Ausgabe 
5.10.1886
 
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endet waren, verließ er durch eine zweite Thür das

der Amts-

des ver-

Brandes

Nein!"

n

Tage.

(Fortsetzung folgt).

kann ich gewesen,

Amtszimmer.

Frau Lehrer Kirchneri" befahl jetzt richter dem Diener.

die Wohnung verlassen?"

Es mar vielleicht um 9 Uhr; genau indessen die Zeit nicht angeben."

Ihr Mann behauptet, es sei 8 Uhr

als er sich entfernt habe."

Es kann auch sein. Ich hatte an diesem Abend noch einen bestellten Hut fertig zu machen und habe aus diesem Grunde nicht so genau auf die Zeit Acht gehabt."

Wann sind Sie zu Bett gegangen?"

Es hatte zehn geschlagen."

Ihr Hauswirth behauptet, daß er noch kurz vor dem Ausbruche des Feuers Ihre Mhritte über sich vernommen hätte."

Ich bin allerdings noch einmal aufgestanden ge­wesen, nm ein Glas Wasier zu trinken."

Wo war das Wasier?"

In der Wohnstube."

Sie betraten den Vorsaal nicht?"

Was thaten Sie dann?"

Ich legte mich wieder nieder und schlief ein."

Man sagt, daß Sie gewöhnlich bis zur Ankunft Ihres Mannes gewartet hätten."

Allerdings thue ich dies häufig; da mir aber mein Mann gesagt hatte, daß die Hauptprobe vor dem Concert jedenfalls länger, als gewöhnlich dauere, so sah ich davon ab. Auch war ich an dem Tage gerade sehr früh ausgestanden und die Müdigkei t machte sich bei mir in verschiedener Weise geltend."

Haben Sie eine Ahnung, wer das Feuer ange­legt hat?" ,

Die Frage des Richters war so plötzlich ge­kommen, der Ton seiner Stimme war so schneidig und der auf sie gerichtete Blick des Mannes so stechend, daß die junge Frau verwirrt den Blick zu Boden schlug, eine jähe Gluth über ihr Antlitz huschte und sie augenscheinlich nach Worten suchte.

Ein freudiges triumphirendes Lächeln zuckte um die Mundwinkel des Fragenden.

Ich habe Sie gefragt" fuhr der Richter mit erhobener Stimme fortob Sie eine Ahnung haben, wer das Feuer angelegt hat."

Bemerkten auch sonst nichts Verdächtiges?" .Nicht das Geringste."

Ich?... nein, ich weiß von nichts", entgegnete ie verwirrt, den schönen Kopf schüttelnd, nachdem ie vergeblich versucht den durchdringenden Blick des Fragers Widerstand zu halten.

Sie wisien also gar nichts davon?"

Nein." Das Wort klang schüchtern und glitt augenscheinlich schwer über die Zunge.

Bevor ich Sie für heute entlaffe, haben Sie wohl die Güte und beantworten mir einige Fragen über Ihre Eltern und Verwandte."

Die Frau erblaßte. Ihr Blick hing ängstlich an den Lippen des Juristen.

Sie wisien doch", begann er,daß Ihr Vater unter dem Verdachte der Brandstiftung gefänglich eingezogen gewesen ist und Ihr Bruder, als eins der gemeingefährlichsten Sub . . . ."

Ein Aufschrei durchdrang das Zimmer und laut klatschend stürzte die Frau auf den Fußboden. Im Vorzimmer läutete die Dienerklingel und während der Protokollant zusprang, um die anscheinend Leb­lose aufzuheben, öffnete sich auch die aus dem Warte­zimmer führende Thür, in der die Diener und ver­schiedene andere Personen erschienen.

Alle waren damit beschäftigt, der Ohnmächtigen die erste Hilfe zu bringen und sie nach der an der Wand befindlichen Zeugenbank zu tragen, auf der sie erst nach längerer Zeit und nachdem verschiedene Belebungsversuche angestellt worden waren, wieder zum Bewußtsein kam. Während der Zeit hatte man auch Kirchner, der sich noch wartend auf seine Frau im Gerichtsgebäude befand, herbeigeholt und dieser hatte mit Hülfe der zu Hand befindlichen Personen sofort die nöthigen Anstalten getroffen, um seine Frau nach der provisorischen Wohnung überzu­führen.

Als sich das Zimmer wieder geleert hatte, durch­maß der Amtsrichter mit großen Schritten und ver- schränkten Armen dasselbe. Mit kaltem Blute hätte er ein Todesurtheil aussprechen können und jetzt auf einmal rief dieser für ihn, dem scharfblickenden Juristen so klar liegende Fall einen solchen Kampf in ihm hervor? Was war das? Durchbrachwirklich die sonnige Erscheinung der jungen Frau die harte Kruste, welche sich wie ein doppelter Panzer um sein Herz gelegt, oder war es nur die aufregende Scene, die ihn so altecirte? Vergeblich legte er sich selbst diese Fragen vor, aber trotzdem er sich die größte Mühe gab, mit allerlei Vernunftgründen seine psychologischen Zweifel aus dem Felde zu schlugen, gelang es ihm nicht. Da die Amtszeit überdies verstrichen war, so setzte er endlich seinen Hut auf und stürmte fort ins Freie, um hier Beruhigung zu finden und einen Entschluß zu fasien.

Wohl noch nie hatte er eine Stellvertretung für den Landgerichtsrath so verwünscht, als am heutigen

Redaktion: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.

Diese erschien.

Einige Augenblicke blieben die Blicke ... knöcherten Juristen an den ebenmäßig gebildeten schönen Zügen des Weibes hängen und schon wollte sich in seinem Innern eine sympatische Stimmung loslösen, als ein Blick auf seine vor ihm liegenden Acten diese Regung sofort wieder aufhob und er nun seine Vorfragen an die vor ihm Stehende richtete. Als diese beendet waren, fuhr er fort:

Wann hat Ihr Mann am Abend des Brrr.'