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ich, waren dem Anscheine nach zwei Männer mit schwarzen Marken die Thäter gewesen. Wer nach eingetretener Dämmerung noch die Stadt verließ, durfte, falls er nicht ein ganz armer Teufel war, fast mit Sicherheit darauf rechnen, daß ihm Uhr und Börse rc genommen wurden.

Sonst thaten die Unbekannten zwar Niemand-n etwa» zu Leide, falls man sich nicht wiedersetzten; sonst aber war eine bedeutende Tracht Prügel die sichere Folge. Die Polizei des Städtchens hatte alles Erdenkliche versucht und auch die der Nachbar­schaft hatte dabct mitgewirkt, aber aller war vergeb­lich gewesen. An dem Abende, an welchem eine solche Razzia unternommen wurde, zeigten sich die Herren Räuber nicht und die» vermehrte noch das Räthselhafte des Zusammenhanges.

Ich verabredete also mit dem Bürgermeister, daß ich unter anderem Namen al» besten Verwandter und Kaufmann bei demselben logire und dem ent­sprechend auch öffentlich behandelt werden solle, und damit ruhte nun die ganze Sicherheit der Einwohner auf meinen Schultern. Bald fühlte ich mich in der Familie meines Gastgebers heimisch, dieselbe bestand \ aus Herrn Sniders, deffen Frau und Tochter sowie ? seinem noch jungen Secretär Herrn Burton. Zwischen dem Secretär und der jungen Dame schien eme Art wärmerer Beziehung zu existiren, von welcher der Bürgermeister Kenntniß haben mochte. In der Familie war fast nur von den Räubern die Rede und alle glühten vor Eifer, daß die Uebel- thäter endlich entdeckt würden. Man hatte bereits allerlei Pläne im Vorrath, wie dies zu unternehmen sei und der junge Secretär schien die größte Lust zu haben, die Sache auf eigene Faust zu unternehmen, um sich die ausgesetzte Prämie zu verdienen. An­fangs hatte ich Reizung, ihn in's Vertrauen zu ziehen, beschloß aber doch endlich strenge Discretion zu wahren, um vor aller Plauderhaftigkeit sicher zu sein. Im Uebrigen gefiel mir der junge Mann recht gut und er war auch, ob seiner launigen Unter­haltung offenbar der Liebling des ganzen Hauses. Im Laufe der Abendunterhaltung sprach ich über ihn auch mit meinem Gastgeber und dieser erzählte mir beiläufig, wie sich der junge Mr. Burton hier in kurzer Zeit die Herzen der ganzen Einwohner­schaft erobert habe; er sei zwar erst kaum zwei Monate bei ihm, aber er sei im Amte ob seiner Pünktlichkeit unbezahlbar und im Uebrigen eine harmlose, fröhliche Natur.Ihr Vertrauen scheint er allerdings in hohem Grade zu besitzen", bemerkte ich lächelnd,er scheint die Männer ebenso gut wie die Frauen behandeln zu können."Nun ja", ver­setzte Mr. Sniders lächelnd,Sie haben Recht, wenn meine Mary will, so soll sie ihn haben; er selbst ist zwar arm wie eine Kirchenmaus, aber mit feiner Intelligenz und Mary's Vermögen wird er schon Carriöre machen."

Dabei blieb die Sache für den Abend! Ich hatte auch wenig Zeit mich weiter damit zu be­

schäftigen und nur am folgenden Morgen kam noch einmal auf Mr. Burton die Rede, indem mir der Bürgermeister mittheilte, er habe vorhin mit dem jungen Secretär gesprochen und dieser habe ihm in der That gestanden, daß nur seine Mittellosigkeit ihn bisher abgehalten habe, dem Vater offen die Neigung zur Tochter zu gestehen. Seine einzige Hoffnung seien reiche entfernte Verwandte, welche hochbejahrt seien und die er bald zu beerben hoffe. Während dieser Mittheilung that ich einen Blick in's Neben­zimmer, wo Mr. Burton im Kreise der Familie am Frühstücksrische saß und gerade die Taffe in der Hand hatte. Es war nur ein flüchtiger Moment, aber es war mir so vorgekommen, als wenn der junge Mann die Taffe in ungewöhnlicher Weise ge­halten härte. Ich dachte nicht weiter darüber nach, erinnerte mich später aber um so deutlicher daran.

Es war Zeit, an den Zweck meines Besuches zu denken und zunächst war es meine Aufgabe, zu er­forschen, ob nicht irgendwie meine Gegner sich nach bekannter Spitzbubenmanier bereits selbst eine Blöße gegeben. Bald hatte ich Gelegenheit, mehrere der Beraubten selbst kennen zu lernen und indem sie mir den Hergang erzählten, erfuhr ich alsbald, daß sie sämmtlich von dem Unbekannten bei ihrem Namen angeredet worden waren.

Die Art und Weise der Uebersälle war eigent­lich ziemlich harmlos und nach einigem Nachsinnen kam mir der Einfall, unter Mitnehmen guter Waffen am folgenden Abend selbst dengefährlichen" Spazier­gang zu wagen und mich berauben zu laffen. Es war mir keinen Augenblick mehr zweifelhaft, daß die Schreckensmänner des Orte» in der Stadt selbst ihren Wohnsitz haben müßten und deshalb theilte ich meine Absicht, mit meinen Maaren die Nachbar­schaft zu besuchen, gefliffentlich recht vielen meiner neuen Bekannten mit, die mich natürlich sämmtlich recht eindringlich warnten; besonders that dies auch mein freundlicher Wirth, welcher lebhaft fürchtete, daß ich mich schweren Mißhandlungen aussetzen würde. Auch von Mr. Burton verabschiedete ich mich und auch dieser glaubte mich noch warnen zu müssen, da ja erst in den letzten Tagen wieder mehrere jener Fälle sich ereignet hätten. Ich dankte ihm indessen ablehnend und begab mich nach der Bank, wo ich mir verschiedene Papiernoten kaufte, weiche ich hierauf in einem Kaffeehause mit besonderen Zeichen versah, an denen ich sie eventuell wieder er­kennen konnte.

Mit Einbruch der ersten Dunkelheit trabte ich auf munterem Rosse zur Stadt hinaus, gefolgt von den angstvollen Blicken meiner neuen Bekannten. Absichtlich ließ ich das Pferd im Schritt gehen und zu meiner eigenen Verwunderung empfand ich nicht einmal eine besondere Aufregung, vielmehr war ich nur bemüht, in der tiefen Dämmerung noch die un­gefährliche Lage jenes Steinbruches zu entdecken, bei dem sich sonst die H-ldenthaten meiner unbekannten Gegner ereignet haben sollten. (Forts, folgt).

Mmctionr A. dcheyda. Druck und ötrlig der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.