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glänzenden Aufzug des Brautpaares, sowie der Hoch- zeitsgäste, welche die (Steine der Geld-Aristokratie repräsentirten, zu beobachten. Man war einstimmig in dem Urtheil, selten ein schöneres Paar gesehen zu haben, obwohl die Stimmen, welche über dar Glück der jungen Gräfin zu Gericht saßen, sehr ge- theilt waren.
„Eitel und anmaßend war sie immer", flüsterten ihre Freundinnen unter einander, „aber daß sie es bis zur wirklichen Gräfin noch bringen würde, hat sie schwerlich sich träumen lasten."
„O, ihr ganzes Dasein basirte stets auf kaufmännischer Berechnung", meinte eine derselben, „sie speculirte gut, als sie den Alten heirathete; es war eine schmähliche Handlung gegen den armen Felix, doppelt schmählich von ihr, die den alten Narren in ihr Netz gezogen und sich dam von ihm zur Uni» versal-Erbin ernennen ließ.'
„Der Alte starb ihr sehr geligen", wisperte eine boshafte Blondine, „Papa sagt, die Untersuchung über jenen Unglücksfall müsse recht fahrlässig geführt worden sein."
„Wie, Dein Papa meint? —'
„Still, behaltet Eure Meinung für Euch, jetzt ist sie Gräfin und uns Allen weit voraus auf der Rennbahn des Glückes."
„Bah, so viel für ihr Glück, — seht diesem Schweden nur in die Augen, — ich beneide sie wahrlich nicht."
Die junge Dame, welche diese Wote fast unhörbar flüsterte, war die Tochter des Boiquiers Gotthard, die ob ihres scharfen Urtheils sigemein ge- fürchtet war. Sie hatte das Schlußwot gesprochen, dem Niemand zu widersprechen, Niemad ein Wort hinzuzusügen wagte.
Der Polterabend war eben so glänzen verlaufen, wie die Trauung und das Hochzeitsmahl, keine Störung hatte stattgesunden, kein böse» Oma für die Zukunft der jungen Frau sich gezeigt, AlleSwar wie am Schnürchen gegangen.
Und doch athmete der Graf wie von etem Alp befreit, tief auf, als sie endlich in einen Coups erster Elaste sich allein befanden, da er fein ganze Beredtsamkeit vergebens aufgeboten, um eie stille Trauung durchzusetzen und den ganzen HochMärm von sich abzuschütteln. Hier aber war er z der Erkenntniß gekommen, daß seine Erwählte stnen hartnäckigen Willen äußere und denselben auch drch- setzen konnte, weil dieser Punkt ihre Hauptader die Eitelkeit verletzte und ihrem maßlosen Hochmuthien schwersten Schlag versetzte. Sie dachte ja au;n- blicklich nur an den Glanz, welchen sie als Brut eines Grafen vor dem Traualtar entwickeln woie und an den Neid der Freundinnen; — das Uebri» kümmerte sie noch wenig. Wie konnte er die Ford rung wagen, sich wie jedes gewöhnliche Bürge. Mädchen trauen zu lasten? Nimmermehr!
Und Graf Altors war klug genug, nachzugeben „Na, Gott sei Dank!" sagte er, als die Coups, hür sich geschlossen, „endlich frei von der ganzer
Hetzjagd. O, Kind, wie närrisch von Dir, eilt solches Martyrium freiwillig auf sich zu laden, was nützt Dir alles Geld, wenn Du es nicht besser anzuwenden verstehst."
„Aber, Adalbert!" versetzte Antonie schmollend, „beginnst Du unsere Ehe mit Vorwürfen?"
„Gewiß nicht, mein Schatz!" lachte, seinen Arm um sie legend, der Graf, „doch habe ich ganz andere Begriffe vom Reichthum, welcher dazu bestimmt ist, uns auf Erden frei zu machen von allen unbequemen Fesseln, anstatt uns zu Affen einer schaulustigen Menge zu erniedrigen. Doch lassen wir das, mein kleines Weibchen! es thut mir jetzt vor Allem recht leid, Dich in dieser unangenehmen Jahreszeit nach dem hohen Norden entführen zu müffen. Doch stehen zu große Interessen für mich auf dem Spiel, da ich gestern schon wieder ein Telegramm um schleunigste Heimkehr empfing."
„Wo Du bist, blüht mir der Frühling", lispelte Antonie mit koketter Empfindsamkeit.
Er lächelte und küßte sie zärtlich.
(Fortsetzung folgt.)
Räuber und Gtisterbunner vor hundert Jahren.
Von Dr. F. Müller.
Wenn ich hier und da in den Heilungen von Betrügereien lese, die unter dem Vorwande von Hexenkunst und Geistersehen verübt werden, so erinnere ich mich immer wieder mancher Erzählungen meines Großonkels aus einer Zeit, da derartige Vorfälle förmlich an der Tagesordnung waren und allgemeinen Glauben fanden, bis die französischen Sansculotten etwas kühleren Hauch in die dumpfe Luft des Aberglaubens brachten. Damals, in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhundert», gab es in manchen Theilen des sinkenden Deutschlands ganze Massen von Landstreichern, die den Bauern unberechenbaren Schaden zufügten. Die Rheingegend und Schwaben waren die Hauptschauplätze ihrer Thaten, denn diese Länder zerfielen in so und so viel Duodezstaaten, deren grobmächtige Potentaten den absoluten König von Frankreich copirten und sich nie mit den Nachbarn zum gemeinsamen Handeln einigen konnten. Wenn auch der Eine jene Schmeißfliegen für den Augenblick verfolgen ließ, so spazierten sie über die Grenze ins nächste deutsche Vaterland und lachten den erzürnten Autokraten da drüben aus. Jetzt ist das freilich anders geworden, denn die hohe Polizei strickt heut' zu Tage keine Strümpfe mehr in ihren Wachtl^alen, sondern weiß ein fein i angelegter Gaunerplänchen ebenso zart und vorsichtig zu vereiteln und hat immer ein kühles Plätzchen zum Nach denken für einen wunderthätigm Strolch. Wie es aber im 17. und 18. Jahrhundert ausgesehen haben muß, davon ist in den Reichsbeschlüssen gegen „Reimensprecher, Landfahrer, Viehberedter, Pfeiffer, Schalksnarren, Landzwinger" rc. zu lesen.


