Hichener Jamilienöläüer
KeLetristischer BeidLstt Mm SleßkKer KKzeigee«
Nr. 104.
Samstag den 4. September.
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Htauöe, Lieöe, Koffnung.
Wer hebt uns vertrauend den zagenden Blick Empor nach den himmlischen Höhen?
Wer stärkt uns — verläßt uns das irdische Glück — Und läßt uns im Kampfe bestehen?
Der Glaube ift’S, tief in die Brust uns gesenkt. Der Alles im Leben zum Guten lenkt I
Wer schlingt um die Herzen das heiligste Band Und schmückt uns das Leben mit Blüthen?
Wer führt uns beglückend durch's Erdenland, In Seligkeit, Eintracht und Frieden?
Die Liebe ist's, die durch das Weltall dringt, Und süß, wie ein Engel, die Herzen bezwingt!
Wer lindert den Schmerz, wenn die Glocke so bang' Ertönet zum Scheiden der Lieben?
Wer heilt dann die Wunden beim letzten Gang, Wenn nichts uns im Leben geblieben?
Die Hoffnung ist's, die uns aus ewigen Höh'n Am Grabe noch lispelt: Auf Wiederseh'n!
D'rum, Sterblicher! wahre im Busen dir treu
Dein Glauben, dein Lieben und Hoffen!
Trag tief in dem Herzen die Perlen drei. Der Himmel dann zeigt sich dir offen!
Ja, schätze sie höher denn Silber und Gold, Sie lächeln in's Leben wie Sterne so hold!
Th. Loos.
Saat und Ernte.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Der Oberst, dessen Stirne sich finster umwölkt hatte, wiegte ablehnend das Haupt.
„Was bezwecken Sie damit?" fragte er mit leiser Stimme. „Lassen Sie die Tobten ruhen, gnädige Frau, keine Klage kann sie ins Leben zu- rückrufen."
Aus den dunklen Augen Vera's traf ihn ein . scharfer, forschender Blick.
„Sie behaupten, der beste Freund Salberg'S ! gewesen zu sein", sagte sie, ihrer Erregung mühsam
gebietend; „Sie kennen die Gründe, die ihn in den Tod getrieben haben; weshalb wollen Sie daraus ein Geheimniß machen?'
„Weil ich es muß."
„Was zwingt Sie dazu?"
„Meine Ehre."
„Das eben ist mir unverständlich. Was hat Ihre Ehre mit diesem Geheimniß zu schaffen? Würde die Enthüllung desselben auf Ihre Ehre oder aus die Ehre des Tobten einen Makel werfen?"
„Nein", erwiderte er. „Nichtsdefloweniger muß ich schweigen."
„Sie dürfen mir auch nicht den Brief zeigen?"
„Nein, gnädige Frau, Ihretwegen nicht!"
„Glauben Sie, daß ich noch unglücklicher werden könne, als ich es bin?" fragte sie bitter.
„Gewiß, und ich halte mich verpflichtet, das zu verhüten, soweit es in meiner Macht liegt."
„Ich errathe, was 'Sie befürchten! Die Ent« hüllung jenes Geheimnisses würde meinen Gatten entehren."
„Das habe ich in keiner Weise behauptet!"
„Aber ich glaube es, ich muß es glauben und — "
„Sie quälen sich selbst, gnädige Frau", unter« brach der Oberst sie, der im Hintergründe des geräumigen Zimmers auf und nieder wanderte. „Können Sie das Geschehene ungeschehen machen? Nein! Wenn ich Ihnen sage, daß auf dem Andenken unseres Freundes kein Fleck ruht, muß Ihnen das nicht genügen?"
„Und glauben Sie, Herr Oberst, daß Sie mit solchen Phrasen den Sturm in meinem Innern beschwören können? Müssen diese ungelösten Rüthsel nicht die Vermuthung in mir wecken, daß hier ein Verbrechen vorliegt, daß — sage ich's gerade heraus — damals ein Mord begangen wurde?"
„Wie kommen Sie nur darauf?" sagte er vorwurfsvoll. „Wäre diese Vermuthung begründet, so würden Diejenigen, die das Geheimniß kennen, den Mörder zur Rechenschaft gezogen haben!"
„Nun denn, wenn ich dieser Erklärung Glauben schenken darf, dann frage ich noch einmal, weshalb sollen mir die Räthsel nicht gelöst werden?"
„Weil Hermann von Salberg es nicht wollte!" „Diesen Grund kann ich nicht anerkennen!"
„Auch dann nicht, wenn ich Ihnen sage, daß unser verpfändetes Ehrenwort uns verpflichtet, seinen letzten Willen zu ehren? Sie müssen diesen Grund gelten lassen, gnädige Frau. Sie können und dürfen nicht verlangen, daß wir unser Wort brechen sollen.


