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Ux. 117. Dienstag den 5. Actober. 1886.
Saat und Krnte.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Ihr glühender Blick ruhte voll fieberhafter Erwartung auf ihm.
„Wird man ihn nicht des Verbrechens selbst wegen verfolgend" fragte sie.
„Wer kann's ihm beweisen?" erwiderte er. „Ich bin Ankläger und Zeuge in Einer Person — und er wird natürlich leugnen, daß er dieses Würfels sich bedient hat."
„Und dann?"
„Dem Fluch, der auf ihm ruhen bleibt, wird er nimmer entrinnen können!"
„Er war der Beleidiger — er schlug diese Art des Duells vor, das einem Menschenleben ein jähes Ende bereiten mußte — er ging als Sieger aus dieser scheinbaren Frage an den Zufall hervor. Aber könnte es dennoch nicht möglich sein, daß er unbewußt sich des falschen Würfels bediente?" sagte sie. — „Glauben Sie nicht, daß ich mich an die Hoffnung klammere, ihn vertheidigen zu können. Ich kann's nur nicht faffen, daß schon damals dieses furchtbare Verbrechen sein Gewissen belastet haben soll. — Wie war es möglich, daß er mit solcher Schuld beladen vor mich hintreten und um mich werben konnte?"
„Wie es möglich war? — Es ist geschehen, gnädige Frau — und hätte ich die furchtbare Entdeckung nicht gemacht, so würde diese Frage niemals aufgeworfen worden sein. — Die Möglichkeit, daß er von der Fälschung des Würfels Nichts gewußt habe, kann ich nicht gelten lassen — die Vortheile der Fälschung wären ja in diesem Falle auch dem Gegner zu Statten gekommen."
„Sie haben Recht", nickte Vera, indem sie sich erhob, „an der Richtigkeit dieser Behauptung läßt sich leider nicht zweifeln. — Wir sprachen vorhin von dem Oberst Johnson. Sie äußerten, er sei noch hier —"
„Der Herr Referendar wollte das behaupten!" „Nehmen wir an, Sie träfen noch einmal mit ihm zusammen, würden Sie in diesem Falle ihm Ihre Entdeckung berichten?"
„Würden Sie das wünschen, gnädige Frau?"
„Vielleicht ließe der Oberst sich dadurch bewegen, sein Schweigen zu brechen."
„Und welche Aufschlüsse erwarten Sie jetzt noch
von ihm? — Haben Sie nicht die Lösung des dunklen Räthsels erhalten?"
„Ich vermuthe, daß an dieses Näthsel noch ein anderes sich knüpfen muß", erwiderte Vera, „ein Geheimniß, dessen Enthüllung nur in Wiesenthal gesucht werden kann. Die Andeutungen, die der verhaftete Vagabund gegeben hat, die Freundschaft des Oberst Johnson mit dem Oderförster von Reizenstein und die Aehnlichkeit Johnson's mit unferm unglücklichen Freunde, — Alles dies weckt in meiner Seele Ahnungen, die mir keine Ruhe lassen, bis ich Gewißheit habe."
„Gewißheit? Worüber?" fragte Herr von Görlitz kopfschüttelnd. „Nun Sie die Lösung des Räthsels gefunden haben, wissen Sie auch, daß Hermann von Salberg sterben mußte; seins Ehre gebot es ihm, und es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß er den Schicksalsspruch vollzogen hat."
„Könnte nicht eine höhere Macht ihn an der Ausführung verhindert haben?"
Der Hauptmann schwieg; er hatte diese Frage schon selbst sich vorgelegt und keine Antwort darauf gefunden, die ihn befriedigen konnte.
„Und nehmen wir an, es sei geschehen", erwiderte er nach einer langen Pause, „was würde dadurch für Sie geändert?"
„Sehr viel, Herr Hauptmann!" sagte sie in erregtem Tone, „Nicht für mich, sondern für ihn selbst. Die Entdeckung, die Sie gemacht haben, würde ihn dem Leben zurückgeben —"
„Nicht doch, gnädige Frau! In die Stellung, die er damals einnahm, und in die Kreise, in denen er früher sich bewegte, kann er niemals zurüökehren, auch dann nicht, wenn wir durch Enthüllung der Wahrheit ihm die Wege ebnen wollten. Sein Ehrenwort war verpfändet, als er die Würfel rollen ließ; er mußte es einlöfen, und wie ich ihn kannte, so darf ich wohl auch die Ueberzeugung hegen, daß er es gethan hat. Geben wir uns keinen Hoffnungen hin, wir würden uns getäuscht sehen, und rch weiß nicht, ob wir die Erfüllung solcher Hoffnungen Wünschenswerth nennen dürfen. Und worauf stützten sich Ihre Ahnungen? Allein darauf, daß die äußere Erscheinung des Obersten mit der unseres unglücklichen Freundes einige Aehnlichkeit hat; ich finde darin nichts Auffallendes, denn ich habe oft erfahren, daß eine solche Aehnlichkeit auch bei einander völlig fremden Personen vorkommen kann. Und so möchte ich noch einmal Ihnen den Rath geben, jenen Ahnungen nicht weiter nachzuhängen — sie entbehren jedes sichern Haltes."


