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Ux. 132 Dienstag den 9. November. 188t).
Wis zur teHLen Klippe.
Original-Noman von E. Heinrichs.
(Fortsetzung).
4. Capitel.
Der alte Notar des Rodenburg'schen Hauser, welcher früher der Firma in allen Rechts angelegen- Heiken treu gedient und dem verstorbenen Chef derselben ein erprobter Freund gewesen, saß wenige Tage vor der Vermählung der jungen Wittwe bei dem Banquier Gotthard, welcher in seinem Privatzimmer in heftiger Erregung auf und abschritt.
„Ich sage Ihnen, lieber Willing, — die Geschichte kommt mir spanisch vor, ganz spanisch", rief der Banquier, während der alte Notar nachdenklich auf den Deckel seiner Schnupftabaksdose trommelte, „unser selige Freund Rodenburg hat, gelinde gesagt, unverantwortlich gehandelt, als er dieses leichtsinnige junge Frauenzimmer zur Universal-Erbin einsetzte, und ich begreife es zur Stunde noch nicht, wie Sie als sein R chtsbeistand und Notar ein solches Testament aufsetzen konnten."
Notar Willing wiegte langsam den grauen Kopf.
„Freund Rodenburg sen. war klug genug, ein folches Document selber versaffen zu können", versetzte er ruhig, „ich habe nichts weiter dabei zu thun gehabt, als dem Testament die gesetzliche Giltigkeit zu geben. Sie werden mir wohl zutrauen, daß ich es an vernünftigem Rath und an triftigen Einwürfen nicht habe fehlen lasien. Doch wenn die unseligste aller Leidenschaften das Alter packt, dann ist Hopfen und Malz daran verloren."
„Es ist haarsträubend, zumal wie die Geschichte sich jetzt gestaltet; dieses junge Frauenzimmer, dem ein Vormund von Nöthen wäre, tritt auf, als ob es den Verstand verloren. Wer ist dieser vornehme Graf, dem sie schon jetzt das ganze Rodenburg'sche Vermögen nicht bloß testamentarisch vermachen, sondern auf Heller und Pfennig ausliefern will? — Sie war heute Morgen bei mir, weil ich den Anforderungen ihres Verlobten nicht dienstfertig nachkommen wollte und brürkirte mich derartig, daß ich nahe daran war, ihr die Thür zu zeigen."
Der Notar nahm bedächtig eine Prise und strich sich dann durch das spärliche graue Haar.
„Wir müffen die Segel streichen, Freund!" sagte er achselzuckend, „die junge Frau ist im souveränen Recht. — Ich habe ihr einen Besuch auf der Uhlenhorst gemacht und meine Bedenken hinsichtlich des
von ihr beabsichtigten Testaments ihr nicht verhehlt, i Sie verwies mich stolz auf die Großmuth des Grafen, welcher ihr feine schwedischen Güter vermacht, — schade, daß der Herr kein Spanier ist, dann hätte man doch hinsichtlich der Realität dieser Schlöffer einen Anhalt. Im Uebrigen, Freund Gotthardt!" setzte er mit einem kurzen Lachen hinzu, „darf uns das künftige Schicksal dieser Frau im Grunde nicht sehr bekümmern. Möglich, daß der schwedische Graf das Amt der Nemesis übernimmt, ich kann sie nicht bedauern; habe deshalb ohne Murren das gewünschte Testament angefertigt, was im Grunde sehr überflüssig erscheint, wenn die kluge Gräfin in spe ihr ganzes Vermögen dem Gemahl überliefert."
„Hm, so ganz überflüssig wohl nicht", bemerkte der Banquier, zornig mir dem Fuße aufstampfend, „dieser Graf Altorf — der Name klingt nicht einmal schwedisch — scheint mir ein geriebener Bursche zu sein, — hat's überhaupt sehr eilig mU der Hochzeit und drängt gewaltig auf die Flüssigmachung der Capitalien. Sehen Sie, lieber Notar, wir haben bei dem Verkauf der Firma doch im Stillen die Rechte des verschollenen Sohnes gewahrt. —"
„War unsere verdammte Schuldigkeit. —"
„Ganz richtig — das meiste Geld steckt noch, wie Sie wissen, im Geschäfte, — was allerdings nicht viel zu sagen hätte, da die Käufer sofort liquidiren könnten. Wie steht's aber dem Testament gegenüber mit der überseeischen Firma, welche wir Beide — Sie und ich — aus eigener Machtvollkommenheit von dem Verkaufe ausgeschlosien und für Felix Rodenburg reservirt haben. Wenn dieser Graf davon erfährt —"
„Nun, was wäre so Schlimmes dabei, bester Freund?" fiel der Notar, als jener schwieg, ruhig I ein. „Wir haben bis dato das Interesse der Erbin treu gewahrt und können, denk' ich, zu jeder Stunde Rechenschaft ablegen. Wenn Felix dereinst heimkehren sollte, trage ich kein Bedenken, ihm die Firma anzubieten, weil das Testament seines Vaters nur - das Hamburger Geschäft betont. Ich habe, wie ! Sie sich erinnern werden, diese Lücke gesetzlich be- ! nutzt, um ein Unrecht gut zu machen. Seien Sie deshalb ganz ruhig, lieber, alter Freund! Frau ! Antonie hat das Recht, ihr Vermögen, jedem be- \ liebigen Grafen oder Abenteurer zu vermachen, — - nach jener Firma in Bahia aber dürfen die schwedischen = Herrschaften ihre Hände nicht ausstrecken, darauf ' gebe ich Ihnen Brief und Siegel. Das Testament, welches die eitle Närrin errichtet hat, kann ihr aller-


