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Nein, gewiß nicht, obgleich die Reinlichkeit das wirk« samste und natürlichste Toilettenmittel ist, das es giebt und es immer am besten erscheint, der Natur ihren Lauf zu lasten; so manche Dame, welche ihren etwas unreinen Teint durch Zuhilfenahme kosmetischer Mittel zu verbessern gedachte, wurde hiervon über und über kupferfleckig im Gesicht. Indessen, der Wunsch, die Jugend so lange als möglich zu erhalten und Fehler der Haut beseitigen zu wollen, erscheint beim weiblichen Geschlecht nur selbstverständlich und man kann es daher seinen Vertreterinnen nicht ver« denken, daß sie zu den künstlichen Toilettenmitteln greifen. Scheint es doch viel bequemer, die Jugendfrische und angenehme Beschaffenheit der Haut durch äußere Hautmittel wenigstens scheinbar zu repräsen« Irren, als durch eine ost mit Entsagungen verbundene Diätetik des Leibes wie der Seele zu erzielen — und dennoch wirkt die letztere im Grunde genommen besser und nachhaltiger, als die gepriesensten Schönheitsmittel. Man muß es deshalb als eine der ersten Hauptbevingungen, eine schöne, glatte, weiche, und überhaupt allen Regeln der Schönheit entsprechende Haut zu erhalten, bezeichnen, daß alle heftigen Leidenschaften, alle niedrigen Gefühle möglichst zu bekämpfen und fern von sich zu halten sind. Nichts ist gefährlicher, als sich den Wirkungen von Zorn, Haß, Neid und Eifersucht auszusetzen, sich diesen Leidenschaften hinzugeben; sie machen die Züge vor der Zeit alt und graben tiefe, unverwischbare Spuren ein auf die Stirn, um die Augen, um den Mund, wodurch das Gesicht häßlich und abstoßend erscheint, selbst wenn es auch sonst schön zu nennen wäre. Ferner sind Mäßigkeit und mögliche Regelmäßigkeit des Lebens und der Diät unerläßlich zur Gesundheit und hierdurch auch zur Erhaltung der Schönheit, denn um lange hübsch und anziehend zu bleiben, muß eine Frau vor allen Dingen gesund sein.
Die zu häufigen Bälle und andere Vergnügungen, welche auf Kosten eines erquickenden Schlafes genossen werden, ermüden und erhitzen den Kopf und rauben dem Teint alle Frische. In Hinsicht des Essens hüte man sich vor zu stark gewürzten und zu fetten, wie vor sehr süßen Speisen. Man halte sich nicht für sehr mäßig, wenn man wenig ißt, sondern man richte sich völlig nach seinem Appetit, hüte sich aber vor Kuchen, Torten und ähnlichen Leckereien, obschon dieselben in der Damenwelt im Allgemeinen sehr bevorzugt sind. Dabei ist es am gerathensten, das Gesicht häufig mit frischem, nicht allzukaltem Wasser, vorzugsweise mit weichem Quellwasser ober mit Regenwasser, zu waschen, und zuweilen mit einem feinen Flanell zu frottiren, auch sich so ost al» thun- lich zu baden. Sehr brünette Damen können ihre Haut dadurch bleichen, daß sie Hals und Gesicht mit destillirtem Wasser, dem sie einige Tropfen Alkohol oder Kölnischen Wassers zusetzen, waschen. Ist die Haut sehr spröde, so reibe man sie Abends mit Gold-Cream ein; nur sehe man sich vor, daß man mit diesen Fabrikaten, die zu Dutzenden ost unter
den hochtönendsten Namen im Handel coursiren und welche trotz ihres kostspieligen Preises nur von sehr mittelmäßiger Beschaffenheit sind, nicht beschwindelt wird. Am besten thut man, das in unseren Apotheken und Droguenhandlungen zu findende Unguentum leniens oder das nach Rosenöl duftende Gold-Cream zu nehmen.
Mit dem Gebrauche von Seife im Gesicht sei man mäßig, da die Haut hierbei leicht zu glänzend und straff wird, denn unsere heutigen Seifen, selbst wenn sie Toiletten- und Gesundheitsseifen heißen, sind wegen ihres Ueberschusses an Aetznatron zu scharf für die Haut und reizen dieselbe zu stark. Diese üble Erfahrung haben denn auch schon viele Damen mit feiner, empfindlicher Haut gemacht und sind dieselben hierdurch veranlaßt worden, sich der Seifen so viel wie möglich zu enthalten und sich statt ihrer der Mandelkleie zu bedienen. — Ein übertriebener Luxus wird heute mit Parfürmerien getrieben, der nicht nur die. elegante Welt in die köstlichen Blüthendüste der südlicheren Himmelsstriche einhüllt, sondern auch schon die Dienstmägde mit dem säuerlichen Dunst von Schweiß und Bergamotte- Oel umgiebt. Jedenfalls muß gegen ein übertriebenes Waschen der Haut, namentlich des Gesichts, mit Kölnischem Wasser und ähnlichen Essenzen erinnert werden, daß ein solches Verfahren immer schädlich ist; der in solchen flüssigen Parfüms enthaltene Alkohol entzieht der Haut da» nothwendige Fett, reizt die Drüsen und macht die Haut spröde und trocken. Ebenso werden öfters mit spirituösen Parfümerien befeuchtete Haare schnell grau und fallen leicht aus. Am besten ist es, will man derartige Essenzen mit zur Pflege der Haut verwenden, daß man, wie schon oben mitgetheilt, seinem Waschwasser einige Tropfen von solchen Flüssigkeiten zusetzt.
Will man Sommersprossen, Mitesser, Leberflecken und dergleichen für eine Dame unangenehme Dinge beseitigen, so lasse man den ganzen Geheimmittelkram mit seinen theueren Büchsen und Phiolen bei Seite und sich lieber vom Arzte ein paar einfache Mittel verschreiben. Wir können speciell gegen Sommersprossen und ähnliche Flecken, wenn sie nicht von Magen- und Leberkcankheiten herrühren, Waschungen mit Citronensaft, Borax mit Rosenwasser und Saft von unreifen Gurken als vielfach bewährte und jedenfalls sehr billige Mittel empfehlen.
Mit folgender Anekdote, die wohl keiner weiteren Erörterung bedarf, wollen wir unsere Ausführungen schließen: Die Marquise von Brohan, eine Dame am Hofe König Ludwigs XIV. von Frankreich, war bis in ihr Alter hinauf wegen ihrer außerordentlich reinen, zarten und weißen Haut berühmt, aber sie weigerte sich standhaft, das Toilettenmittel anzugeben, durch welches sie eine so wundervolle Haut erhalten und sich bewahrt habe. Erst auf dem Sterbebette gestand die Marquise, daß sie sich, so oft sie es nur habe erhalten können, mit — Regenwasser gewaschen habe!
Rebectioii: A. Sche-da. — Druü und Verlag der Brühl'sche« Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


