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jeder von un» drei mit sich führte und deren Ton ein eigenthümlich schriller, w.ithin dringender ist, sowie im Nothfall ein Büchsenschuß sicherten nach meiner Meinung vollständig das gegenseitige Wieder- finden.
So geräuschlos wie möglich glitt ich am Saume des Waldes entlang. Trotzdem bekam aber das alte Muselhier meine Witterung bald weg und zog sich mit den beiden Jungen zurück. Anfangs langsam, so daß ich mich trotz der weiten Entfernung bewogen fühlte, einen Schuß abzugeben, um das Wild nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Kaum knallte jedoch das Gewehr, so sprang das kräftige Thier hoch empor und sauste unaufhaltsam durch das prasselnde Gebüsch davon. Die beiden Jungen liefen erschreckt, und durch das dichte Gestrüpp aufgehalten, nach einer anderen Richtung. Ich folgte der Alten, so schnell ich nur konnte und drang in den Wald ein. In jähem Sprunge stürzte sich aber das verfolgte Thier nach wenigen Minuten wieder aus dem Walde heraus und eilte, eine Blöße kreuzend, in das auf der andern Seite befindliche Dickicht hinein.
Ich folgte, Alles um mich her vergesiend, der Richtung eines knisternden Geräusches, welches zu meiner Linken ertönte, durchbrach wüthend das Dickicht und sah, aus demselben heraustretend, das Elenthier gerade in einem andern Dickicht verschwinden. Blind vor Jagdeifer, wollte ich nacheilen, vergaß aber ganz den Boden unter meinen Füßen, glitt aus und rutschte mit großer Schnelligkeit über eine hier schroff abfallende Schneefläche dahin.
Erst jetzt bemerkte ich zu meinem Schrecken, daß das Geräusch zu meiner Linken, dem ich nachgegangen war, nicht von dem verfolgten Musethier herrührte, sondern von einem kolosialen schwarzen Bären, — jedenfalls dem Burschen, den wir heute suchten — und welcher plötzlich meinen Augen entschwand, als hätte ihn der Boden verschlungen. Und so war es eigentlich auch, denn aus dem Schlunde einer tiefen Eisschlucht, welche hier die Abdachung der Schneefläche unterbrach, glühten mir zwei Augen entgegen: Die des Bären, der in die Eisgrube gestürzt war. Dieser Anblick gab mir meine volle Geistesgegenwart wieder und mit einer wülhenden Kraft, die man oft in solchen verzweifelten Momenten besitzt, krallte ich mich mit meinen Nägeln an der harten Schneekruste an und dies war in der That die höchste Zeit; eine Secunde später wäre ich in die Schlucht gestürzt, wo mich der Bär natürlich sofort zerrissen hätte. Jndesien vermochte ich mich nur mit größter Anstrengung am Rande der Eisschlucht zu halten; jeden Augenblick erschreckte mich das Wuthaebrüll des in der Schlucht gefangenen Bären, dessen kleine Augen fortwährend zornig zu mir herauf funkelten und vielleicht würde ich meinen Halt losgelaflen haben, wenn ich nicht gerade immer in diese wahrhaft dämonisch funkelnden Augen hätte
schauen müssen, deren Anblick mich zu den furchtbarsten Anstrengungen veranlaßte, um mich am Rande der Schlucht zu erhalten.
So hing oder schwebte ich vielmehr über der Schlucht — denn meine Beine hingen gerade hinein — und da ich mich mit beiden, schon krampfhaft zitternden Händen an der Schneekruste festklammerte, so war es mir unmöglich, nach meinem Gewehr zu greifen, um meine Begleiter durch einen Nothschuß herbeizurufen. Auch die Versuche, die an einer Schnur über meinem Jagdpelz hängende Signalpfeife mit den Lippen zu ergreifen, mußte ich wieder aufgeben, denn die Bewegungen, die ich zu diesem Zwecke gezwungen war, mit dem Oberkörper zu machen, drohten die Schneekruste, an der sich meine Hände festklammerien und von welcher schon einige Theile losbröckelten, bedenklich zu erschüttern. Furchtbare Minuten brachte ich in dieser Situation zu und was noch meine Seelenqual vermehrte, war die entsetzliche Stille und Oede rings um mich her, die nur durch das dumpfe Schnauben der Bestie unter meinen Füßen unterbrochen wurde. Ich sah meinen gewissen Tod vor Augen, schon fühlte ich, wie mich die Kräfte verließen, wie ein Schleier begann es sich um meine Sinne zu legen und vielleicht wäre ich im nächsten Moment in die Schlucht gestürzt, wenn nicht in der Nähe ein Schuß gefallen wäre und dieser Ton gab mir noch einmal meine ganze Spannkraft zurück. Ich wollte laut rufen, aber — ein neuer Schrecken' — infolge der großen Kälte und unerhörten körperlichen Anstrengungen versagte mir die Stimme saft gänzlich und nur einen Heisern Laut vermochte meine Kehle hervorzustoßen und diesen konnten die Reiter unmöglich hören. Aber die Vorsehung wollte, daß ich gerettet werden sollte. Mac Curris und der Indianer erschienen am Rande der Schnecfläche und mich erblickend, eilten sie, sicher in ihren Schneeschuhen dahingleitend, auf mich zu und ich hatte gerade noch so viel Kraft und Besinnung, die nach mir ausgestreckte Hand des Tschippewap zu ergreifen, die sich energisch um die meine schloß, als mich die Sinne verließen.
Nach Wochen erst kam ich wieder zu mir; ich sah mich mit einer Sorgfalt, die ich den rauhen, einfachen Gefährten meiner Einsamkeit nicht zugetraut hätte, auf ein weiche« Lager von Fellen und Decken in einer Ecke unseres Blockhauses gebettet und von Mac Curris, der gerade an meinem Lager wachte, erfuhr ich, daß mich unmittelbar nach meiner Rettung ein hitziges Fieber überfallen und ich mehr als einmal am Rande des Todes geschwebt habe. Indessen siegte meine kräftige Constitution in Verbindung mit ein paar einfachen indianischen Heilmitteln schließlich und bald konnte ich den Fuß auf das an meinem Lager hingestreckte und ungeheuere und prächtige Fell des Bären setzen, den der Tschippewap in der Eisschlucht mit einigen Schüssen getöotet und dann mit Hilfe der Irländer und unter großen Mühen heraufgezogen hatte.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


