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hier in seiner Gewalt waren und keinen Widerspruch wagen dursten.
Den Rest des Weges zu dieser seltsamen Ge- Heimmünze legten sie schweigend zurück; erst mit dem Betreten der letzteren kam wieder etwas Leben in sie.
8s war das eine kleine Gradkammer, wie viele andere hier. Auffallend allein war das Zusammen- thürmen mehrerer Skeletttheile zu kleinen Gebein- Pyramiden. Der Nichts ahnende Beschauer würde achtlos daran vorübergegangen sein; aber die Begleiter Riston's ahnten schon, was unter diesen Knochen verborge« ruhte, der Münzfälschungsapparat oder vielmehr die dazu benöthigten verschiedenen Apparate.
Riston legte diese jetzt bloß. Es waren mehrere Handdruckmaschienen, wie man sie zum Herstellen eines Buntdruckes benöthigt.
„Das Alles kennen wir", nahm jetzt Dryden wieder das Wort. „Aber die neue Note —!"
„Geduld! sie befindet sich noch unter der Presse", sagte Riston mit verschmitztem Lächeln.
Unter großer Spannung der Anderen nahm er mehrere Banknoten unter der Preffe hervor, und Jenen den Rücken wendend, fügte er hinzu: „Ich lege zu diesen eine echte Note und fordere Sie heraus, mir zu sagen, welches die falschen sind."
„Russische Hundertrubelnoten!" riefen Duprat und der Baron zugleich, der letztere mit einem leisen Klang der Enttäuschung. Sie untersuchten lange und eingehend; Keiner vermochte jedoch zu sagen, welches die echte Note sei.
Riston triumphirte.
„Das ist mein zweiter Sieg über Sie" sagte er. „Sehen Sie nun ein, wie thöricht es von Ihnen ist, nach meinem Leben zu trachten? Macht uns jetzt die Polizei einen Strich durch die Rechnung, so beginnen wir in einem neuen Staat das gleiche Spiel mit demselben günstigen Erfolg. Also Hand darauf, daß von Berrath und Mord, — es wäre denn gegen die außer unserem Bunde Stehenden, — zwischen uns nicht mehr die Rede sein soll. Noch ein solch geflüstertes Wort, und meine Geduld ist erschöpft. Ihr lerntet bisher nur meine Kreund- schaft schätzen, meine Feindschaft könnte Euch furchtbar werden. -
Duprat und Dryden hatten ihre eigenen Ge danken hierüber, die sie aber wohl bewahrten. Sie sagten noch Dies und Das über die neue Fälschung, welche als gelungen anzusehen war und vermieden ängstlich den Punkt, den Riston jetzt noch einmal berührt hatte.
Duprat war besonders schweigsam. Was ihn beunruhigte, war, daß er sich überhaupt in Riston's Hand gegeben, indem er seine Theilnahme an den Münzfälschungen Jenem aus eigenem Antriebe Der» rieth. Er war nun vor allen Dingen darauf bedacht, ihm keinen tiefer greifenden Einfluß auf seine Schicksale einzuräumen. Riston durfte also weder
Jonas noch Etwold kennen lernen, ober überhaupt Etwas von ihren besonderen Plänen mit Letzterem erfahren. Er war nicht so leicht abzuschütteln, wie Duprat anfänglich geglaubt hatte. Man mußte also Zeit vergehen lassen, um seinen einmal geweckten Verdacht wieder einzuschläsern und ihn dann zu überlisten.
Schweigend kehrten alle Drei von der Falsch- münzerwerkstatt in den Katakomben nach dem von Riston bewohnten Zimmer des öden Hauses zurück. Der Tag graute, als sie dieses betraten.
„Nun zu Ihrem Brief, Duprat!" sagte Riston. „Das Schreiben wird Ihnen nicht leicht werden."
„Ich danke", entgegnete Dieser kalt ablehnend, „ich habe mir die Sache anders überlegt." Und zu Dryden sich wendend, sagte er: „Ich werde einfach in meine Wohnung gehen und nachsehen, ob das Couvert, das ich ganz sicher nicht mit verbrannte, noch da ist oder nicht. Das ist ganz ungefährlich."
„Und wenn es wirklich im Portefeuille sich befand?" fragte Riston.
„So bin ich da so gut geborgen, wie hier."
„Als Viton — ja, ja."
Duprat biß^sich auf die Lippen. Er hatte gehofft, daß Jener den Namen, den Dryden nur einmal genannt, vergessen habe.
„Ganz recht", gab er zögernd zu. „Man wird mich dort nicht suchen. Wie sollte man auch darauf kommen, daß der Prokurist Duprat und der Privatier Viton ein und dieselbe Person sein könnten. — Und Du?" wandte er sich, um das Gespräch abzubrechen, an Dryden.
„Ich bin selbst zu neugierig", entgegnete Dieser, „zu erfahren, ob meine Gedankenlosigkeit das befürchtete Unheil herbeigeführt hat oder nicht. Ich begleite Dich."
Riston legte sein Gesicht in finstere Falten.
„Ich könnte Euch hier behalten", sagte er, „denn Euer Gehen erweckt mir keinen guten Gedanken; aber ich lasse es darauf ankommen. Verrathet Ihr mich, so bin ich durch Das gerächt, was ich vor Gericht gestehen werde; wollt Ihr mir zu Leibe, so könntet Ihr schlimmer dabei fahren als ich. Im Uebrigen erwarte ich Euch bald wieder zu sehen, sonst komme ich zu Euch. Und nun folgt mir aus einem anderen Wege hinaus."
Er führte sie durch den ganz verwilderten Garten des öden Hauses zu einer kleinen Seitenpforte, welche in der unverhältnißmäßig hohen Mauer eingelaffen war. Diese Pforte war von innen verschloffen, und konnte Riston selbst nur mit Aufbietung aller Kräfte den Schlüssel in dem ganz verrosteten Schloß herumdrehen.
Es gab einen kreischenden, unheimlichen Laut; knarrend öffnete sich die lang verschlossen gewesene Thür, und nach einem letzten flüchtigen Gruß auf den finster blickenden Riston eilten die tief in ihre Mäntel gehüllten Freunde hinaus.


