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laften, ob ich eingreifen könne oder nicht und versteckte mich einstweilen in dem hintersten Theile des Gebäudes, wo die Arbeiter des Nachts in mehreren großen Kisten ihre Geräthschaften zu verwahren pflegten. Fast eine Stunde verharrte ich dort in unbeweglicher Ruhe, scharf auf jeden Ton von der Landstraße her achtend; endlich hörte ich in der Ferne zwei Stimmen, die näher und näher kamen Und wirklich auf den Neubau zuschritten. Innerhalb desselben kaum fünf Schritte von mir, machten sie Halt und ich vernahm deutlich jedes ihrer Worte.
„Das war heute ein schlechtes Geschäft; ich hätte dem Kerl mehr zugetraut", brummte der Eine.
„Nun, ja", versetzte sein Genoffe, „morgen kommt's wohl wieder besser; Mr. Sniders würdiger Gast wird eben weiter nichts sein, als so ein Corn- misstonsreiter mit leeren Taschen, doch zum Glück pressirt es uns ja nicht gar zu arg. Wir werden noch manchen guten Fang thun und unser Pensum schon zusammen bringen, bis es den Umsang einer fetten Erbschaft erreicht hat. Zum Glück weiß ja Niemand, wer wir sind und an uns denkt man stcher am allerwenigsten, aber wohin verstecken wir nur diese Kleinigkeiten? „Laß doch", versetzte der Andere, „es ist so pechfinster hier, wir können das morgen besorgen."
„Nein", entgegnete der Andere dessen Stimme mir nachgerade bekannt vorkam, „hier hinter der Kiste liegt Feuerzeug", und damit schritt er geradewegs apf mein Versteck zu.
In diesem Augenblicke pochte mir doch das Herz fast hörbar; ich drückte mich in die äußerste Ecke hinter der Kiste, wo freilich dar erwähnte Feuerzeug gerade seinen Platz haben konnte. Es war ein Moment der fürchterlichsten Erregung und ich machte mich auf einen Kampf im Dunkeln schon gefaßt, bei dem ich lediglich auf meine Körperkraft angewiesen war, denn meine beiden nächtlichen Kumpane hatten stch ja auch meiner Waffe bemächtigt. Zum Glück aber fand sich das Feuerzeug in einer Fensternische sofort und ich durfte aufathmen, um im nächsten Augenblick bereits beim Scheine einer Blendlaterne deutlicher die beiden immer noch maskirten Gestalten vor mir zu sehen, vor denen ich mich immer noch sorgfältig verbergen mußte.
„Wie viel haben wir denn jetzt wohl schon beisammen?" begann der Eine seine Rede wieder.
„Nun, es mögen 4000 Dollars sein", war die Antwort.
„Du könntest eigentlich, anstatt Dir die Miß Sniderr aufhalsen zu lasten, eben so gut bei dem Alten selbst noch einen kühnen Griff thun und dann mit mir nach den schönen Gefilden des fair West auswandern."
„Zum Teufel, lieber Junge, das werde ich nicht thun, denn die Miß hat auch noch beträchtliche Erb- chaften zu erwarten und da will ich doch lieber ^ushalten. Aber komm, es ist frostig kühl hier, laß'
uns die diesmaligen Errungenschaften theilen und dann noch einige Stunden in's Bett kriechen."
Der Angeredete griff in die Tasche und holte meine Uhr und Waffen, fowie meine Scheine hervor und bald war das Geschäft beendet. Deutlich sah ich heim Scheine der Laterne, wie der eine der Gauner eine meiner Banknoten nahm, einen Augenblick in der Hand hielt und dann in die Tasche fleckte."
„Und nun noch einen Schnaps, Kamerad", rief der Größere, „ich habe ihn dort in der Kiste."
Abermals schritt er auf mein Versteck zu und diesmal durfte ich fast bestimmt auf die Entdeckung gefaßt sein, aber im selben Augenblick ertönte draußen von der Straße her das Horn des Nachtwächters; sofort löschte der Strolch die Laterne und beide huschten hinaus. —--------
Am folgenden Morgen war Mr. Sniders nicht wenig überrascht, mich wieder am Kaffeetisch zu finden und ebenso äußerte sein Secrelär, Mr. Burton, sein Erstaunen. „Leider", bemerkte ich mit sauersüßer Miene, „konnte ich meine Reise nicht fortsetzen, weil ich in der Thal, nachdem ich kaum eine Stunde geritten war, überfallen und beraubt wurde."
Beide Herren waren im höchsten Grade entrüstet und besonders der Jüngere hielt die strengsten Maßregeln, sowie die Berufung einer Detectives für unbedingt nothwendig.
„Diese Ansicht hege auch ich", versetzte ich gegen den jungen Mann gewendet und Herr Sniders hat sehr wohl daran gethan, einen solchen Detective bereits herzuberufen, ohne daß er vorsichtigerweise irgend Jemandem davon Mittheilung machte, nur ahnte er nicht, wie nahe er selbst einem der Nebel» thäter bereits war. Der Detective, mein lieber Mr. Burton, steht vor Ihnen und auch den Verbrecher hat er schon entdeckt", fuhr ich fort, und im gleichen Augenblicke hatte ich Burton erfaßt, in den Stuhl niedergedrückt und ihm Handschellen angelegt, indem ich ihm erklärte: „Sie sind mein Gefangener, ich klage Sie des an mir selbst begangenen Straßenraubes an." In tiefster Bestürzung stotterte er einige Worte, während ich die von mir Tags vorher mit Zeichen versehene Banknoten aus seiner Tasche zog und sie dem sprachlos dastehenden Bürgermeister unter die Augen hielt. Ich hatte am Tage vorher, als Burton bei Tische die Tasse hielt, eine auffallende Verkrümmung seines Fingers bemerkt, und an diesem Zeichen hatte ich den Gauner, der mit einem Zimmei mann des Städtchens seine Thaten verübte, beim Scheine der Laterne im Neubau wieder erkannt. Als ich ihm seine Gespräche mit dem Genossen erzählte, gestand er zitternd seine Thaten ein und gab an, daß er dieselben nur verübt habe, um nicht mit leeren Händen eines Tages als Brautwerber vor Mr. Sniders hinzutreten. Wenige Tage nachher verließ ich das Städtchen unter dem wärmsten Danke der aufathmenden Bevölkerung.
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