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Won der Weise Sr. Waz. Schiff | „Wrinz AdakßerL."
(Nach privaten Briefen.)
(Schluß.)
Das Weiter war schön, nur ließ ber^ etwas niedrige Barometerstand einen baldigen Umschlag der Witterung befürchten. Wir fanden eins frische Brise mit etwas Seegang, doch änderte sich bald die Gunst der Witterung, und so mußten denn, da die Fahrt nach Capstadt beschleunigt werden sollte, die Feuer angezündet und unsere Kessel geheizt werden. Unter Dampf setzten wir sodann in grobem Cours die Reise fort. Hätte unsere Sehnsucht nach dem geliebten Vaterlands in Triebkraft umgesetzt werden können, so hätten wir statt unserer 12 Knoten das Doppelte der Fahrt gehabt, so aber blieb sie nur ein Motor im Herzen und ließ uns diese Tage aus dem Ocean nur noch länger werden. Im Ganzen verlief die Reise ganz angenehm. Wir hatten häufig Gelegenheit, den Cours von Schiffen aller Nationen und auch voll deutschen Schiffen zu kreuzen. Es war das immer ein Ereigniß, welches die allgemeine Aufmerksamkeit wachrief. Auf See, wo den Menschen das ewige Einerlei von Wasser und Himmel umgiebt, ist das Geringste ein Gegenstand der Beachtung, und oft richtet schon eine besondere, ungewöhnliche Wolkenbildung die Augen nach dem Himmel. Entgegenkommende deutsche Schiffe grüßten immer nach Landsmannart mit Flagge und Signalen. Es waren gewöhnlich die Fragen: „Wie heißt das Schiff?" „Wo zu Hause?" und „Welches Ziel?", welche ausgetauscht und dann mit einem gegenseitigen „Glückliche Reise" abgebrochen wurden. Deutschs Dampfer von Bremen und Hamburg befuhren am häufigsten die Straße, und zwei Mal kreuzten wir auch mit gegenseitigem „Hurrah!" die Postflagge des Bremer Lloyd. Die Nächte waren meistens schön. Frischte die Brise auch manchmal zu einem kleinen Winde auf, so hatten wir doch im Allgemeinen nicht unter der Ungunst der Witterung zu leiden, und auch die eigentliche Urheberin des ganzen Zaubers, den man im Atlantic bei gutem Wetter immer genießen kann, die Sonne, blieb tagelang in unvergleichlicher Pracht bei uns. Zur Nachtzeit ergoß an den schönen Tagen das Mondlicht sein Silber über die zitterige Oberfläche der See und erzeugte dann jenes wahrhaft magische Geflimmer von Lichtschuppen, Silberringen und flüssigen Funken, wie dies ein einzigartiger Schmuck des Atlantic ist. Unsere Reise nach Capstadt wurde mit Exercitien an den Segeln und Geschützen fleißig ausgefüllt. An jedem Vormittag und Nachmittag, wenn es das Wetter irgend zuließ, wurden die Geschütze losgemacht und die Wache in die Takelage commandirt, wo Segel los und Segel fest in allen Variationen exercirt wurde.
Das großartige, landschaftliche Bild, welches Capstadt mit dem Tafelberg bildet, bekamen wir nach
einer 20tägigen Reise in Sicht. Das weiße Häusermeer der Stadt mit seinem üppig grünen Baumschmuck hob sich aus der brandenden See, die sich an den „Loivenkopf und die Molen" schlägt, als wir in dis weitschauende Bai vnsern Cours nahmen und an schnaubenden Dampfschiffen vorbei majestätisch die Einfahrt passirten. Wir blieben draußen auf der Rhede und gingen hier vor Anker, nachdem wir der englischen Flagge auf dem Fort zuvor unser Salut gegeben hatten. Mit der Post, die wir einige Stunden nach unserer Ankunft an Bord bekamen, war die Ordre eingetroffen, sofort, nachdem wir unsere Kohlen- und Proviantvorräthe ergänzt hatten, unter Dampf nach Sansibar aufzubrechen, wo wir uns noch auf eine Station einzurichtcn hatten, ehe uns die endliche Heimreise beschieden sein sollte. Von Besuchen an Land war hier also nicht viel die Rede. Nnsere kurz besessene Zeit wurde zu der Einrichtung auf diese letzte Mission vollauf gebraucht. Kohlen wurden „getrimmt", Provianteinkäufe besorgt und dann die Ausrüstung für ein Landungscorps complet gemacht, weck wir in Sansibar Mannschaften auszuschiffen und sonst allerlei gcheimnißvolle Dinge auszurichten haben sollten, wozu erst an Ort und Stelle die Befehle erlassen werden sollten. Die Temperatur war in Capstadt eine kannibalisch heiße, und da wir auf eine nördlichere Gestaltung derselben sicher nicht zu rechnen hatten, so waren die hervorgeholten und hier vervollständigten „Tropenanzüge" Jedem sehr angenehm. Während die Uniformen für Officiere und Mannschaften, sofern nicht für letztere die aus einer Art Drillich gefertigen „Arbeitsanzüge" befohlen sind, aus blauem Tuch und Wollenzeug bestehen, sind diese Tropsnanzüze aus leichter Baumwolle und aus Leinwand gefertigt. Officieren und Mannschaften ist der „Tropenhelm" nach Art der englischen Helme gemeinsam. Die Officiere trugen an Stelle des blauen Uniformrockes einen weißen Rock mit den Uniformknöpfen im Schnitt des ersteren. An Stelle der Stiefel durften zum weißen Rock Schuhe aus ungewichstem gelben Leder getragen werden. Säbel und Schärpe gehörten aber selbstverständlich auch zu dieser Equipirung. Für die Ausrüstung der Mannschaften, welche zu dem Land- ungscorps bestimmt werden sollten, war Folgendes sorgeschrieben: Strohhut mit Stunnband und Nackenschleier, welch' letzterer mit einer Schnur um den Hut befestigt war; Taschentücher aus weißer Leinwand, welche die Mannschaften sonst nie erhalten, und zwar zwei Stück für jeden Mann; Handtücher in der gleichen Anzahl; eine Leibbinde aus wollenem Stoff gefertigt; eine wasserdichte Unterlage, als Feldbett oder Feldmatratze dienend, die aus gummirtem Stoff gefertigt ist; eine Netzhängematte aus Hanf in einer mit Traggurt zum Umhängen eingerichteten Tasche aus Ledertuch; ein Taschenfilter und Kochgeschirre. Mit solchen Feldausrüstungen complet versehen, bereiteten wir den Ausbruch von Capstadt nach Ostafrika vor.
ßtedMoni A. Hcheyda, Druck und Verlag der Briihl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Metzen.


