bts von ihm am Baüabend im Wintergarten Gesehenen.
Es war die Beschreibung des Ermordeten aus der Schwedengasse.
Der Kommerzknrath fragte nicht weiter.
„Sie werden über dieses Rendezvous schweigen, Duprat."
„Wie das Grab."
„Und ich werde Ihre Treue nicht unbelohnt
Er ging hinaus, die weitere Erledigung der Geschäfte für den heutigen Tag dem Prokuristen überlassend.
Gleich nach ihm ging auch Duprat fort, um ein Telegramm nach M. aufzugeben. Dasselbe lautete: „Den von mir eingegangenen Brief an mich umgehend retour unter Couvert an meine Privatadresse. Duprat."
5. Kapitel.
Ein Rendezv ous.
In einem der entlegensten Cafös der Residenz saß zur Nachtzeit der Assessor Soltmann und musterte mit eingeklemmtem Monocle die Füßchen der vorbeitrippelnden Schönen, welche, wenn sie sich in seine Nähe setzten und besonders reizend bei Fuß waren, diesen Studien in der liberalsten Weise zu Hülfe kamen.
Es war ein kleiner, zierlicher Fuß gewesen, der sich an der Mordstätte im Schnee abgedrttckt hatte, also jedenfalls nicht der Fuß einer Arbeiterfrau, sondern ein Damenfuß, und da bis jetzt noch alle Anzeichen dafür sprachen, daß es ein Raubmord gewesen und die nächtlicherweile hier verkehrende Damenwelt stets und viel Geld brauchte, auch mit den niedrigsten gesellschaftlichen Elementen zersetzt war, war ein solches Studium für einen Mann wie Soltmann immerhin ein entschuldbarer Zeitvertreib. Der Zufall spielt ja manchmal wunderbar, und er war dem jungen Criminalisten schon oft zu Hülfe gekommen, wenn er selber dem Verzweifeln nahe gewesen.
Soltmann war aber nicht so einfältig, zu glauben, daß er aus dem bloßen Fußmaß den identischen Fußabdruck werde erkennen können. Der Letztere hatte, wie eine nachträgliche genaue Augenschau ergeben, noch ein besonderes Kennzeichen gehabt, das aber Soltmann, wie auch das rothe Stückchen Seide, das er im Wintergarten ausgelesen, nicht weiter erwähnt hatte. Er hatte sich mit Neubert dahin geeinigt, daß Jener in den Verbrecherkreisen nach den Antccedentien des rothen Mathies, eventuell nach dessen Genossen forschen sollte, während Soltmann, seiner anderen Erscheinung und Lebensweise entsprechend, der eigentlichen Mörderin nachspürte.
Beide Herren hatten für heute Nacht ein Rendezvous ar; diesem Hct verabredet, und nun
saß Soltmann hier und wartete auf seinen Verbündeten.
Wer ihn da sah in seinem eleganten Anzug nut der Kravatte ä la Byron, den Hellen Glacö's, dem schönfrisirten Kopf und dem leichten Spazierstöckchen, dessen Knopf man es nicht «nsah, daß er mit Blei gefüllt war, der hätte wohl eher geglaubt, hier einen jungen Finanzmann oder einen angehenden Makart vor Augen zu haben, welcher seine naturalistischen Studien in den bescheidenen Grenzen seines jungen Talentes machte.
Aber Soltmann« schöne, ausdrucksvolle Augen konnten auch recht drohend blicken, und selbst wenn sie verliebt schauten, waren sie dem Gegenstände seiner Verehrung zumeist gefährlich. Wehe den Füßchen, welche jetzt vor ihm mit den verhängniß- vollen Stiefelletten paradirt hätten! Diese Koketterie mit dem angeblichen jungen Lebemann wäre der betreffenden Schönen verhängnißvoll geworden.
Die anwesenden jungen Damen ahnten, daß der elegante Herr zum Rendezvous hier erschienen sei, und darum ließen sie ihn nach dem Grundsätze: „Jedem das Seine" in Ruh. Freilich, daß dieses Rendezvous mit einem der gewiegtesten Kriminalisten verabredet war, davon hätte wohl keine der Schönen sich etwas träumen lassen.
Inzwischen verstrich die Zeit. Die Elfen der Straße schwebten herein und wieder hinaus, und Soltmann saß schon bei seinem dritten Glase Mölange.
Immer häufiger konsultirte er die Zeit, immer erwartungsvoller blickte er nach den beiden Eingängen, hohe Glasthüren, welche lautlos auf- und zuflogen. Der Erwartete kam nicht.
Der Assessor konnte zuletzt seine Unruhe nicht mehr verbergen.
Neubert hatte heute „einen recht versteckten Fuchsbau exploriren wollen", wie er sich ausdrückte. Da lag wohl die Annahme nicht zu fern, daß er dabei zu Schaden gekommen oder auch einen wichtigen Fang gemacht hatte, den er vor seinem Erscheinen hier nach dem Stadtgefängniß in Sicherheit bringen mußte.
Soltmann hatte, mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, nach der Lage jenes Fuchsbaues zu fragen vergessen; und nun saß er hier so zu sagen auf Nadeln, auch etwas ärgerlich über seine in einer solchen Umgebung keineswegs angenehme Situation.
Es klangen schon allerlei verdächtige Stichelreden an sein Ohr, wie: „Toggenburg" — „Zechpreller" — „Sieben Häuser und keine Schlafstelle —" und was dergleichen verfängliche Reden mehr; natürlich bedienten sich derselben nur die vorbeihuschenden Schönen, und auch nicht in einer Weise, daß Soltmann sie hätte auf sich beziehen können, obschon sie auf ihn gemünzt waren.
Endlich erhielt das ewige Einerlei eine angenehme Abwechselung.
Unter der wieder geöffneten Glasthür rschien


