Kichener Jamilienblälter.
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Rr. 29. Dienstag den 9. März.; 1886.
Die Jakschmünzer.
Criminat-Roman von Gustav Lössel.
(Fortsetzung).
Soltmann hatte die beiden späten Gäste gesehen, aber sie, die nur vor sich blickten, nicht auf ihn, und so setzten sie sich auf der anderen Seite der Zeltwand unmittelbar neben ihm nieder.
„So werde ich wenigstens etwas Unterhaltung haben", dachte er, „wenn sie mir im Uebrigen auch sehr gleichgültig sein wird."
Und er hatte Recht. Es war die alte Geschichte von zwei heimlich liebenden Herzen, deren Zärtlichkeiten den Blick der Eltern zu scheuen haben. Zwar war es, und das beruhigte Soltmann, ein recht unschuldiges Verhältniß, und der junge Mann nicht der Versucher, der er nach Ort und Stunde wohl hätte sein können.
„Ida", so nannte der junge Mann seine Herzliebste, kam von einer Gesellschaft bei „Tante Hermine" (auch eine unbekannte Größe), und da Papa abberufen worden war, hatte sich dem ritterlichen Wilhelm eine Gelegenheit zu dieser Eskorte geboten. In einem Romane aus alter Zeit würde der Autor dieses verliebte Pärchen in einem Kloster oder in einer Schloßruine haben einkehren lassen, um einem dort versteckten Eremiten ihr süßes Ge- heimniß zu verrathen; und manche schöge Leserin wird sagen, das wäre auch viel schöner gewesen. Aber die Zeiten ändern sich und so kommt es, daß wir unsere unglücklich Liebenden in einem Wiener Cafee finden, Rücken an Rücken mit einem — Criminalbeamten.
Ida trank ein Glas Glühwein und Wilhelm ein Glas Grogk, was sie unter diesen Umständen beffer hätten unterlassen sollen, denn diese feurigen Getränke machen ungeheuer mittheilsam, zumal, wenn es schon im Herzen brennt und die öde Straße draußen im Schnee liegt.
„Ach, weißt Du Wilhelm", sagte jetzt Ida- in ihrer herzlich naiven Weise, „ich dachte heute so darüber nach, ob es Dir denn nicht möglich sein würde, Dich einmal von der elenden Berichterstattung frei zu machen und einen großen spannenden Roman zu schreiben, mit dem Du Aufsehen erregen würdest. Bedenke doch, Wilhelm, der Erfolg, die Ehre und die Freude für mich und Deine alte Mutier. Mit einem Schlage wärest Du Deinen bescheidenen Verhältnissen entrisien, ein berühmter Mann und könntest
von Deinen „vier Treppen" in die erste Etage hinab ziehen. Dein Talent brauchte nicht länger zu verkümmern, und ich meinem Papa nicht länger zu verheimlichen, wem ich mein Herz geschenkt habe und wem ich angehören will für Zeit und Ewigkeit."
Aller menschlichen Berechnung nach — denn sehen konnte es selbst Soltmanns Falkenauge nicht — hatte sich nach diesem Erguß das weinglühende Müdchenköpfchen an die Brust des Zukunftsdichters gelehnt; es entstand eine kleine Pause, nur durchbrochen von jenem süßen Geräusch, welches das Begegnen zweier liebenden Lippen hervorbringt.
„Ach, liebe Ida" entgegnete Wilhelm hiernach sanft belehrend, „wie wenig Einblick hast Du noch in das Leben und Treiben der großen Welt und die eigenthümlichen Verhältnisse, welche mein geistiges Schaffen beengen und meine Phantasie zu keiner freien Entfaltung kommen lassen. Mein seliger Vater hatte leider mehr auf einen großen Haut halt und eine gute Tafel gesehen, als auf einen eisernen Geldfonds. Sein Nachlaß reichte knapp zum Decken aller Schulden, und diese unbezahlt zu laffen, dazu war Mama zu edelmüthig. Nachdem Alles beglichen war, blieb nur noch eine kleine Summe für die erste Einrichtung eines Haushalts, welchen mein Vater als für seinen Diener paffend angesehen haben würde; was nun? Ich konnte meine Studien als Mediziner nicht weiter fortsetzen und mußte auf einen Erwerb sinnen. Nun hatte ich mich schon immer mehr mit den schönen als mit den exacten Wissenschaften beschäftigt — allerdings ohne Vorwiffen meines Vaters, — und so verfiel ich naturgemäß auf den Gedanken, meine fernere Existenz als Literat zu | suchen. Meine kleinen Sachen gefielen; man sprach | es ganz offen aus, daß ich Talent habe und zu schönen Hoffnungen berechtige. Das ging so eine kurze Zeit ganz gut; man nahm von mir, weil ich einen neuen Namen brachte. Als sich das Interesse von demselben aber abzunutzen begann und ich mein erstes Pulver verschossen hatte, trat eine gewisse Gleichgültigkeit gegen mich ein. Ich suchte diesen an befreundeter Stelle zu brechen, indem ich meine wahren Verhältnissen aufdeckte und sagte, daß ich nicht zu meinem Vergnügen, sondern um Brot schreibe. Man rieth mir nun zunächst zu einer ! größeren Arbeit, die mehr einbringt. Aber dazu ; gehörte Zeit, und um diese zu verschaffen, fehlten ; mir die Mittel. Nun fagte man, ich solle, was i tausend Andere und Bessere vor mir auch gethan, i Lokalbericht schreiben. Das erführe Niemand, es ' werfe gute Einnahmen ab und fände noch Zeit zu


