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Weil ich wußte, daß Sie dieses Verlangen stellen würden, wich ich Ihnen aus — "
„Und doch schrieben Sie jene räthselhaften Worte auf den Grabstein; jene Worte, die meinen Mann wie ein Blitz aus wolkenloser Höhe trafen. Wollen Sie mir auch die Bedeutung dieser Worte nicht enthüllen?"
„Es waren die letzten Worte Salberg's!"
„Und die Drohung, die in ihnen liegt, richtete sich gegen meinen Gatten! Ist es nicht so, Herr Oberst?"
„Forschen Sie nicht weiter —"
„Ich muß es. Ich finde erst dann meine Ruhe wieder, wenn ich Gewißheit habe, wenn dieses Dunkel für mich gelichtet ist."
„Ruhe? Ich glaube es nicht!"
„Und ich bin davon überzeugt. Ich kann ohne Bedauern Allem entsagen — "
„Ich bitte Sie nochmals, forschen Sie nicht weiter 1" erwiderte der Oberst mit einer raschen, abwehrenden Handbewegung. „Folgen Sie meinem Rath und suchen Sie zu vergessen, was hinter Ihnen liegt."
„Können Sie das? Ich glaube nicht, daß ein Mensch es vermag, der nicht völlig abgestumpft ist! Haben Sie Mitleid mit mir, verlangen Sie Verschwiegenheit, ich verspreche sie Ihnen; kein Wort soll über meine Lippen kommen. Richt einmal meinem Gatten werde ich sagen, wer mir das Ge- heimntß enthüllt hat —"
„Halten Sie ein, gnädige Frau!" rief der Oberst erregt. „Sie wissen nicht, wie sehr es mich schmerzt, Ihre Bitte nicht erfüllen zu dürfen!"
„So werde ich niemals die Lösung finden?" fragte sie in herbem Tone. „Run wohl, ich finde darin keine weitere Bestätigung für die Richtigkeit meiner Vermuthung, und der Weg, den ich fortan zu gehen habe, ist mir nun vorgezeichnet. Kann ich zu meinem Gatten zurückkehren, so lange dieser furchtbare Verdacht auf ihm ruht? Der Schatten des Todten steht zwischen ihm und mir, er trennt uns für dieses Leben, und begehe ich damit ein Unrecht, so mögen Diejenigen es verantworten, die diesen Schatten heraufbeschworen haben."
Sie hatte sich von ihrem Sitz erhoben. Der Oberst wandte das Antlitz ab; er schien den vorwurfsvollen Blick ihrer fieberglühenden Augen nicht ertragen zu können.
Der Referendar warf ebenfalls dem Oberst einen zürnenden Blick zu. Dann bot er ihr den Arm, um sie hinauszuführen.
„Bleiben Sie noch einige Minuten, gnädige Frau", sagte der Oberst mit dumpfer Stimme. „Die Verantwortung, mit der Sie mir drohen, fürchte ich nicht, denn meine Weigerung entspringt ja nur der Rückficht auf Ihr Wohl. So lange die Verhältnisse so bleiben, wie sie jetzt sind, darf ich nicht reden; aber es ist möglich, daß sie sich ändern, und dann sollen Sie Alles erfahren. Wann und in welcher Weise diese Aenderung eintreten kann,
läßt sich jetzt noch nicht voraussehen — ich spreche auch nur von einer Möglichkeit, und mag ich nun hier 5 ober wieder drüben sein, ich werde von der Aenderung Kenntniß erhalten und dann mein Versprechen einlösen."
„Das ist ein sehr schwacher Trost", sagte Vera leise.
„Aber immerhin ist es ein Haltpunkt, den ich Ihnen biete", erwiderte er, „und Sie dürfen darauf vertrauen, daß ich meines Wortes eingedenk bleiben werde."
Roch einmal ruhte ihr Blick voll seltsamer, fieberhafter Erwartung auf ihm, dann wandte sie ihm mit einem tiefen, schmerzlichen Seufzer den Rücken, und ihre Hand auf den Arm des Referendars legend, schritt sie langsam hinaus.
Der Oberst schloß hinter ihr die Thür zu; er drehte den Schlüssel um und schob den Nachtriegel vor, dann warf er sich in eine Ecke des Sophas, und das Antlitz mit beiden Händen bedeckend, schluchzte er hörbar.
16. Capitel.
Ein Augenblick des Glücks.
Weder Vera noch der Oberst erschienen am nächsten Morgen zum Frühstück, das die Wirthin für ihre Gäste in einem befonderen Zimmer servirt hatte.
Vera ließ sich durch Ludmilla entschuldigen; der Oberst hatte dem Wirth erklärt, sein Zimmer nicht eher verlassen zu.wollen, bis die Damen wieder abgereist seien.
„Ich werde die Ueberraschung nicht vergessen, die Ihre unerwartete Rückkehr mir gestern Abend bereitete", wandte der Referendar sich zu Ludmilla, nachdem sie ihm die volle Taffe überreicht hatte. „Ich fürchte, daß der Herr Oberst mir den Vorwurf machen wird, ich habe davon eine Ahnung gehabt, und ihn absichtlich in eine Falle gelockt."
Ludmilla blickte sinnend vor sich hin.
„Ich begreife jetzt selbst diesen kühnen Entschluß nicht", erwiderte sie, „und gestern erschien er mir so natürlich, daß ich keine Einwendung gegen ihn zu machen wußte. — Sie blieben hier, trotzdem Ihre Geschäfte erledigt waren — daraus und aus einigen Aeußerungen, die Sie auf dem Bahnhofs fallen ließen, zog Vera den Schluß, daß der Oberst noch hier weilen müffe. Sie sagte mir das mit einer Sicherheit, die mich überraschte, und Tante Lina war augenblicklich geneigt, ihrer Behauptung beizupflichten. Vera war ferner überzeugt, daß der Oberst sofort nach unserer Abreise in dieses Gasthaus zurückkehren würde; sie glaubte das aus einigen Aeußerungen der Wirthin entnehmen zu dürfen, die jetzt ernste Bedeutung für sie gewonnen."
„Und was kein Verstand der Verständigen sieht, das übet in Einfalt ein kindlich Gemüth", nickte der Referendar.
„Der Entschluß war gefaßt, ehr wir in Wiesbaden


