Na, bas kann ich just nicht sagen", lächelte Henmng triumphirend,Habs darin Glück. Meine Frau verließe um keinen Preis ihre Kinder und ihr Hauswesen und wenn sich zehn Aerzte gegen sie ver­schworen hätten."

Dann sind Sie ja ein glücklicher Mann", rief Reimann lachend,schauen Sie sich nur ein wenig die Toiletten der Damen hier an, kein Wunder, daß die Bade-Saisons jedem Ehemann ein Gruseln verursachen."

Hm", meinte Henning, dem jungen Mann einen Pfiffigen Seitenblick zuwerfend,dann werden Sie wohl das Heirathen verschwören, wie? Ich glaube", setzte er sich umschauend, gedehnt hinzu, daß Fräulein Gotthard mit ihrer Suite eben auf der Treppe erscheint. Die Dame ist forsch und fest, ro,en8 in Saat schon geschossen, was mich doch Wunder nimmt, bei ihrem vielen (Selbe, wie, Herr Reimann?"

Ach, Sie meinen den Engländer, Herr Rei­mann?" flüsterte Henning,weiß der Kuckuck, wo ich den Menschen schon gesehen habe bekannt kommt er mir vor. Er schwatzt mit der Gesell­schafterin."

Reimann blieb jetzt stehen, um die Damen, welche rasch die breite Treppe herabgekommen, :u begrüßen. *

. Fräulein Natalie Gotthard hatte ein wenig an F.e zugenommen, sich sonst aber kaum verändert. Dre lebhaft strahlenden Augen, das kluge, anziehende Gesicht mit dem anmuthigen Lächeln schienen der fluchtigen Zeit, welche mit leichten beschwingten Sohlen rastlos vorwärts eilt, zu spotten und sich ihre unveränderte jugendliche Frische bewahrt zu haben, während die schlanke, elastische Gestalt an ihrer Seite den duftigen Lenz des Lebens, den vollen Glanz der Jugend repräsentirte.

Dieser runzelte die Stirn und schleuderte mit einer heftigen Bewegung die Cigarre fort.

Ich muß Sie ernstlich ersuchen, Herr Henning!" sagte er scharf,sich einer passenderen Ausdrucks- werse hinsichtlich jener Damen zu befleißigen. Frau« }® Gotthard hätte bei ihren eminenten Vorzügen leicht sich verheirathen können, wenn es ihr genehm gewesen wäre oder sie sich als ein begehrter Goldfisch hätte angeln lassen wollen. Die Dame liebt ihre Freiheit zu sehr und achtet sich selber zu hoch, um auf die eine oder andere Weise als Handelsartikel zu gelten oder gar den Spott deralten Jungfer" zu fürchten."

Na in", versetzte Henning kleinlaut,den Spott haben in der Regel auch nur die Armen zu tragen, weil das Geld den Menschen vor jedem Spott der Welt bewahrt. Das ist nun einmal so und wird noch immer schlimmer. Ich habe vier Jungen und nur ein Mädchen und ich danke dem Herrgott dafür, da es arme unverheirathete Mädchen und Unglück- üche Ehefrauen genug giebt, wie meine Mutter immer behauptet; wer mit einem silbernen Löffel im Munde geboren wird, hat eigentlich nur das Recht zu leben."

Das hat Heine auch gesagt und doch nichts da- mrt geändert, das Geld schwimmt wie Fett immer oben, mein Lieber! Sagen Sie mir doch, Herr Henning! Sie kennen Herrn Möller vor'm Dammthore wohl schon lange?"

Na und wie er ist ja mein Pathe, die Eltern waren immer Busenfreunde."

Fräulein Vera ist ein adoptirtes Kind, nicht wahr?"

Versteht sich, kennen Sie die Geschichte denn Nicht?"

So recht nicht, ich war damals ein dummer Junge noch und meine Eltern wissen auch nichts Genaues darüber; doch still", unterbrach er sich hastig,ich höre schon die Stimmen der Damen, Sie erzählen es mir nachher, Herr Henning! Ver­wünschter Kerl, - drängt sich schon wieder auf"

SSera war in der That zu einer vollendeten Muhest ersten Ranges herangeblüht, deren geistiges Wesen und moderne Bildung damit im schönsten Einklang stand. Die tiefblauen Augen, von langen seywarzen Wimpern beschattet, nahmen zuweilen eine Iio bunue Färbung an, baß sie wie schwarze Sterne schimmerten, wozu bas golbene Haar, welches ihr den Namen der Loreley von Seiten der Badegäste verschaffte, einen wunderbaren Contrast bildete. Das blendend weiße, von einem zarten Jnearnat angehauchte Antlitz glich der weißen Rose und war von einer entzückenden Regelmäßigkeit, während die stolze Haltung der biegsamen Gestalt, der Liebreiz ihrer ganzen holden, jungfräulichen Persönlichkeit den Zauber ihrer Erscheinung vollendete.

Natalie Gotthard bedauerte stets im Stillen, daß Vera zu solchen plebejischen Pflege. Eltern gekommen, da ihre elfenartige Erscheinung unter den braven, gutmütigen, aber doch herzlich dummen und vier­schrötigen Möller'- nur lächerlich auffallen konnte, sie hatte deshalb ihre ganze Klugheit aufgeboten, um Vera unter ihre Flügel zu bekommen und die resolute Frau Möller von der Badereise abzuschrecken, £eiue, dichte Aufgabe gewesen, da jene die Mittel dazu besaß, um ihr Kind selbst zu be- gleiten und sich für gebildet genug hielt, in der feinen Babegesellschaft roürbig aufzntreten. Dazu gehörten ja, nur Keeiber, unb wo bas Geld, wie sie meinte, ferne Rolle spielte, stäube ja nichts im Wege. Fräu- letn Natalie sprach jedoch mit dem Hausarzt und der verbot der vollblütigen Frau Möller rundweg das Seebad worüber ihr Heinrich sich in's Fäust- chen lachte, der solche Kinkerlitzchen in ihren alten Tagen nicht ausstehen konnte.

Daß Vera wie eine Gräfin ausgestattet wurde, war dem ehrlichen Möller auch nicht recht.

Da siehst Du, wie Du bist, Alte!" meinte er brummig,als kleines Göör sollte sie nicht zu den vornehmen Leuten, und nun ist sie doch eine Prinzessin geworden, die gar nicht mehr für unsereins paßt. Es sollte mich nicht wundern, wenn sie sich