Hießener Zsamilienblätter

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Mx. 144. Dienstag den 7. December. 16?

Bis zur letzten Klippe.

Original-Roman von E. Heinrichs.

(Fortsetzung).

Aber die Jahre entschwanden, Natalie verließ z die Zwanzig und begann in'» dritte Tecennium zu treten, ohne die Hoffnung der Vaters zu verwirk­lichen. Die Freier verließen denexcentrischen Goldfisch" und nur hie und da wagte er noch ein älterer Hnrathscandidat, welcher Geld gebrauchen r konnte, bei dem Banquier anzuklopsen, um mit einem Korbe abzuziehen. Sie schien in der That, wie der Vater dem Notar Willing es klagte, von ihrer ver­rückten Caprice Ernst machen zu wollen.

Der Polar, welcher die frühere Gesellschafterin der unglücklichen Antonie als Haushälterin wirklich engagirt hatte und sich sehr wohl dabei befand, hielt Natalie Gotthard für ein zu gescheidtes Frauen­zimmer und keiner verrückten Caprice fähig, ihre Ansichten im Gegentheil für sehr zutreffend und ver­nünftig. da eine Vernunft- oder GeldHeirath doch bei Lichte besehen, wie er meinte, nur ein schmäh­licher Menschenhandel sei, wozu sich kein ehrliche» Wesen hergeben müffe.

Damit war dieses Capitel auch für den Banquier geschloffen, welcher seufzend auf den einzigen Herzens- wünsch, sein schöner, solide» Geschäft einem klugen Schwiegersohn hinterlassen zu können, verzichten mußte.

Ja, die Jahre flohen rasch dahin, der alte brave Notar Willing erkältete sich eine» Tages bei einer Wasserparthie und starb nach kurzer Krankheit, wor­über der Banquier und der Staatsanwalt Helmuth, welcher immer noch der Schrecken aller Hamburger Verbrecher war, tiefe Trauer empfanden.

Der Staatsanwalt hatte es niemals recht ver­winden können, daß damals der famose Mörder, welcher Vera's Mutter vergiftete, auf so räthselhafte Weise entkommen war, und zürnte noch heute dem dummen Altonaer Hutmacher, der mittlerweile als Meister und Bürger in seiner Vaterstadt sich etablirte und ein ehrbarer Familienvater geworden war.

Der selige Notar hatte seine Haushälterin, Madame Borner, sehr reich im Testament bedacht, um die Arme vor Nahrung »sorgen zu bewahren. Obwohl sie nun sich ganz unabhängig hätte machen können, so nahm sie doch Fräulein Gotthard'» Vor­schlag, zu ihr zu kommen, um eine Art Gesellschafterin bei ihr zu werden, dankbar an, zumal der Banquier die Marzipan-Villa auf der Uhlenhorst als Sommer­

sitz für seine Tochter erstanden und die gute Borner somit die alten von ihr so sehr geliebten Räume wieder bewohnen durfte.

Jetzt war'» im Hochsommer, die Vorhänge der weißen Villa überall Herabgelaffen, weil die Herr­schaft im Bade sich befand. Frau Möller, die sich ganz behaglich in ihrem schmucken Häuschen vor dem Dammthor fühlte, konnte es freilich nicht begreifen, wie ein Mensch, der eineF-lle", wie sie beharrlich sagte, auf der Uhlenhorst, und Geld in Hülle und Fülle besaß, wegreisen und zwischen Fischersleuten wohnen konnte.

Und das grab' in der schönsten Zeit, meine beste Henningen I" sagte sie zu ihrer alten Freundin, der Hutmachersfrau aus Altona,was meinen Sie zu solchen närrischen Leuten?"

Ja, liebe MöllernI" meinte Frau Henning, die auf der Veranda der Villa vor dem Dammthor mit Frau Möller den Kaffes einnahm,die vornehmen Leute machen Alles mit, weil's Mode ist, und wenn der Fischgeruch in Helgoland oder Norderney auch zum Weglaufen ist. Es ist wirklich komisch damit, denn wegen Krankheit gehen die Meisten doch nicht an die Sre, obgleich mein Heinrich"

Na, unsere Vera nun doch", fsil Frau Möller entschieden ein,Möller wollte es partout nicht , haben. Er wolle'» auch nicht einsehen, daß Vera \ blaß aussah und eine Kräftigung nörhig hatte und \ brummte von Geldverschwendung. Na, da trumpfte k der Doctor gehörig auf, Sie wissen es doch, meine l beste Henningen! daß wir einen Hausarzt haben, der jeden geschlagenen Tag mit seinem Wagen vorfährt, ; macht sich recht fein, das können Sie mir glauben, es gehört mit zur Repütatschon, wenn mein Heinrich auch immer seine Glossen macht und meint, der Docior würde ihn bald von selber krank machen; die Männer von der Sorte, wie meiner und Ihrer, verstehen nun einmal nichts davon. Wofür wohnt - man dann vor'm Dammthor, wenn man sich nicht j ein bischen vornehmer fühlen will? Shen Sie, liebe Henningen aber trinken Sie doch, der Kaffee ist bester Mocca, ganz unvermischt, ich mag > die Mengelei nicht, eine Sorte, aber gut und dann ! kein Zusatz von Cichorien und dem andern Kram, s was sie fremdländisch benennen oder für Gesund- heirrkaffee ausgeben, na, ich danke, damit darf ich Heinrich nicht kommen."

Ja, Sie können es auch, liebe Freundin!" seufzte Frau Henning,haben ihr Schäfchen im Trocknen, unser eins muß immer ein Spierchen Cichorien dazu thun, die Reihe ist zu groß"