nicht zum Narren, Sie haben mehr bei sich, jedenfalls auch Papiergeld, denn Sie sind heute auch in der Bank gewesen."
„Ganz recht, meine Herrn, aber ich habe kein Geld geholt, sondern solches abgesandt."
_ Im nächsten Augenblick fühlte ich mich vom Pferde gezogen und meine Taschen gründlich untersucht, wobei natürlich auch meine Banknoten zum Vorschein kamen. Nachdem das Geschäft beendet, erklärte mir dieselbe rauhe Stimme wieder:
„So, nun machen Sie, daß Sie heim kommen und klagen Sie Mr. Sniders Ihr Leid, wir be« dauren, Sie belästigt zu haben, aber die Umstände zwingen uns dazu."
Man gestattete mir, mein Roß wieder zu besteigen und so trabte ich wieder nach der Stadt zurück. Während der Begegnung hatte ich mir die größte Mühe gegeben, die Verbrecher zu erkennen, ihre Gesichter trugen aber dichte schwarze Masken, die Stimmen waren mir jedenfalls gänzlich unbekannt, die eine wenigstens, denn der Andere hatte sich gänzlich im Dunkeln gehalten und nur einige gurgelnde Laute ausgestoßen. Einstweilen war es mit meinem Plane nichts und in verdrossener Stimmung trabte ich weiter. Unterwegs aber kam mir dennoch wieder stärker als je die Ueberzeuguna, daß die beiden Banditen, dis auch meinen Namen schon gekannt hatten, der vor mir liegenden Stadt angehören mußten und so beschloß ich, in der Nähe der Stadt auf sie zu warten. Kurz vor den ersten Häusern lag ein halbvollendeter Neubau. Bei demselben traf ich den Nachtwächter, der mich beim Lichte seiner Laterne alsbald erkannte und anrief. In wenigen Worten theilte ich ihm mit, was mir begegnet war und weihte ihn in meinen Plan ein, die Straßenräuber zu entlarven. Zunächst schaffte er mein Pferd zur Seite und hielt sich hierauf in der Nähe, während ich selbst mich in einem Winkel des Neubaues versteckte, so daß ich jedenfalls nicht gefunden werden konnte, falls er den beiden Vermummten einfallen sollte, hier einzukehren. Ich weiß nicht wie es kam, aber ich empfand immer deutlicher eine Ahnung, daß die Strolche hierher kommen würden und zugleich dämmerte mir auch die Ueberzeugung auf, daß es einen verzweifelten Kampf geben werde, wenn ich den Versuch machen wollte, die Beiden mit Hilfe des Nachtwächters zu ergreifen. Letzterer hatte übrigens, feit ich mein Versteck eingenommen, nichts mehr von sich hören lassen und ich merkte bald genug zu meinem wirklichen Unbehagen, daß der gute Mann wohl Vorsicht für besser als Tapferkeit gehalten hatte. Trotzdem beschloß ich nun auszuharren und es auf die Umstände ankommen zu


