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Leben abgesehen?"
„Wohl aus demselben Grunde, aus dem er mich hinderte, Dich zu tödten, als die Wuth über Deinen uns angedrohien Verrath mich blendete und für den Augenblick vergessen ließ, welche guten Freunde wir so lange waren. Er kennt Deine Vergangenheit, und in dieser ist Etwas, was Dich ihm werth macht."
„Anders kann ich es mir auch nicht erklären, obgleich ich keine entfernteste Ahnung habe, was dieses Etwas sein könnte."
„Ist es denn wirklich Dein mütterlicher Name, welchen Du führst?" forschte Dryden.
Duprat lachte gezwungen.
„Wie kannst Du wohl glauben!" sagte er. „Er wollte damit nur einmal auf den Busch klopfen, und ich ließ ihn bei seiner Einbildung, nur, um ihn irre zu führen. Es ist ja ganz gut, wenn er mich für Jemand hält, der ich nicht bin. Ich habe einmal von einem solchen Fall in Australien gelesen, wo die Wilden von einer schiffbrüchigen Mannschaft nur einen am Leben ließen, weil Jemand ans dem
10. Kapitel.
Das Portefeuille des Barons.
Nachdem die Gartenpforte sich hinter ihnen geschlossen hatte, eilten Dryden und Duprat ohne weiteren Umblick zwischen hohen Mauern und baufälligen Häusern dahin.
Im Augenblick hatten sie nur einen Gedanken, sortzukommen von Riston, den Beide heute zum ersten Mal achten und fürchten gelernt hatten.
„Nun, was sagte ich!" nahm endlich Duprat das Wort. „Ist Riston nun der Mann, der sich beseitigen läßt? Denke an meine Worte von gestern Abend. Ein Mensch mit einer solchen Vergangenheit kann nie ein ganz unbedeutender Mensch sein. Ich war ein Narr, mich in seine Gewalt zu begeben." , ,
„Du hättest Deine Zunge mehr im Zaum halten sollen", bemerkte spöttisch Dryden. „Einmal habe ich die Gefahr der Entdeckung von Dir abgewehrt — Das war auf dem Dachboden als die Angst vor den verfolgenden Polizisten Dir ein halbes Ge- ständniß abnöthigte. Das zweite Mal konnte ich Dich nicht hindern, Dich Riston zu verrathen —"
„Nein, denn Du hattest selbst den Kopf ver- loren", entgegnete Duprat ärgerlich. „Der Gedanke des verlorenen Portefeuilles war geeignet, uns alle Vorsicht vergessen zu lassen. Jetzt allerdings denke ich schon ruhiger über die Sache. Als Viton kann ich dem Ereigniß die Stirne bieten."
„Und ich bin hier nicht angemeldet", sagte der Baron. „Jedenfalls ist es uns Beiden zuträglicher, wir schließen uns bei Dir ein, bis der erste Sturm vorüber gebraust ist, als daß wir dem Alten da Gesellschaft leisten. Ich ärgere mich jetzt auch, daß wir uns so intim mit ihm machten."
„Warum er uns nur schonte", sprach sinnend Duprat, „als er erkannte, daß wir es auf sein
5)ietSlimm, Franz", sagte Duprat, ihm seine verwundete Hand darreichend, welche er so lange unte dem Mantel verborgen gehalten. „Wenigsts für mich" fügte er mit einem Blick auf Dryden hmz^ Der Baron hat seine Schäferstunde gehabt, aber ich „bin darin gestört worden."
„Wohl gar ein Duell?" fragte Franz.
„So etwas Aehnliches", entgegnete Duprat leicht. „Nun kocht uns nur rasch einen starken Kaffee; ein Nothverband ist schon angelegt. Von der Wunde sprechen wir später weiter."
Er eilte, von Dryden gefolgt, nach dem Lalo.r, in dem fie gestern Abend zusammen gewesen, wahrend Franz sich nach der Küche begab.
Beider Augen gingen zuerst nach dem ^rsch, auf welchem Brief und Couvert gelegen. Kernes von Beiden war mehr dort.
Die Freunde blickten einander rathlos an.
„Was nun?" hauchte Dryden. .
Duprat zuckte die Achseln. Er vermochte kern Wort hervorzubringen. Er blickte sich mit einem Ausdruck stumpfer Verzweiflung im Zimmer um, und Dryden suchte noch eingehender nach dem verschwundenen Briefumschlag; dann begegneten stch ihre Blicke wieder, und in Beiden spiegelte sich dieselbe Trostlosigkeit.
(Fortsetzung folgt.)
Stamme sich fest einbildete, diefer fei sein ans dem Lande des Lichts zurückgekehrter todter Bruder. Der Mann hatte es fortan gut bei den Kannibalen, welche seinem geweihten Körper alle Pflege ange- ^^,Wohl Dir" sagte der Baron, „wenn Riston Dich in gleich hoher Achtung hält."
„Aber warum erschlug er mich Nicht, der ich auch die Hand wider ihn erhoben?" „ ,
„Vielleicht aus einem eigennützigen Grunde Wozu uns aber noch Gedanken darüber machen. In5 dem öden Hause kehren wir sobald nrcyt wieber
„Noch weniger in den Katakomben. Der Keu scheint sich in den Eingeweiden der Erde so wohl zu fühlen wie auf dem Dache. Wenn wir jetzt nur jen gleichen Schutz genössen wie er!"
Dryden sagte es mit einem Seufzer.
„Nehmen wir einen Wagen", entgegnete Duprat. „Dort halten welche. Wir fallen schon auf, und für ein Verhör ohne vorherige Verständigung wäre der Augenblick sehr ungünstig gewählt."
Die Fahrt ging rasch von Statten. Sie suhren nur bis in die Nähe der Promenadenstraße, dann eilten sie zu Fuß nach der Waldmstrane und durch den Garten nach dem Hause. Duprat hatte een Schlüssel zur Hinterthür bei sich.
Sie fanden Franz ihrer harrend. _
Nun, wie ist es abgelaufen?" fragte dieser mit der Vertraulichkeit eines Alles wissenden


