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Verabschiedete Kriegsknechts, unter dem Namen ! „Gartende Knechte", trieben sich schaarenweise umher, um unter dem Vorwande, Arbeit zu suchen, dem i wehrlosen Bauer zu nehmen, selbst mit Gewalt, was 1 er nicht gutwillig geben mochte. Von 1650 an er- ' schienen ganze Banden, die als Reste des dreißig« jährigen Krieges besitzlos und verwildert umherzogen und von Diebstahl und Raub lebten. Im Kriege hatten sie Letzteres „Garten" genannt und diesen Namen ließen sie ihrem edlen Handwerke auch im Frieden. Um 1700 erreichte die sogenannte schwäbische Gaunerei ihren Höhepunkt; von Schwaben aus verbreiteten sich sörmliche Heere von Landstreichern, mit allen Künsten und Wisienschaften ihrer Zunft ausgerüstet, über das Reich und brachten das Land Eberhard's im Barte in einen schlimmen Ruf der Geriebenheit und Arglist. Kein Ort war mehr vor ihren Diebereien und Gewaltthaten sicher, und als endlich doch auf kaiserliche Veranlassung kräftigere Streifzüge gegen sie stattfanden, bildeten sich regelrechte Heere von mehreren hundert Mann, verschanzten sich im ersten besten großen Walde und führten förmlich Krieg gegen die Ortschaften, wie es einst die Raubritter gethan hatten. Anfangs ließ die Behörde die Eingefangenen peitschen und _ an die Genueser und Venetianer als Galeerenschiffer aus- liefern; endlich aber wurde diesen Republiken des Guten zu viel und so fing man an, die schlimmsten Gauner rottenweise zu köpfen, und gründete für die Andern in den größeren Orten Zuchthäuser. Alle« das half aber wenig, denn die Banditen erhielten sogar von Frankreich und der Schweiz her Zuwachs. Im Jahre 1725 erschien am Niederrhein eine Truppe von dreihundert Franzosen und hauste wie Vandalen lange Zeit hindurch; als sie endlich weichen mußte, that sie es mit dem Säbel in der Faust, marschiUe richtig durch die Pfalz wohlbehalten nach Schwaden, nahm Quartier in den Wäldern, verbrannte ein Schloß des Herzogs von Württemberg und mehr als sechszig Häuser, bedrohte die Städte, Stuttgart, Cannstadt und Tübingen mit Feuer. Das dursten damals dreihundert wälsche Gauner offen und ungehindert auf dem deutschen Boden thun, weil sie militärisch organisirt waren. 1746 hausten zwischen Lech und Donau 170 Räuber und plünderten am Hellen lichten Tage mit den Waffen in der Hand die Dörfer, verübten die scheußlichsten Grausamkeiten und zwanzen dadurch die unglücklichen Bewohner zur Angabe der Orte, wo Geld und Kostbarkeiten versteckt waren. Natürlich blieben solche Beispiele nicht unbesolgt, und bald war kein Weg und Steg zwischen Main und Bodensee mehr sicher. Endlich raffte sich der Kurfürst von Baiern auf, und seinem energischen Einschreiten war es zu danken, daß, nachdem mehrere Räuber gespießt, geschunden, geköpft und gehängt waren, die großen Banden sich auflösten. Dafür
Diebesgeräthe gründeten. Von ihnen wurden zwischen 1770 bis 1800 im Herzogthum Württemberg immer noch mehr als zweihundert an den Galgen gehängt. Sie hatten gleich den berüchtigteren Vorfahren ihre Anführer, deren Namen noch dem Volke bekannt sind, wie der bayrische Hiesel, der Baierseppl, der Sonnenwirthle, der Constanzer Hans rc., und durften immerhin, auf die Furcht und Dummheit der Bauern pochend, die ohnehin jämmerlichen Behörden verlachen. Nach und nach entstanden unter den Gaunern mehrere Claffen, deren jede eine besondere Abtheilung des Gewerbes betrieb; es gab „Scheinspringer", die sich in die Häuser einschlichen, „Geschockgänger", die auf dem Markte thätig waren, „Stubenräumer", die des Nachts im Bauernhause schliefen und Morgens früh nach gehöriger Ausräumung verschwanden; auch „Schrendeftger" nennt sie die „jenische", d. h. Gaunersprache; ferner „Kochmoaren" oder „Schränker, welche gewaltthätige, selbst mörderische Einbrüche verübten, „Sackgreifer" ober „Bimuther", „Beutelschneider" oder „Kiffler"; „getauchte", d. h. mit befferem Tuche des guten Sheins wegen Bekleidete, die heimliche Einbrüche vofführten, und andere Grade der edlen Zunft der ,Kachumer", wie sich die Gauner mit einem Gesamntnamen bezeichneten. Auch zählten zu ihnen die „Marktschreier" ober „Quacksalber", welche Geheimmiiel gegen alle möglichen Leibschäben verkauften, Hcxn unb Gespenster beschworen, bas Vieh bespräche: und Schatzgräberei trieben. Sre hießen „Felin-rr" und traten mit großem Pomp auf, besaßen Pferde und Wagen, Diener und Vor- reiter, trugen kostbare Kleider und Degen. Dann gab es nach ganze, festgeschloffene Banden „Frei, schuppen" obr falsche Spieler, „Reißer" ober Falschmünzer, „Mrbegiser" ober Falschgeldwechsler.
All' dies Abtheilungen der freien Zunft hatten zahlreiche Nhänger in jedem Theile des Reichs, und viele Kochmer trieben fvgar mehrere Verrichtungen nebeneinaber, wodurch sie bei ihren Freunden in bebeutenbS Ansehen kamen. Manche waren sogar Alles zuleich: Spieler, Beutelschneider, Nachtdieb, Mardeger, unb schwängen sich durch ihre Hanpt- eiaenschft als Quacksalber auf Reifen zu Directoren einer sNzen ausgedehnten Gesellschaft auf. 1775 ließ b Behörbe in Schwaben eine Liste brücken von allen hr bekannten Kochumern, bereu es 2176 Köpfe gab. Meistens residirten dieselben bei Hehlern unb Die'bswirthen und auf Dörfern, die sich vor ihren , GenUthalen unb Geheimkünsten fürchteten. Selbst
Adege unb Beamte unterlagen dieser Furcht und \ schien die Gauner gegen die Behörden. Ein । freres Leben, als die Spitzbuben führten, ließ sich
n( nicht denken; bald waren sie in Baden, bald in Kiern, im Thurgau, im Elsaß ober in ber Pfalz, auptsächlich aber hatten sie ihre Stammquartiere i Schwarzwalds und auf ber schwäbigen Alp, wo
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förmliche Werkstätten zur Anfertigung von allerlei
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