Ausgabe 
6.11.1886
 
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Hießener Jamilienbkätter

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Mx^ 131 Samstag den 6. November. looö.

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Ws zur ketzten Klippe.

Original-Roman von E. Heinrichs.

(Fortsetzung).

Schrecklich!" fiel der Graf lachend ein,und dar will eine Großstadt sein! Sieh, Kind!" fuhr er in einem beinah väterlichen Tone fort, _wir stehen Alle, vornehm oder gering, hoch oder niedrig, arm, oder reich, unter dem Gesetz der guten Sitte, \ und nur, wer sich außerhalb dieser Bannkreises stellt, } ist vogelfrei, gehört zur Ungesetzlichkeit. Doch streiten wir nicht darüber, ich vergesse, daß Hamburg kein Petersburg, kein Paris, kein New-Iork ist."

Du bist doch überall in der Welt schon ge­wesen, Adalbert!" meinte Antonie, ihn mit stolzer Bewunderung anblickend.

Habe wenigstens in allen fünf Welttheilen das Bemerkenswertheste gesehen", nickte er melancholisch, und doch erst hier bei Dir, Geliebte, einen behag- f. lichen Ruhepunkt, sozusagen, eine Heimath gefunden. 5 Wem die Güter dieser Erde fast unumschränkt zu \ Gebote stehen", fuhr er nach kurzem Schweigen fort, i der verliert zuletzt des Lebens höchstes Glück, | die Freude am Genuß. Da, Herzliebchen, hast \ dieses Glück mir wiedergeschenkt, und werde ich des- ? halb vor unserer Vermählung eine heilige Pflicht Dir gegenüber erfüllen. Sieh, meine Theure! s Du weißt, daß ich der Letzte meines Namens bin, i daß mit mir das Haus Altorf erlischt, sofern mir 1 nicht das hohe Glück eines Erben beschieden wird. I Stürbe ich unvermählt, dann würden meine Güter dem Staate anheimfallen, anders jetzt, da ich an ! der Schwelle meiner Hochzeit stehe, ohne ein Kind ! freilich würde man meine Wittwe mit einem kürz- \ lichen Almosen abspeisen"

O, sprich nicht in solcher Weise vom Sterben", unterbrach Antonie ihn zusammenschaudernd,was i sollen diese schrecklichen Gedanken?"

Der Graf strich sich mit der schmalen, weißen ! Hand langsam über die Stirn.

Ich darf es Dir in letzter Stunde, bevor Du i Dich unlöslich mit mir verbindest, nicht verhehlen, s theures Kind" sprach er mit seltsam gedämpfter i Stimme,daß ein jäher Tod in meiner Familie \ bislang nichts Ungewöhnliches gewesen. Mein Ur­großvater starb, vom Schlage getroffen, im besten Mannesalter, ebenso ein Großonkel, den der Tod am Traualtar jählings ereilte; und was mehr , noch mein eigener Vater, sowie meine einzige Schwester sind beide in dieser plötzlichen Weise dahin­

gerafft worden. Wundere Dich deshalb nicht, Ge­liebte! wenn mich zuweilen melancholische Gedanken packen und diese mich an meine letzte Stunde, welche vielleicht von der Schwelle des Paradieses hinweg"

Halt ein, Adalbert!" rief Antonie entsetzt,Du folterst mich mit diesen schrecklichen Bsioern."

Das war nicht meine Absicht, im Gegen- theil, ich hielt es für meine Pflicht, Dir alles dieses mitzutheilen, um noch in der zwölften Stunde Dir die Wahl zu lassen. Noch bist Du frei"

O, theuerster Mann! wie kannst Du so grau­sam fein!" hauchte die junge Frau, feinen Hals umschlingend,nichts kann mich von Dir trennen"

Als der Tod!" ergänzte der Graf, sie zärtlich küssend,ich danke Dir von Herzen für dieses Wort, Antonie! Du sollst es nicht bereuen. Ich werde schon Morgen ein Testament zu Deinen Gunsten er­richten, um Dir meine unbegrenzte Liebe zu beweisen. Es steht mir frei, über mein Vermögen zu disponiren, doch ist ein solches Document unumgänglich nöthig, um das Meinige nur derjenig n zukommen zu lassen, der mein ganzes Herz gehört."

Womit habe ich solche Liebe verdient?" flüsterte Antonie, von wunderlichen Gefühlen der Rührung und eines aufrichtigen Erstaunens ergriffen. Und sie hatte wohl Ursache, so zu fragen, da sie sich keines absonderlichen Verdienstes bewußt war, obwohl sie von ihrer Schönheit einen zu hohen Begriff be- saß, um nicht jeden Mann glücklich zu preisen, der sie heimführen durste.

Du willst mir Alles schenken", fuhr sie schmeichelnd fort,doch mühte ich den Reichthum nicht hassen, welcher durch Deinen Tod erkauft werden sollte? Der Gedanke ist zu grausam für mich."

Nicht doch, Themrste! Die Welt soll es wissen, daß ich nur Dich mein nennen will, Dich allein, daß meine Hand rein bleiben soll von dem Ver­mögen Deines ersten Gatten, welches, wie ich ver­nommen, einem verschollenen Sohne entzogen ist."

Halt, Adalbert!" unterbrach die junge Frau ihn scharf,wer solches Dir gesagt, ist ein Ver­leumder; allerdings existirte ein Sohn meines ver- storbenen Gatten, ob derselbe heute noch lebt, weiß ich nicht. Doch hat der selige Rodenburg aus freien Stücken mich zu seiner Universal-Erbin eingesetzt, und Niemand darf es wagen, mir mein Recht zu verkümmern. Wohlan denn, Du willst großmüthig sein, Adalbert, ich kann solches nicht einseitig an, nehmen, da ich selber hinreichend Vermögen besitze. Laß uns ein gegenseitiges Testament errichten, mein Theurer I Dann stehe ich Dir darin mindestens gleich,