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M. 119 Samstag den 9. October. 1886.
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Saat und Krnte.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Wahrscheinlich ist das allerdings nicht, aber bei Gott ist kein Ding unmöglich! Und mir bangt vor dem Sturme, der entfesselt wird, sobald die Abreise unseres Chefs in die Oeffentlichkeit dringt. In Hellen Haufen werden die Betrogenen unsere Kasse belagern, wer zählt die Völker, kennt die Namen —"
„Und vor diesem Sturme kann das Gericht Sie schützen", unterbrach der Referendar ihn. „Schon des Landraths wegen hätte ich sofort Anzeige ge- ruacht. Sein Jähzorn wird alle Schranken übersteigen ; er befindet sich ohnedies in gereizter Stimmung, und Sie trifft allerdings seine erste Wuth."
Maiwind blickte eine Weile stnnend vor sich hin, dann sprang er hastig auf, um seinen Hut zu nehmen.
„Sprich mir von allen Schrecken des Gewissens, von diesem Landrath sprich mir nicht!" rief er. „Ich gehe ohne Verzug zu unserem Rechtsanwalt; er soll mir rathen und helfen."
Ehe Rommel eine Erwiderung darauf geben | konnte, hatte der Buchhalter das Zimmer verlassen. ;
Der Referendar folgte dem Buchhalter und trat gleich darauf in's Speisezimmer.
Hertha war in der Küche beschäftigt, Tante j Lina und Ludmilla ordneten die Tafel für das ' Abendessen.
Ludmilla kam ihrem Verlobten entgegen. Das freudige Lächeln schwand von ihren Lippen, als sie den düsteren Ernst in seinen Zügen bemerkte.
„Ist Dir Unangenehmes begegnet?" fragte sie in einem so besorgten Tone, daß auch Tante Lina sich bewogen fand, ihn betroffen anzublicken.
„Mir persönlich nicht", erwiderte er, während er sie zum Divan führte, „aber es sind mir Mittheilungen gemacht worden, die mich wohl unangenehm berühren können. Der Banquier Morgenroth soll auf Nimmerwiederkehr abgereist sein. Die Befürchtung liegt nahe, daß Ackermann dadurch an den Bettelstab kommt."
„Und Karl?" fragte Tante Lina erregt.
„Unser Mailüftchen? In der Ausführung seines Vorhabens wird er dadurch nicht gehindert; er wird freilich einige Wochen lang scharf arbeiten müssen —"
„Er hätte schon früher diese Stelle quittiren sollen; jetzt fällt die Schande des Betrügers auch auf ihn mit zurück."
„Vorwürfe ändern nun Nichts, liebe Tante" sagte Ludmilla begütigend, „hätte er dieses Ende voraussehen können, so würde er gewiß schon früher Deinen Rath befolgt haben. Die arme Vera!"
„Ja so, an sie hätte ich zuerst denken sollen", nickte Tante Lina. „Wird denn ihr Gatte Alles verlieren?"
„Alles!" erwiderte der Referendar. „Er hatte dem Banquier sein ganzes Vermögen anvertraut, und für die Gläubiger soll wenig oder gar Nichts mehr vorhanden sein. Indessen glaube ich, daß Madame Ackermann sich in diesen Verlust finden könnte; sie stellt ja keine Anforderungen an das Leben und würde auch in beschränkten Verhältnissen glücklich sein, wenn nur der innere Friede ihr nicht fehlte."
„Sie muß vergessen!" erwiderte die alte Dame.
„Das ist leicht gesagt, vergessen kann Niemand und liegen die Dinge so, wie ich vermuthe, dann wird Madame Ackermann fortan die Hölle auf Erden haben."
„Und wie sollen nach Deiner Vermuthung die Dinge liegen?" fragte Ludmilla.
„Ich darf es noch nicht sagen, aber ich hege die zuversichtliche Hoffnung, daß wir es in den nächsten Tagen erfahren werden. Madame Ackermann war vorhin hier bei dem Hauptmann von Görlitz. Sie sagte mir im Vorbeigehen, sie wisse nun Alles, aber als ich in sie drang, mir das Geheimniß zu enthüllen, verwies sie mich an Herrn von Görlitz. Und daß es ein schreckliches Geheimniß ist, das las ich deutlich in ihren Zügen. Jetzt ist der Oberförster von Wiesenthal bei dem Hauptmann; sie be- rathen mit einander, ob sie ihr Schweigen brechen dürfen —"
„Aber was kann der Oberförster davon wissen? i fragte Tante Lina.
„Wäre es nicht möglich, daß Hermann von Sal- i berg kurz vor seinem Ende mit ihm geredet hat? Thatsache ist es, daß der alte Herr in jenes Geheimniß eingeweiht ist, Oberst Johnson sagte es mir, und er hatte keine Veranlassung, mir gegenüber eine Unwahrheit zu behaupten."
„Ich verstehe noch immer nicht", sagte Tante ■ Lina kopfschüttelnd, und ein dunkler Schatten glitt i dabei über ihr Gestcht. „Offen gestanden, es wäre \ mir lieber gewesen, wenn man sich mit jener dunklen \ Geschichte niemals beschäftigt hätte. Jetzt befinden \ wir uns seit Monaten schon in steter Aufregung, = und es ist nicht abzusehen, wann wir aus der Unruhe * heraus kommen werden."


