Ausgabe 
5.8.1886
 
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unter Bäumen befanden und wäre es allerdings interessant, zu erfahren, welcher Gattung die be­treffenden Bäume in den einzelnen Fällen jedesmal angehörten.

Uebrigens ist es eine von der Statistik gleich­falls festgestellte Thatsache, daß die Vlitzgefahr durch- fchnittlich jährlich wächst, denn es sind im letzten Jahrzehnt bedeutend mehr Blitzschläge beobachtet worden, als dies in den entsprechenden früheren Zeiträumen der Fall gewesen ist. Es mag dies wohl damit Zusammenhängen, daß gegenwärtig bei Bauten u. s. w. das Eisen und andere Metalle eine weit größere Rolle spielen, als früher und auch die bedeutende Vermehrung der Telegraphenleitungen, die Einrichtungen der Fernsprechverbindungen und ähnliche Institutionen, bei denen metallische Drähte zur Verwendung gelangen, dürften unzweifelhaft mit der Vermehrung der Blitzgefahr in Verbindung zu bringen sein. Dem gegenüber läßt sich allerdings nicht leugnen, daß auch die Verbefferungen, welche der Blitzableiter, dieser einzig wirksame Schutz gegen den Blitz in der Neuzeit erfahren hat, der vermehrten Blitzgefahr entsprechen; leider muß jedoch anderseits zugegeben werden, daß die Blitzableiter noch an sehr vielen Orten dieser Verbesserungen entbehren. Bei den meisten Blitzableitern älterer Construklion zeigt sich gewöhnlich die Bodenleitung als der bedenklichste Theil und doch hängt gerade von der guten und zweckmäßigen Beschaffenheit der Bodenleitung die Unschädlichmachung des Blitzes vorzugsweise mit ab. Es genügt durchaus nicht, die Bodenleitung lediglich in feuchter Erde ausgehen zu lassen, sondern sie muß in einer möglichst großen Wasserfläche, also in den meisten Fällen im Grundwaster, endigen. In neuerer Zeit rst auch der Vorschlag gemacht worden, in Orten mit öffentlichen Wafferleitungen die Boden­leitung direct nut dem unterirdischen Röhrensystem in Verbindung zu bringen, so daß also der Strahl vorkommenden Falls hier in eine größere Waffer- menge geführt wird und die gemachten Erfahrungen sprechen entschieden dafür, daß die Waffermengen, in welche die Bodenleitung endigt, nie beträchtlich genug sein können. Doch auch in anderen Be­ziehungen ist die Construklion der Blitzableiter viel­fach noch eine sehr mangelhafte; so erweist sich öfters die Aüffangstange als zu dünn, die Spitze ist nicht selten von schlechter Beschaffenheit und die An­bringung der Stangen auf den Gebäuden selbst muß oft als eine fehlerhafte bezeichnet werden; ein mangelhafter Blitzableiter bringt dann dem Gebäude, das er schützen soll, manchmal mehr Gefahr als Nutzen und da ist es noch immer bester, man läßt das letztere ganz ohne Blitzableiter. Man begegnet vielfach der Annahme, daß auch ,für weitläufige Baulichkeiten, ausgedehnte Stallungen und dergleichen ein einziger Butzableiter genüge, wenn derselbe nur entsprechend hoch sei, das muß jedoch als irrig be­zeichnet werden. Der Kreis, innerhalb besten der Blitzableiter unbedingt Schutz g währt, ist im All­

gemeinen ein sehr kleiner, man nimmt für gewöhn­lich an, daß der Radius des geschützten Kreises ein­fach gleich der Höhe der Spitze der Auffangstange über dem Dachfirst ist und hieraus erhellt, daß namentlich bei langgestreckten Baulichkeiten ein Blitz­ableiter nicht genügt; bei letzteren empfehlen sich daher mehrere Blitzableiter, die dafür nicht so be­sonders lang zu sein brauchen. Ueberhaupt kommt es auf die Länge des Blitzableiters gar nicht so sehr an, sondern eben mehr darauf, daß er gut construirt ist und in diesem Falle bietet er allerdings den sichersten Schutz gegen die Blitzgefahr dar.

Sonstige wirksame Schutzmaßregeln gegen die Gefahr, womit der Vl-tz Menschen und Gebäude bedroht, giebt es nicht und dürften sich auch schwer­lich Herstellen lasten. Immerhin kann und soll man während eines Gewitters verschiedene Vorsichtsmaß- regeln beobachten, durch welche sich die Gefahr, vom Blitze erschlagen zu werden, wenigstens in etwas mindert. Befindet man sich zur Zeit eines Ge- witters in Gebäuden, so hüte man sich besonders, in einer Leitung die vorhandenen Lücken mit seinem Körper auszufüllen. Solche Stellen sind unter Kronleuchtern, welche in metallenen Ketten hängen, unter Drahtzügen, in der Nähe metallbelegter Spiegel und der eisernen Fensterstangen, überhaupt da, wo größere Metallmassen vorhanden sirld. In der Küche ist die Stelle unter dem Nauchfang bei Gewittern gefährlich, denn der Ruß im Schornstein giebt für den electrischen Funken einen guten Leiter ab. Der relativ sicherste Platz bei einem Gewitter ist im Zimmer in der Mitte destelben, da der Blitz es liebt, an den Wänden hinzugehen. Die alte Regel, die Fenster bei einem Gewitter zu schließen, sollte man trotzdem lieber nicht befolgen, Zugluft vergrößert die Blitzgefahr durchaus nicht und es ist daher nur von Vortheil, der reinigenden Gewitterluft den Ein­tritt in das Zimmer nicht zu verschließen, lieber die vielventilirte Frage, ob das Verweilen im Bette bei Nachtgewittern die Vlitzgefahr vermindere ob<r vergrößere, sind die Meinungen auch jetzt noch ge- theilt; jedenfalls schlügt aber der Blitz erwiesener­maßen in Federbetten ebensogut ein wie in andere Gegenstände. Befindet man sich bei Ausbruch eines Gewitters im Freien, so hüte man sich vor Allem wie schon erwähnt sich unter Bäume zu stellen; auf freiem Felde, wo man vielleicht den einzigen hohen Gegenstand bildet, thut man am besten, sich platt aus den Boden niederzulegen. Auf i der Straße ist man in der Nähe _ von Mauern, namentlich unter Thorwegen mehr gefährdet, als in der Mitte; besonders sind solche Stellen, wo das Master von den Dächern in starkeit Güsten nieder- stürzt, zu meiden. Jedenfalls bewahre man auch bei dem schwersten Gewitter, feine Ruhe und Be­sonnenheit und bedenke, daß ein Gewitter, auch selbst wenn es Schaden anrichtet, doch immer eine der größten Wohlthaten bedeutet, welche der Himmel den Menschen und den Fluren spendet.

Kedackiou: K. Sche-da. Druck und Verlas der Brühl'schen Druckern (Fr. Ehr. Pietsch) tu Gieß«.