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„Ist es Ihnen unangenehm, wenn ich als Ihr Geschäftsträger Ihr Interesse wahre?"
„Das freilich nicht, aber —"
„Lassen Sie mich nur machen, ich zahle Ihnen den Preis, oder vielmehr ich schreibe Ihnen denselben in meinen Büchern gut, und es müßte mit sonderbaren Dingen zugehen, wenn dieses Kapital sich nicht binnen Jahresfrist in meinen Händen verdoppelt hätte. Ich habe gestern an der Börse wieder ein schönes Geschäft für Sie abgeschlossen, fünftausend Thaler verdienen Sie so sicher daran wie einen Groschen, Sie werden binnen Kurzem Millionär sein!"
„Ich möchte mein Amt als Landrath niederlegen, wenn ich meinen Grundbesitz veräußere."
„Bah, was haben Sie davon! Viel Arbeit und wenig Dank! Den Bauern machen Sie es nicht recht und der Regierung auch nicht; ich hätte längst dafür gedankt."
Ackermann war in Sinnen versunken, der Banquier hatte Recht, Freude brachte ihm sein Amt nicht ein, wohl deshalb nicht, weil er selbst es nicht mit Lust und Liebe verwaltete.
Und das ungebundene, an Abwechselung und aufregenden Genüssen reiche Leben in einer großen Stadt, gefiel ihm auch besser, als die einförmige, langweilige Alltäglichkeit auf dem Gute; dieser Tausch entsprach zu sehr seinen Wünschen, als daß er nicht schwer in die Wagschale hätte fallen müssen.
Aber noch ein anderer, nicht minder schwer wiegender Faktor trat hinzu, um ihn den Vorschlägen Morgenroth's geneigt zu machen.
Die Einkünfte aus seinem Gut waren nicht so bedeutend, daß sie ihm gestatteten, dieses verschwenderische Leben fortzusetzen; er hätte in der nächsten Zeit sich auf Einschränkungen gefaßt machen müssen, und dazu konnte er sich nicht entschließen; schon der Gedanke an diese Rothwendigkeit beleidigte seinen Stolz.
Run aber wurden durch den glänzenden Verkauf seines Gutes und die nicht minder glänzenden Versprechungen des Banquiers ihm die Mittel in ausreichendem Maße geboten.
„Sie haben freilich Recht", sagte er nach einer geraumen Weile, „dieses Amt bringt nur Aerger ein, und ich würde es ohne Bedauern quittiren. Aber Sie setzen mir das Messer an die Kehle, ein solcher Schritt will ernst überlegt sein, und zur Ueberlegung gehört Zeit."
„Ein rascher Entschluß ist in manchen Fällen Gold werth", erwiderte der Banqier achselzuckend, „und hier thut ein rascher Entschluß Roth. Rach einigen Tagen könnte das Projekt völlig werthlos sein, und Sie dürften alsdann schwer einen Käufer für das Gut finden. Ich habe die Vollmacht mit« gebracht, es bedarf nur noch Ihrer Unterschrift, alles Uebrige können Sie mir ruhig überlassen."
Der Landrath prüfte sorgfältig das Schriftstück, das Morgenroth ihm überreicht hatte; er schien noch immer keinen Entschluß fassen zu können."
Der Blick de« Banquiers ruhte lauernd auf ihm-
„Was sagen Sie zu der plötzlichen Verlobung der Signora Barlotti?" fragte er sarkastisch. „Herr von Görlitz —"
„Ich mag davon Nichts hören!" fuhr Ackermann auf, indem er hastig an den Schreibtisch trat und das Dokument unterzeichnete.
Ein sardonisches, triumphirendes Lächeln umzuckte die Lippen Morgenroths; er hatte seinen Zweck erreicht.
„Ich kann mir wohl denken, wie unangenehm Ihnen dieses überraschende Ereigniß ist", sagte er; „ob aber Herr von Görlitz die Braut heimführen wird, ist noch sehr die Frage. Die Damen vom Theater sind launisch und verwöhnt, und Herr von Görlitz soll ein sehr ernster, ziemlich ungenießbarer Mann sein."
„Mag fein", erwiderte der Landrath, die jäh wieder auflodernde Erregung gewaltsam bezwingend, „ich gönne ihm die Braut — meinen Namen würde ich einer Theaterprinzessin nie gegeben haben."
„Kennen Sie den Herrn näher? Man sagt, er sei sehr vermögend."
„Man sagt viel; sein Gut soll in Schlesien liegen, ich kenne es nicht — und heut zu Tage gilt Mancher für reich, der es in Wirklichkeit nicht ist. — Bezüglich unseres Geschäfts behalte ich mir das letzte Wort vor; das Inventar ist natürlich in dem Preise mit einbegriffen, aber unter dem Mobiliar befindet sich Manches, was ich für mich zu behalten wünsche."
„Sehr wohl; es sind freilich nur Kleinigkeiten, aber ich werde beim Verkauf den nöthigen Vorbehalt machen."
„Somit wäre diese Angelegenheit erledigt?"
„Jawohl — und ich will nun auch nicht länger stören."
„Noch Eins! Ihr Buchhalter scheint allen Menschen seine guten Dienste aufzudrängen. Ich möchte Ihnen rathen, ihn auf die möglichen Folgen aufmerksam zu machen. Er verrichtet jetzt auch bei dem Hauptmann von Görlitz Botendienste — wie er zu dieser Bekanntschaft kommt, ist mir nicht recht begreiflich."
„Die beiden Herren wohnen zusammen bei der Frau Schirmer", erwiderte Morgenroth, der das Dokument in sein Portefeuille gelegt und sich erhoben hatte, „daher mag die Freundschaft rühren."
„Gleichviel — derartige Botendienste passen sich nicht für einen Buchhalter Ihres Hauses; Sie können ihm das immerhin zu verstehen geben."
Morgenroth versprach, dm Wink zu befolgen. Kaum hatte er sich entfernt, als auch der Landrath das Haus verließ.
Der schneidende Hohn, der in der spöttischen Bemerkung Morgenroth's über die Verlobung der Sängerin lag, hatte seine Wuth nur noch mehr gereizt und diese Wuth machte ihn unfähig, einen klaren und ruhigen Gedanken zu fassen.
Nur den Leidenschaften folgend, die sein Inneres


