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er ärgerlich — „Enthielten diese Abschiedsworte eine Drohung?"
„Mein lieber Freund, wie kann ich das wissen? — Nchmen wir die Worte, wie sie sind — es bleibt uns unbenommen, Vermuthungen an sie zu knüpfen — ich kann Ihnen leider keinen Aufschluß darüber geben. —" (Fortsetzung folgt.)
Die Kautpfteg e.
Ein Capitel für die Frauen.
Niemand weiß bester zu beurtheilen als die Frauen, daß ein guter Teint, eine schöne, angenehme, reine Gesichtshaut wesentlich dazu beiträgt, die äußere Erscheinung vortheilhast zu gestalten, und in weiblichen Toilettenkünsten hat daher die Pflege der Haut von jeher eine hervorragende Rolle gespielt. Allerdings erfordern schon Pflichten gegen die Gesundheit wie gegen die Gesellschaft eine sorgsame Pflege der Haut durch Waschen und Baden, aber die Rüäsichten auf die Forderungen der Schönheit sind für die Damenwelt bei der Hautpflege doch am meisten bestimmend und ihnen werden sogar häufig diejenigen auf das körperliche Wohlbefinden untergeordnet. Daher kommt es denn daß in der weiblichen Kosmetik eine wahre Unsumme von Schönheitsmittelchen, von allerhand Pflästerchen und Wässerchen, Schminken, Salben, Cremes, Pomaden u. s. w. existirt, die alle bestimmt sind, der Haut äußerlich wenigstens die größtmöglichste Frische, Reinheit und Schönheit zu verleihen, sollte e» selbst auf Kosten der Gesundheit geschehen. Da die Heilkunst keine schrundige, gallicht gelbe oder graubleiche Haut mit Milch und Blut füllen, mit einem Worte dem Menschen keine neue Haut anziehen kann, sondern nur die Hautkrankheiten zu beseitigen und den Teint durch Regulirung der Verdauung und Diät zu klären vermag, so muß eben der Geheimmittelschwindel aushelfen und was derselbe auch auf dem Gebiete der Schönheitspflege geradezu Ungeheuerliches leistet, ist ja sattsam bekanntl
Wir finden heutigen Tages auf den Toilettentischen der Damen so viele Fläschchen, Kruken, Büchsen, Schächtelchen, Packetchen u. s. w., daß dieser Ort der täglichen Herstellung der Erscheinung vielmehr einer Apotheker-Officin zu gleichen scheint. Es werden tagtäglich Hunderte von Toiletten-Schön- heitsseifen, eine Anzahl Wässer, wie Eau de Lys, Eau de Ninon, Ozonwasser u. s. w., die verschiedensten Pülverchen, Salben, Parfümerien, Oele, Säfte, Balsame, Fluids, Tinkturen angepriesen, mit denen die Charlatane auf die Leichtgläubigkeit und nicht zum Wenigsten auch auf die Eitelkeit des Einzelnen speculiren, angepriesen, welche deren Herstellung nur wenig Groschen kostet, die sich aber die „Erfinder" mit schwerem Gelds bezahlen lassen. Nun, das letztere möchte immerhin noch angehen, aber viele dieser Toilettenmittel enthalten der Gesundheit geradezu nachtheilige Ingredienzien und dies
ist besonders mit den weißen Schminken der Fall, zu denen man in der Damenwelt mit Vorliebe seine Zuflucht nimmt, wie Circassierweiß, Kremserweiß, Alabasterweiß, Perlweiß u. s. w. Alle diese Schminken enthalten Metalloxyde, die zwar einer faden runzeligen Gesichtshaut eine brillante Weiße verleihen und gleichzeitig die Furchen und Linien ausfüllen und zudecken, dafür aber auch bei längerem Gebrauche Vergiftungserscheinungen Hervorrufen, die sich in Kopfschmerz, Krämpfen, Rheumatismus, Abzehrung u. f. w. äußern und sogar schließlich zum Wahnsinn und zum Tode führen können.
Es ist sehr erklärlich, daß das Schminken bei zahlreichen Frauen als ein unentbehrliches Mittel zur Erhöhung ihrer Reize gilt; ein weißer Teint mit sanft rothen Wangen war von jeher das Ideal der wirklichen und künstlich imitirten Jugend und Gesundheit. Selbst das Tättowiren wilder Völker läuft auf den Zweck der Verschönerung und im» ponirenden Repräsentation hinaus, wenn auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Man schminkt sich, um eine entfärbte, graue, fleckige oder kränklichbleiche Haut in den Schein der jugendlichen oder gesunden Lebenrfrische zu versetzen, also Mängel, welche Natur oder Lebensweise verschuldeten, zuzudecken, aber der längere Gebrauch der meisten Schminken ruft, wie schon erwähnt, nicht unbedenkliche Krankheitserscheinungen hervor, ganz abgesehen davon, daß die Haut hierbei erst recht trocken, faltig und leichengrau wird. Auch eine ganze Anzahl von Teintpulvern, deren Zweck es ist, die Haut weich und glänzend zu machen, enthalten giftige Metalloxyde und zieht demnach ihre öftere Anwendung dieselben gesundheitsschädlichen Folgen nach sich, als dies bei den Schminken der Fall ist. Weiter enthalten viele Seifen der Gesundheit nachtheilige Be- standtheile und dies gilt gerade von den sogenannten Gesundheitsseifen, da denselben gewöhnlich Metallfarben beigemischt sind, welche eine mehr oder weniger schädliche Wirkung auf die Haut äußern, indem sie dieselbe hart, spöde, rissig und zu Ausschlägen geneigt machen. Dagegen ist das Einsalben der Haut, wenn e» maßvoll geschieht, geeignet, der Haut Glätte, Weiße und Geschmeidigkeit zu verleihen, ohne nachtheilige Folgen zu hinterlassen. Wer freilich seine Haut täglich einfettet, der irritirt hierdurch die Poren und Falten, diese zarten drüsigen Organe der Haut, ruft auf letzterer Pusteln und Blüthen hervor und bewirkt so gerade das Gegentheil des beabsichtigten Zweckes. Gegen Flechten, Mitesser, Schuppen, Leberflecke, Sommersprossen, Warzen und andere Entstellungen der Haut giebt es ebenfalls eine Reihe von Mittelchen, die bei der Damenwelt meist sehr beliebt sind, aber deren Anwendung gewöhnlich auch nicht ohne Bedenken ist, doch würde uns eine Charakteristik dieser Mittel an dieser Stelle zu weit führen.
„Nun" — werden da vielleicht viele Modedamen entrüstet fragen — „soll man sich bei der Pflege der Haut etwa nur mit communem Wasser behelfen?"


