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„So nehmen Sie doch Vernunft an! Wie können Sie nur hierher kommen und mich vor meinem Chef so bloßstellen. Und was wollen Sie überhaupt von mir?"
„Was kann ich wollen", entgegnete der Andere ausweichend. „Geld natürlich!"
„Geld?" fragte entsetzt Duprat. „Sie wollen mich schrauben? Nur weil Sie mich einmal zufällig im „Fuchsbau" gesehen haben, wohin mich und noch einen Freund die bloße Neugierde lockte."
„Neugierde — hm, hm!" kicherte der Andere. „Was Sie nicht schlau sind! Und die Sachen — he?"
„Sachen?" Was für Sachen?"
„Na nu, na nu! Thun Sie doch man nicht so. Werden sich doch noch des Bündels Maskenkostüme entsinnen, welches der Kahnführer —"
„Ja, ja, was ist's damit?" fragte Duprat rasch und erregt.
„Damit? Nun, ich hab's. Das ist's damit."
„Sie? Und weiter?"
„Was denn weiter? Thun Sie doch man nicht, als wenn Ihnen an den Sachen Nichts gelegen wäre, und sagen Sie lieber gleich rund heraus, was Sie dafür zahlen wollen?"
„Ich? Nichts."
„Nichts?" staunte Fuchseisen. „Das heißt, Sie beginnen mit Nichts, um nachher recht wenig bieten zu können. Ich bin aber kein Mann von vielen Worten, und nehme meinen Antheil, wenn man ihn mir nicht giebt. Also, da Sie nur Angestellter, aber jedenfalls in guten Verhältnissen sind — zehntausend Mark für das Bündel innerhalb dreier Tage an einem bestimmten Ort, sonst komme ich wieder."
Duprat wechselte die Farbe.
„Zehntausend Mark", stammelte er, „für eine einzige Dummheit, nur weil es mich um Stellung und Brot bringen kann, wenn mein Ches erfährt —"
„Daß Sie Verkehr mit Verbrechern haben."
„Wer? Ich?"
„Ach, geh'n Sie doch man. Riston — Stempelschneider! Was ist das? Das kennt man. Man annoncirt jetzt von Polizei wegen nach falschen Hundertmarkscheinen — auch nach einem Bündel, enthaltend —"
„Wie, was ist das?" fiel Duprat erregt ein.
„Lesen Sie denn nicht die Säulenanschläge? Da können Sie es sehen."
„Also das Bündel wird gesucht; es ist da und — wer mir am meisten dafür zahlt, der hat's."
„So geben Sie es der Polizei, die Ihnen vielleicht mit einigen Jahren hinter Schloß und Riegel dafür zahlen wird", spöttelte Duprat. „Für mich haben die Sachen nicht den Werth von zehntausend Pfennigen."
(Fortsetzung folgt.)
Km Osterfest.
Novelette von Th. Hempel.
(Schluß.)
„Glauben Sie sich wirklich gebunden, den Willen Ihres Vaters zu erfüllen, welcher gewiß nicht ahnte, daß ein Betrüger ihn umgarnte?"
„Lucia wir beteten beide soeben an den Hügeln, welche die irdischen Reste unsrer Heimgegangenen bergen, nur dis irdischen. Kein Tag ist beffer ae- eignet, als der Ostersonntag, unsere Blicke nach O6en zu richten, in dem festen Glauben, daß die Geister dort frei von irdischen Banden, klar sehen und segnend auf uns hernieder blicken. Eine wunderbare Fügung führt uns hier zusammen, lassen Sie ihr nicht grausam noch eine Trennung folgen.
„Lucia, ewig Geliebte", fuhr er fort, als sie noch immer schwieg, — „widerstrebend, nur der Mutter dringenden Bitten folgend, kehrte ich hierher zurück zu kurzem Aufenthalt. Ungeahnt sah ich Sie wieder, fand ich Sie hier an den Gräbern unserer Lieben. Empfinden Sie nicht mit mir, daß es eine höhere Hand, eine himmlische Leitung ist, welche uns heute hier zusammenführt? Werfen Sie Mißtrauen und Bedenklichkeiten von sich, reichen Sie mir noch einmal die Hand, zum seligen Bunde für's Leben. Vor zwei Jahren empfing ich von Ihnen das beglückende Geständniß, daß Sie meine Liebe erwiderten, erneuern Sie heute dies Wort, lassen Sie uns nach langer schmerzensreicher Zeit, das Fest der Auferstehung mit frohem Herzen feiern."
Lucia blickte auf, einen Augenblick schaute sie ihn mit ihren großen, treuen Augen ernst an, dann senkte sie den Blick wieder zu Boden und sprach mit tiefem Erröthen:
„Noch bin ich nicht frei, verlangen Sie jetzt keine Erklärung von mir, gönnen Sie mir noch einige Stunden Zeit, um zur Klarheit zu gelangen. Wollen Sie Nachmittag zu mir kommen, dann sollen Sie offen in meinem Herzen lesen."
Sie reichte ihm die Hand, blickte ihn freundlich an und trott dann schnell den Heimweg an.
Luciens Tante bemühte sich, während der Abwesenheit ihrer Nichte den ungeduldig harrenden Baron Krotnow zu unterhalten, es gelang ihr schwer, da sie selbst, tief verstimmt über das lange Fernsein derselben, ihren Zorn kaum länger zu verbergen vermochte. Endlich trat die sehnlich Erwartete ein, Krotnow sprang auf, versuchte ihre Hand zu ergreifen, doch sie entzog sie ihm und begrüßte ihn mit einer stolzen Verbeugung.
Die Tante empfing sie mit Vorwürfen:
„Ich finde es unverantwortlich, daß Du den ganzen Morgen' ausgehst, während der Herr Baron hier auf Dich wartet.
Lucia hatte nur ein verächtliches Achselzucken für sie und roenbete sich sogleich zu dem Baron mit den Worten:


