Ausgabe 
4.12.1886
 
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einen scheuen Blick -ückwäris auf das Bett, gewahrte

aver zu uwuiw

Onkel sich gar nicht regte. Ein furchtbarer Gedanke

Druck und Verl«g der Brühl'schm Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) i»

Rrdsrtisn: A. Scheyda,

niederftel. Auf dieselbe Weife erweiterte ich nun die Oeffnung, bis ich endlich ein beträchtliches Stück der Scheibe herausgefchnitten hatte und den von innen vorgeschobenen Riegel .empordrücken konnte. Das Fenster öffnete sich ohne Geräusch, aber als ich , innen hinter dem Schrank stand, hielt ich docy mit - zitterndem Athem an, denn jetzt kam noch ein ge­fährlicher Theil meines Unternehmens. Ich mußte mich gegen das Fenster stemmen, um auf den Schram zu gelangen und von da aus in's Zimmer, und Du kannst Dir vorstellen, wie entsetzlich mir zu Biuthe war, als ich die regelmäßigen Athemzüge meines Onkels vernahm, der wenige Schritte von mir in feinem Bette schlief. Ich lauschte mit angchaltenem Athem, aber an sein Erwachen war offenbar '.ncht zu denken. Noch ein Gedanke an mein ausgebliebenes Jahrgeld, und ich stand vor dem Schreibtisch. Im nächsten Moment steckte bereits mein Nachschlüssel, ; welcher, wie ich wußte, ungefähr paffen mußte, im Schlöffe, aber es bedurfte doch eines besonderen kräftigen Druckes um die Feder in Bewegung zu bringen. Ich drückte und, o Entsetzen I im nächsten Augenblicke sprang das Schloß mit einem so lauten Krache auf, daß ich zusammen zu sinken glaubte. Sofort klang auch die Stimme meines Onkel«, welcher sich aufrichtete und laut rief:Wer ist Da?"' Was nun folgte, vermag ich Dir auch heute noch kaum zu beschreiben. Antworten konnte ich ja mcht, meine Pulse klopften fieberhaft; Funken tanzten vor meinen Augen, ich sah mich schon ergriffen, ms Ge- fängniß geschleppt, verurtheilt, von meinem Onkel enterbt, und alles dieses nur, weil er selbst mich m diese Roth gebracht hatte. Es war ein Augenblick, so fürchterlich, daß ihn wohl keine Feder schildern kann! am liebsten wäre ich sofort ja wieder geflüchtet, aber jetzt ertönte auch schon meines Onkels gellender Hilferuf und wahnsinnig vor Aufregung stürzte icg auf das Bett zu, um wenigstens dieses Geschrei zu ersticken und ihn mit den Kiffen fo lange zuzudecken, bis ich Zeit hatte zu flüchten, denn erkennen konnte er mich in dem Dunkel unmöglich. Ganz besinnungs- los stürzte ich auf ihn zu, packte ihn an Mund und Kehle und klammerte diese fest, aber nur um fern Geschrei zu ersticken. entsinne mich noch sehr deutlich, daß dies mein einziger Gedanke war, denn das Geld zu nehmen, daran dachte ich schon gar

Zweifel erwacht, aber ich wußte Rath. Ich ,zog i einen scheuen Blick .

mit dem Diamantringe, den ich trug, einen kleinen aber l« «® flj $-£ sichtbarer Gedanke runden Kreis und drückte sodann das kleine runde Onkel sch g { Qße§ bisher erlebte,

Glasstückchen rasch nach innen, wo es ohne wsider auf das Bett

Dr. Westen las dieses Bekenntniß in tieser Er­griffenheit zu Ende und weihte dem Andenken des Unglücklichen eine Thräne.

Er saßte den Entschluß, von den erschütternden Mitteilungen (eines ungUWsn F'«"nd« » mnnb eto« ahnen l«*'«* d'-I-n L satz vermochte er nicht durchzufuytL. -

lange nachher erhielt er ^e Nachttcht, daß dre ^e börde nachträglich einen Nnscyulvigen, der m feuer Nwbt stch in auffälliger Weise in der Umgebung Unglückshauscs aufgehalten hatte uud gese-'en wor en war erariffen habe. Was der tobte §reuno 10 ton« aefü chtet, war also dennoch eingetroffen und SgtoÄ W-«m» d°» ru sein dem Gerichte den traurrgen Vorgang uno das Bekenntniß des Verstorbenen uutzMheüen? Wohl erregte das Bekanntwerden der Wahrhe t grenzenloses Aufsehen, aber ^dem Strudeld.r ; Weltstadt war doch auch diese That bald vergesse , i die genug des Bösen wieder erzeugt hatte.

i Dr. F. Müller.

nicht mehr.

Ich mag in meiner großen Erregung auf die Zeit wohl nicht geachtet haben, doch aber entsinne ich mich noch, daß mein Onkel fast gar keinen Wider­stand leistete, daß ich ihn in größter Hast mit Kiffen bedeckte, um dann, bevor er wieder schreien konnte, \ flüchten können. Hastig sprang ich bis zur Thür! s Jeden Augenblick dachte ich sein Geschrei wieder zu . hören, es erfolgte aber nicht und da warf ich noch

langsam und leise schlich ich wieder, auf das Bett zu, die Kiffen bewegten stch nicht! Emen Augenblick lauschte ich, dann riß ich ,in jäher Angst dw Kiffen wieder hinweg, beugte Mich über das Bett

I kein Athemzug mehr, kein Röcheln, ich faßte nach i semem Puls, er stand still; großer Gott, das hattt ich gewiß nicht gewollt; halb bewußtlos mußte ich mich mit Gewalt aufrecht halten, ich erkannte die Situation und wie von Dämonen getagt, stürzte ich davon, riß meinen Nachschlüssel aus dem Schloß des Schreibtisches und war in wenigen Augen­blicken auf demselben Wege, den ich gekommen wieder aus dem Hause entwichen. Wre von Fünen gejagt eilte ich nach Haufe, verbrachte dm Rest .er Nacht in fürchterlichster Verzweiflung und kam schon früh Morgens wieder in die Gegend meuter That, I Wüstete aber sofort dann zu Dir, weil ich sehen wollt-, ob nicht meine Bekannten den Zu ammenhang schon ahnten/ das weitere weißt Du ,a und nun erkennst Du auch den wahren Grund memer da- maliaen Aufregung, der Du selbst mich zu tröste suchtest. Das verborgene Fmfter faud damals je­mand und Du selbst erfährst «"hl auch e^ fetzt ? davon; sehr bald wurde fa auch der Nachlaß ve. I siegelt und später mir übergeben. Ich fefete felbft j die zerbrochene Scheibe wieder em.und das Ra-Hset j wurde nie gelöst, jetzt alter Freund we ßi Du alles, j es ist die reine Wahrheit die ich Dir im Angestchte des Todes bekenne; ich weiß, Du annstundwlrst \ mich nicht verurtheilen, lebe wohl und bewahre em ! freundliches Andenken greunbe

i Henry.